Warum muss ich manchmal lachen, wenn ich traurig bin?

7 Antworten

Du hast dieses Gefühl sehr gut beschrieben. Es entspringt einer Mischung aus Resignation und Aufbegehren...

Lachen und weinen sind viel näher verwandt als manche vermuten. Gemeinsam ist beiden, das sie einem spontanen Gefühl entspringen das aus vollem Herzen kommt. Es ist dabei gleichzeitig Ausdruck und Ventil unserer übersprudelnden Emotionen. Deswegen erleichtert ein Gefühlsausbruch auch normalerweise und wir fühlen uns danach so gut bzw wenigstens besser.

Wenn wir aber wiederholt oder über längeren Zeitraum, einem Schmerz, einer Ungerechtigkeit, oder einer Situation ausgesetzt sind, der wir machtlos gegenüberstehen - kann dies zu einer Überforderung der Psyche führen.

In diesem Moment schaltet sich automatisch der Kopf ein, der die Sache nun rational zu lösen versucht. Diese Widerstreit spiegelt sich dann auf der Gefühlsebene wider, indem wir in traurigen Situationen auf einmal scheinbar widersinnig und unlogisch reagieren.

Ein weises Schriftwort besagt schon:

Auch beim lachen kann das Herz Schmerz empfinden!

Warum wir so reagieren? Vielleicht wollen wir nichts nach außen tragen. Verstecken Verletzbarkeit hinter Gleichmütigkeit, Galgenhumor, Ironie oder bösem Sarkasmus. Vielleicht wollen wir aber auch unbewußt, das andere diese Widersprüchlichkeit zur Kenntnis nehmen und aufmerken. Vielleicht gilt das Signal auch uns selbst. Ruft nach Veränderung. Wie auch immer - da dies lachen nicht durch Freude hervorgerufen wird, fühlt es sich auch nicht fröhlich an - sondern bitter.

Das Gute dabei, solange dieser "Ausgleichsmechanismus" noch anspringt - ist es ein Zeichen dafür das du auf Druck mit Gegendruck reagierst und somit noch wehrhaft bist. Wichtig wäre auch abzuklären was der Auslöser oder Ursache ist. Ob es sich um entwicklungsbedingte, gewöhnliche Gefühlsschwankungen handelt, um depressive Verstimmungen oder je nach Häufigkeit und Ausprägung schon der Beginn einer Depression vorliegt. Ich glaube in diesem Fall würde vorerst ein vertrauliches Gespräch mit deinem Hausarzt weiterhelfen.

Liebe Grüße IID

Vielen Dank!

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Kann gut sein, dass du (mehr oder weniger unbewusst) mit dem Lachen die Traurigkeit in dem Moment überspielen willst, dir vielleicht nicht eingestehen willst, dass du traurig bist. Es gibt Menschen, die lachen ihr ganzes Leben lang rund um die uhr, um damit etwas zu überspielen. Aber das alles ist schwer zu sagen, da ich dich nicht kenne. Ich denke, das wirst du für dich selbst herausfinden müssen

Eigentlich ist es bei mir so, dass ich es nur vor anderen Menschen eher zu verdecken versuche, wenn ich traurig bin. Ich selbst weiß aber, dass ich es bin und akzeptiere es soweit ich weiß auch. Trotzdem könnte Deine Theorie evtl. stimmen, ich werd mal versuchen, der Sache weiter auf den Grund zu gehen. Dankeschön!

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Du kannst trainieren, dass dieses Lachen nicht erzwungen ist, sondern dass es wirklich von Herzen kommt und damit der Traurigkeit keine Chance gibt. Dann tut es nicht mehr weh und ist ein positives Lachen. Natürlich gibt es auch Situationen, wo die Tränen einfach raus müssen. Man sollte aber darauf achten, dass das nicht so häufig ist. Schnell kann man sich sonst ein Muster zulegen und immer in entsprechenden Situationen traurig sein und anfangen zu weinen. Nur wer weinen will, weint auch.

Indem man sich, wenn man weint, z. B. im Spiegel angrinst, nimmt man dem Grund seiner Traurigkeit den Ernst. Zunächst wirkt das Lachen noch etwas erzwungen. Doch nach einer Weile wird es in einen übergehen und dazu veranlassen, nicht mehr traurig zu sein. Man nimmt damit einer jeden Situation den Ernst und die Macht.

Jede Situation hat nur die Macht, die ich ihr verleihe.

Hallo C.,

Lachen und Weinen liegen viel dichter beieinander als 'man' normalerweise denkt. Und so wie es Freudentränen gibt, gibt es auch Lachen beim Trauern. Es gibt ja sogar so etwas wie Galgenhumor, also Lachen in Situationen, die lebensbedrohlich bis tödlich sind. Und das Schluchzen, die intensivste Form des Weinens ist dem Lachen sogar körperlich ähnlich.

Vergiss, dass Lachen und Weinen Gegensätze sein sollen, dass man nur in Trauer weinen und nur in Fröhlichkeit lachen darf. Beides kommt, wann es will und es tut gut, wenn man dann auch bereit dafür ist.

Ich glaube, dass beides durch emotionale Lernprozesse ausgelöst wird, durch plötzlich mögliche Entspannung nach langer Anspannung. Insofern ist es auch immer Teil eines Gesundungsprozesses. Auch das Trauern selber ist ja ein Heilungsprozess der Gefühle, um mit einer neuen schwierigeren Situation zurechtzukommen.

Dazu noch ein schönes Zitat aus Khalil Gibrans "Prophet":

"Von der Freude und vom Leid

Dann sagte eine Frau: Sprich uns von der Freude und vom Leid. Und er antwortete: Eure Freude ist euer Leid ohne Maske. Und derselbe Brunnen, aus dem euer Lachen aufsteigt, war oft von euren Tränen erfüllt. Und wie könnte es anders sein? Je tiefer sich das Leid in euer Sein eingräbt, desto mehr Freude könnt ihr fassen.

Ist nicht der Becher, der euren Wein enthält, dasselbe Gefäß, das im Ofen des Töpfers brannte? Und ist nicht die Laute, die euren Geist besänftigt, dasselbe Holz, das mit Messern ausgehöhlt wurde? Wenn ihr fröhlich seid, schaut tief in eure Herzen, und ihr werdet finden, dass nur das, was euch Leid bereitet hat, euch auch Freude gibt. Wenn ihr traurig seid, schaut wieder in eure Herzen, und ihr werdet sehen, dass die Wahrheit um das weint, was euch Vergnügen bereitet hat.

Einige von euch sagen: "Freude ist größer als Leid", und andere sagen: "Nein, Leid ist größer." Aber ich sage euch, sie sind untrennbar. Sie kommen zusammen, und wenn einer allein mit euch am Tisch sitzt, denkt daran, dass der andere auf eurem Bett schläft. Wahrhaftig, wie die Schalen einer Waage hängt ihr zwischen eurem Leid und eurer Freude. Und wenn ihr leer seid, steht ihr still und im Gleichgewicht. Wenn der Schatzhalter euch hochhebt, um sein Gold und sein Silber zu wiegen, muss entweder eure Freude oder euer Leid steigen oder fallen."

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@Machtnix53

Danke Dir. Vor allem das Zitat hat mich zum Nachdenken gebracht.

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Das scheint bei dir eine Übersprungshandlung zu sein - vielleicht bist du von dem traurigen Gefühl überfordert? Sowas führt manchmal zu Übersprungshandlungen. Sprich dich mal mit jemandem aus oder gehe zum Psychologen (hat nichts mit "verrückt sein" zu tun) - glücklich und zufrieden erscheinst durch deinen Text nicht.

Ich glaub ehrlich gesagt nicht, dass es nötig ist, auch aus dem Grund, dass ich hier nur bestimmte Momente beschreibe und nicht meinen dauerhaften Gemütszustand...aber danke für Deine Antwort.

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