Warum hat Adolf Hitler nicht die Türkei angegriffen?

22 Antworten

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Schon im Ersten Weltkrieg waren die Türkei und das Deutsche Reich Verbündete. Auch nach der Niederlage unterhielt man gute Beziehungen zueinander.

So kamen mit der Unterzeichnung eines Freundschaftsvertrages (1924) die diplomatischen Beziehungen wieder in Gang. Auf militärischer Ebene wurden intensive Beziehungen gepflegt: Deutschland half bei der Ausbildung türkischer Soldaten und war die primäre Quelle der Türkei für Rüstungsgüter; deutsche Firmen unterstützten außerdem den Aufbau der türkischen Waffenindustrie. Hier wirkten also die guten Beziehungen aus der Zeit vor und während des ersten Weltkrieges nach und wurden weiter gepflegt. Das war auch ab 1933 so.

Die Türkei verfolgte aber eine Politik der Neutralität. So trat am 8.11.1939 das Beistandsabkommen zwischen der Türkei, Frankreich und Großbritannien in Kraft, das Vereinbarungen „über gegenseitige Militärhilfe und Zusammenarbeit“ vorsah – ohne die Neutralität der Türkei ganz aufzugeben. Auf der anderen Seite wurde 1941 ein Freundschaftsvertrag mit dem Deutschen Reich geschlossen.

Eine offene Unterstützung des Dritten Reichs durch Gestattung deutscher Truppenbewegungen durch die Türkei und als Aufmarschgebiet gegen die Sowjetunion hätte einen Beitritt zum Krieg auf Seiten der Achsenmächte bedeutet. Daran hatte die Türkei kein Interesse.

Der seit April 1939 als deutscher Botschafter amtierende Franz von Papen sicherte der Türkei zu, ihre territoriale Integrität zu respektieren. Im Oktober 1941 wurde ein Abkommen (Claudius-Abkommen) geschlossen, wonach die Türkei bis 1944 bis zu 135.000 Tonnen Chromit-Erz nach Deutschland lieferte. Die Türkei bezog dafür militärische Ausrüstung.

Als im August 19444 mit dem Einmarsch der Roten Armee in Bulgarien der Landweg zu den Achsenmächte gekappt wurde, stellte die Türkei auch ihre diplomatischen und Handelsbeziehungen mit Deutschland ein.

Am 23. Februar 1945 erklärte die Türkei auf Seiten der Alliierten dem Deutsch Reich schließlich den Krieg, um es sich nicht mit den Siegern zu verderben und um Gründungsmitglied der Vereinten Nationen werden zu können.


Unser Historiker! ;-)

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Sehr gut und gründlich recherchiert.  5 DH !

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Danke für den Stern!

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@PeVau

Den hast du echt verdient ;)

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wo hast du den Text kopiert?

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Zur ausführlichen politischen Antwort von PeVau bliebe noch hinzuzufügen, daß die gesamte Region einschließlich der Türkei schlicht nie ein Ziel der deutschen Expansionspolitik war. Von der ersten bis zur letzten Minute ging es Deutschland immer nur um das vordere Russland und was dazwischen liegt - alles andere sind Nebenschauplätze. Ganz Frankreich wurde in erster Linie genommen, um die Westgrenze zu sichern.

Hätte Deutschland die Türkei erobert, hätte man nicht nur wieder ein vergleichsweise wertloses Stück Land administrieren müssen, sondern weiter die eigene Expansion nach Russland beeinträchtigt. MIT einer intakten Türkei jedoch hatte man eine relativ verlässliche Blockade gegen Alliierte Aktionen von Süden, insbesondere, da der nahe Osten ja von den Briten kontrolliert war. Zudem kontrollieren die Türken den Bosporus und schränkten damit die militärische Verwendung des Schwarzen Meers hilfreich ein.

Es gibt in angloamerikanischen Kreisen diese Mär, daß die Deutschen die "Weltherrschaft" anstrebten - leider schwappt diese auch gerne in andere Kreise, da die Geschichtslesung wie so häufig von den Siegern geprägt ist. Dies war nie der Fall (Zweifellos ist die "Weltherrschaft" für jede Großmacht eine verführerische Idee, jedoch immer nur als möglicher Endzustand erwogen, nie als direkte Motivation). Die Nazis waren krank und verdreht, aber nicht verrückt.


Hitler mochte Atatürk weil er blaue Augen hatte. Die Türkei bzw. das Osmanische Reich war Deutschlands Verbünderter im 1. Weltkrieg, es gab keinen Grund die Türkei anzugreifen, Spanien oder Portugal wurden auch nicht angegriffen, ist also nicht so, daß Hitler jedes Land angegriffen hätte, das er hätte angreifen können.

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