Was ist der Unterschied zwischen Freikirche und Volkskirche?

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1 Antwort

Der Unterschied spielt eigentlich nur in Ländern eine Rolle, in der es eine Staatskirche gab oder gibt. In Deutschland gab es Staatskirchen in der Zeit nach dem 30jährigen Krieg und dem Augsburger Religionsfrieden. Die Volkskirchen sind soweit ich weiß aus diesen hervorgegangen, aber da fragst du dort am besten noch einmal nach.

Organisatorisch unterscheiden sie sich dadurch, dass in der Regel

  • man Mitglied einer Volkskirche wird durch Geburt oder Kindestaufe (oder "-taufe", je nach Taufverständnis), während man Mitglied einer Freikirche durch eigene Entscheidung wird

  • Volkskirchen ihre Kirchensteuer über den Staat einziehen lassen, während Freikirchen auch hier auf das Prinzip der Freiwilligkeit setzen (obwohl sie - sofern sie Körperschaften des Öffentlichen Rechts sind, dies auch tun könnten)

  • Volkskirchen dazu neigen, sich als die alleinige Vertretung des Christentums zu betrachten und alles andere als Sekte zu bezeichnen

  • in Volkskirchen die Verantwortung auf den Schultern des Pfarrers (/ ggf. der Pfarrerin) lastet, sowohl was die Arbeitsbelastung als auch was die Lehrmeinung betrifft, während Freikirchen oft eine Tradition der Laienbeteiligung haben - sofern sie nicht überhaupt alle Gemeindemitglieder als gleichrangig verstehen (dies ändert sich in den Volkskirchen Gott sei Dank in den letzten Jahren etwas)

  • Volkskirchen sind gebietsweise organisiert, viele (aber nicht alle) Freikirchen haben eine ortsunabhängige Mitgliedschaft

  • Volkskirchen haben (soweit ich weiß) offizielle übergeordnete Gremien, die über die Lehrmeinungen, die Praxis etc. in den Einzelgemeinden wachen, viele Freikirchen betonen die Selbständigkeit der Gemeinde vor Ort (beides hat Vor- und Nachteile)

Es gibt noch mehr; dies ist das, was mir im Moment einfällt.

Die Unterschiede in der Lehre (Theologie, Ethik etc.) sind in der Regel kleiner als man annimmt, wenn man die Organisationen von außen betrachtet.

Ergänzung: Wenn eine Freikirche sich als "(allein) rechtgläubig" versteht, ist sie in der Regel extrem hierin und betrachtet alle anderen Bewegungen, inklusive der Volkskirchen, als Sekten.

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@PWolff
Ergänzung: Wenn eine Freikirche sich als "(allein) rechtgläubig" versteht, ist sie in der Regel extrem hierin und betrachtet alle anderen Bewegungen, inklusive der Volkskirchen, als Sekten.

Solche Glaubensgemeinschaften werden aber allgemein nicht als Freikirche bezeichnet, sondern als Sekte.

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