Sind der christliche Glaube und der Zen-Buddhismus irgendwie vereinbar?

12 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Nein, ist es nicht. Zen-Buddhismus (und ich rede jetzt von der ursprünglichen Form, wie er in Japan entstanden ist) lehnt die geschriebene Sprache als Quelle irgendwelcher Weisheit ab. Das Christentum baut aber ganz fest auf die Bibel als Gottes Wort. Und auch sonst - Wiedergeburt vs einmaliges irdisches Leben, Erleuchtung statt Vergebung, verlieren des (oberflächlichen) Ich vs gottgegebene Individualität, Meditation statt Gebet, und die Tatsache, dass der dreieinige Gott im Buddhismus quasi ein Nicht-Faktor ist..."christliche Zazen Gruppen", die tatsächlich verstehen, was Buddhismus ist bzw. was christlicher Glaube bedeutet, kann ich mir nicht vorstellen.

Also in den "Außenbereichen" wie der Ethik und der Moral gibt es da sicherlich viele Übereinstimmungen. Auch bei manchen Kulturtechniken (Gebet / Meditation). Darauf beziehen sich Menschen, die von der Vereinbarkeit von Religionen sprechen, zumeist. Da dies allerdings die Bereiche sind, die sehr stark "nach außen" wirken (also in dieser Welt in Erscheinung treten), sollte man solche Übereinstimmungen nicht kleinreden. Es sind oft die Bereiche, in denen man Menschen anderer Religion sehr leicht als Geschwister sehen und ihnen mit Liebe begegnen kann.

Du hast aber m.E. Recht, dass die Grundlagen durchaus andere sind. Ein paar Beispiele.

Das negieren eines Bewusstseins widerspricht dem freien Willen im Christentum.

Einen "Gott" als von mir unabhängiges, souveränes, schöpfendes Wesen gibt es im Buddhismus nicht. Darum wird der Buddhismus auch oft als Philosophie und nicht als Religion bezeichnet.

Der Buddhismus strebt nach Selbsterlösung ("Erleuchtung"), während das Christentum der Meinung ist, dass Erlösung und Erkenntnis nur von Außen - von Gott - kommen kann (Offenbarungsreligion).

Nicht zuletzt gibt es im Christentum natürlich diesen starken Anspruch von Jesus: "niemand kommt zum Vater außer durch mich". Wobei die Buddhisten ja gar nicht zu irgendeinem Vater kommen wollen. ;o)

Es gibt ein Bild, dass die menschlichen Religionen wie Blinde sind, die einen Elefanten jeder an einer anderen Stelle betasten und ihn beschreiben ("Eine sanfte Schlange" - "Eine runzelige Wand" - "Ein Baumstammm"). Jeder hat Recht - und keiner sieht das Ganze.

Im Grunde ist jede Religion ein über Jahrhunderte gewachsenes und daher in sich sehr geschlossenes und stringentes System, das sich, wenn man es ernst nimmt, nicht so einfach mit anderen "kombinieren" lässt. Viele Menschen tun das trotzdem und finden eine Möglichkeit für sich. Das geht meistens nicht, ohne Kernsätze BEIDER Religionen zu negieren oder zu ignorieren, aber das ist ja nicht illegal. ;o)

Für eine Antwort kommst also nicht drum herum, dich selbst intensiv mit beiden Religionen zu befassen und die für dich "stimmigere" zu finden (oder eine stimmige Kombination.)

Meine persönliche Herangehensweise: Ich bin Christ. Aber einige "Techniken" des Buddhismus, der sich viel wissenschaftlicher mit Bereichen wie z. B. der Meditaion auseinandergesetzt hat, finde ich recht inspirierend.

Die Lehren des Buddha sind gut.

Daraus sind im Laufe der Jahrhunderte durch die vielen Schulen und Sekten jedoch ein Labyrinth von Legenden, Traditionen, komplizierten Lehren und Auslegungen geworden.

Haargenau so ist es bei den Christen:

Die Lehren des Christus sind gut. Daraus sind im Laufe der Jahrhunderte durch die vielen Sekten jedoch ein Labyrinth von Legenden, Traditionen, komplizierten Lehren und Auslegungen geworden.

Sogar viele Lehren des Buddhismus ähneln sich mit denen von Christen (sie stimmen aber nicht immer mit der Bibel überein):

— Wiedergeburt — Seelenwanderung (unbiblisch).

— Karma und Samsara — Schicksalsglaube, Weiterleben der Seele nach dem Tod (unbiblisch).

— Erleuchtung ohne Gott — auch Christen glauben immer weniger an den Gott der Bibel (JHWH / JAHWE / JEHOVA).

— Buddha wird angebetet, obwohl er stets ablehnte, Gott zu sein — Jesus wird angebetet, obwohl er stets ablehnte, Gott zu sein.

— Nirwana (die Lehre von Erleuchtung und Heil durch eigene Kraft) — Christen beten zwar um das „Königreich Gottes“ (Mat. 6:10], vertrauen aber eher auf die eigene Kraft und die von der Politik.

— Der Zen-Buddhismus im Besonderen lebt u. a. vom Meditieren — Manche Christen erleben durch das Gebet ähnliches.

Der Unterschied:

Der Buddhismus erklärt die Welt OHNE einen Gott. Manche Christen erkennen ein oder mehrere Wesen (Trinität) als ihren Gott an.

Die vielen Gemeinsamkeiten — auch im Vergleich mit anderen Religionen — lassen auf einen gemeinsamen Ursprung aller Religionen schliessen.

Der Bibelbericht über den Turmbau zu Babel und die damit verbundene Sprachverwirrung, und das darauf folgende zwangsweise Auseinandergehen der Bauleute lässt den Schluss zu, dass auf diese Weise sich ähnelnde Religionen in alle Welt getragen wurden.

Liebe Grüsse ...

Zusatz:

Jesus hielt es nicht für vereinbar, Religionen miteinander zu vermischen:

“doch eng ist das Tor und eingeengt der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden ... An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Mat. 7:14, 16)

An Pacdidthissh1t:

Im Buddhismus wird die Existenz einer unsterblichen Seele abgelehnt. Trotzdem drehen sich seine Lehren um die Vorstellung, daß alle Menschen durch unzählige Wiedergeburten von einem Leben zum andern wandern (Samsara) und unter den Folgen vergangener und gegenwärtiger Taten zu leiden haben (Karma).

LG ...

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@OhNobody

Das geht deshalb weil das ich eine Illusion ist. Darum ist eigentlich das was du weitergibst diese Wiedergeburt. Wie eine Kerze die an einer anderen angezündet wird.

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"Aber das Weltbild ist ja doch ein ganz anderes" Eigentlich nicht, wenn man die Kernbotschaft des Buddhismus nimmt.

Diese beschreibt ein bewusstes und ehtisches Handeln und Denken; also etwas, das es in jeder Weltreligion eigentlich auch gibt bzw geben sollte. Genau aufgrund dieser "Einfachheit" des Buddhismus hat dieser sich natürlich in verschiedenen Regionen mit dortigen Kulturen und Religionen vermischt und sich damit zum Teil stark verändert.

"angefangen bei dem nicht vorhanden sein eines Ichs." Dieser Einheitsgedanke gibt es auch im Chirstentum ("in Gott leben")

"also da glaubt man auch an Geburt und sterben und nicht einfach an Wandlung der Dinge"

Es gibt auch Christen die an eine Wiedergeburt glauben (solange bis man bereit ist zu Gott aufuzustiegen), also ganz ähnlich mancher Buddhisten die erst dann, wenn sie die Erleuchtung erlangt haben den Kreislauf aus Leben und Tod durchbrechen. Wobei es auch Buddhisten gibt die nicht an eine Wiedergeburt im physischen Sinne glauben. Ich würde auch sagen das der Glaube an eine Wiedergeburt mit den damals religiösen Vorstellungen des Hinduismus begründet sein könnte und es gar nicht unbedingt als Kern des Buddhismus ansehen.

"Warum ist eigentlich das Bewusstsein eine Illusion?"

Das glauben manche Buddhisten (auch wiederum nicht alle) tatsächlich und es naturwissenschaftlich durchaus sein. Letztendlich kann es durchaus sein, dass das Bewuststein ausschließlich ein neurobiologischer Effekt ist. Klar ist: wenn Teile unseres Gehirns nicht mehr richtig oder anders funktionieren (z.b. durch Krankheiten, Verletzungen usw) verändert sich auch unsere Wahrnehmung und unser Verhalten.

Man kommt hier dann natürlich aber schnell in Bereiche in denen man naturwissenschaftlich nicht mehr arbeiten kann - letzten endes ist es also auch hier eine Glaubenssache.

Die Kernbotschaft sind die vier edlen Wahrheiten. Ethisches Handeln funktioniert hier auf einem Erkennen der realen Strukturen der Welt und ist nichts Dogmatisches. Wenn ich die Welt richtig analysiere handele ich automatisch "ethisch korrekt", weil es das einzige sinnvolle ist. Ich brauche dann kein himmel und Hölle System mehr - im Sinne von Strafe und Lohn.

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Glauben ist Glauben. Die Religion ist zwar Basis des Glaubens, wird aber von jedem Gläubigen für sich interpretiert. Deshalb gibt es auch Menschen die verschiedene Religionen miteinander kombinieren. So entstanden und entstehen auch immer wieder neue Richtungen, Strömungen, Sekten und Religionen. Z.B nimmt kaum ein Christ heute noch die Bibel Wort für Wort, wichtig für sie ist der Symbolgehalt, die Lehren, die in den Bibelgeschichten enthalten sind.

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