Rückschritt in der Evolution? Intelligenz zurückbilden?

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4 Antworten

Man hört immer wieder Leute sagen ...

Kommt immer darauf an, wem man zuhört. Ich höre zwar auch oft Be-/Verwunderung über die geistigen/architektonischen Leistungen, aber nie die Aussage, dass wir heute dümmer sind.

Und den Stand der Sonne im Lauf eines Jahres zu verfolgen, ist nun wahrlich keine Höchstleistung. Ich wohne z.B. in meinem privaten Stonehenge. Frühlingsanfang ist, wenn die Sonne zum ersten mal hinter dem Dach gegenüber noch mal auftaucht, nachdem sie schon mal untergegangen war. Und Sommersonnenwende sind die paar Tage, wenn sie dies ein Haus weiter tut.

Die Menschen hatten damals eben weniger Ablenkung und ganz andere Zeithorizonte. Da wurde schon mal Jahrhunderte an einem Objekt gebaut. Und sie hatten auch andere Möglichkeiten, die ganze Gemeinschaft für eine Sache zu "begeistern".

Die Evolution jedenfalls folgt nicht unbedingt bestimmten Trends. Kannst du schon daran sehen, dass die "höchste" Stufe, das Selbstbewusstsein, zwar mehrfach unabhängig voneinander entstanden ist, aber stets nur bei wenigen Arten der Gruppe. Ist also kein besonders wichtiges Selektionskriterium.

Rückschritte gibt's auch haufenweise in der Evolution. Muscheln haben sich fast komplett das Gehirn wegoptimiert, manche Krebse gleichen einem Schimmel-Myzel und sind nur noch anhand ihrer Larven überhaupt einzuordnen, inzwischen sicher auch durch Genomanalysen.

Auch die Zukunft des Menschen ist keineswegs festgelegt. Vielleicht werden wir dümmer, vielleicht intelligenter.

Danke für die ausführliche Antwort!

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Vielleicht werden wir dümmer, vielleicht intelligenter.

Falls (genetisch bedingte) intelligente Menschen mehr Kinder bekommen als weniger intelligente Menschen, dann werden wir intelligenter. Im anderen Fall werden wir dümmer.

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Der von Dir beschriebene "normale Verlauf der Evolution" gilt für Pflanzen, Pilze und Tiere. Die sind der natürlichen Abfolge von Mutation und Selektion ausgeliefert, ohne Bewusstsein, Willen, Verstand und Eingriffsmöglichkeiten. Der Mensch dagegen unterwirft sich die Natur planmäßig. Der passt sich nicht unbewusst und zufällig veränderten Naturgegebenheiten an, sondern gestaltet die Natur nach seinen Bedürfnissen. Beispiele:

Schon einjährige Hunde kommen mit dem modernen Straßenverkehr weitaus geschickter zurecht als vierjährige Kinder. Um den Prinzipien von Mutation und Selektion gerecht zu werden, müsste man so lange die kleinen Kinder überfahren lassen, bis nach einigen Jahrtausenden die Menschen mit reaktionsschnelleren Kindern überlebt haben.

Wenn wir die Feinstaubbelastung der Luft stoisch hinnehmen würden, würden vielleicht nach langer Evolutionszeit Menschen mit robusteren Lungenbläschen überleben.

Wenn die Menschen zu dumm wären, fossile Brennstoffe zu fördern, hätten sie ein Ressourcen-Problem weniger.

Schimpansen können nummerierte Karten zehn mal schneller der Größe nach sortieren als Menschen, wie Versuche zeigten. Damit können wir leben.

Dankesehr! Das macht Sinn

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Intelligenz und Bildung sind nicht das Gleiche. Man sollte sie nicht verwechseln. Wenn jemand sehr intelligent ist, kann er mit der richtigen Bildung Höchstleistungen vollbringen. Allerdings wird der gleiche intelligent Mensch auch in einer sehr primitiven Umgebung geistige Höchstleistungen vollbringen. Als Beispiel möchte ich die San im Süden von Afrika nennen. Wenn sie in der Kalahari unterwegs sind, dann lesen sie in der Landschaft und in den Spuren der Tiere wie in einem Buch. Sie wissen an Hand der Trittsiegel ganz genau ob das Tier männlich oder weiblich ist, ob es durstig oder hungrig ist und vieles mehr. In ihrer Sprache gibt es keinen Konjunktiv. Sie stellen also keine Vermutungen an, sondern sie treffen eine nachprüfbare Aussage. 

Unsere Vorfahren waren ebenso intelligent wie die San und wir in der heutigen Zeit. Sie hatten nur nicht den gleichen Zugang zu Bildung. Würde wir jemanden, der vor 10.000 Jahren gelebt hat, mit einer Zeitmaschine in unsere Zeit befördern und ihn mit unserem Bildungssystem beglücken, würden wir nach seiner Ausbildung keinen Unterschied zu heute lebenden Menschen feststellen.

Oh oh - ausgerechnet die San. Ich finde es ja auch nicht schön und suche nach Möglichkeiten, diese Untersuchungen anzuzweifeln, aber fest steht, dass diese Buschleute zur Zeit als die dümmsten Menschen der Welt gelten. Ja, ist gemein, ist aber so.

Zum Spurenlesen braucht man kaum Intelligenz, dass können auch Tiere sehr gut, und in Tests schneiden die San und die Khoi eben miserabel ab.  Während die Schwarzen aus anderen Stämmen, die Zulu sind das überwiegend in der Gegend, typischerweise mit LKWs ihre Jobs erledigen, verdienen sich die Buschleute höchstens etwas durch vollschaufeln, Löcher graben oder so.

Nichtsdestotrotz halte ich es auch für möglich, wenn auch nicht für sehr wahrscheinlich, dass unsere Vorfahren vor 10.000 Jahren, also bevor die neolithische Revolution zu einer ersten kleinen Bevölkerungsexplosion geführt hat, sogar schlauer waren als wir heute.  

 

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Wir haben uns nicht zurückentwickelt, wir haben uns nur an neue Bau Techniken gewöhnt und daher die alten vergessen.

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