Umkreisen alle Planeten im System die Sonne in der gleichen Richtung und wenn ja wieso?

4 Antworten

Hallo,

noch etwas zum gängigen Modell:

Vermutlich ist unser Sonnensystem aus einer ausgedehnten Gaswolke entstanden, die zu 98 % aus Wasserstoff und Helium, zu 2 % aus schwereren Elementen bestand.

Da schwerere Elemente als Wasserstoff und Helium erst durch Fusionsprozesse im Inneren von Sternen entstehen können, muß diese Wolke aus einer Zeit stammen, in der schon Sonnen existiert hatten, am Ende ihres Lebens explodiert waren und so die schwereren Elemente freigesetzt haben.

Möglicherweise hatte die Gaswolke, aus der unser Sonnensystem entstanden ist, ursprünglich einen Durchmesser von 200 Lichtjahren.

Man darf sich diesen Nebel nicht wie einen irdischen Nebel vorstellen. Er ist so dünn, daß er fast ein Vakuum darstellt, aber eben nur fast. Hin und wieder stößt man auf ein Wasserstoff- oder Heliumatom, manchmal gar auf das Atom eines schwereren Elements.

Passieren kann da erst einmal nichts. Der Nebel wabert dünn und diffus durchs All und denkt nicht daran, sich in irgendetwas anderes zu verwandeln.

Dann ist möglicherweise in der Nachbarschaft des Nebels ein massereicher Stern explodiert (Supernova). Von dieser Explosion ging eine gewaltige Stoßwelle aus, die die einzelnen Gasteilchen zusammentrieb.

Moleküle begegnen sich, haften durch statische (noch nicht gravitative) Kräfte aneinander. Andere haften sich an, bis die Klumpen so groß werden, daß sie durch ihre Schwerkraft andere anziehen können.

Es entsteht eine rotierende Wolke, die sich allmählich durch Reibung aufheizt und abflacht zu einer rotierenden Scheibe.

Innerhalb der Wolke bildet sich nach und nach ein Klumpen, der umso mehr Schwerkraft entwickelt, je größer er wird. Teilchen, die ins Innere des Klumpens gezogen werden, reiben sich aneinander, es entsteht Wärme. Irgendwann ist die Wärme und Dichte und Masse so groß, daß ein Fusionsprozeß in Gang kommt.

Der innere Druck steigt und wirkt der Gravitationskraft entgegen, so daß ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Kräften, die nach innen, und solchen, die nach außen wirken, entsteht.

Durch die Zusammenballung der Materie wird aus einer anfangs sehr langsamen Rotation eine schnelle, weil der Drehimpuls erhalten bleibt.

Allerdings konnte ein Teil des Drehimpulses an die Umgebung der Sonne abgegeben werden, also an die Planeten, so daß die Rotation der Sonne langsamer wurde, so daß sie heute etwa 25 Tage braucht, um sich einmal um ihre Achse zu drehen.

Es war nach Entstehung der Sonne noch Gas übrig, auch wenn der Löwenanteil für die Sonne draufging. Auch hier kondensierte Gas - aber auf unterschiedliche Weise.

Wegen der Wärme in der Umgebung der Sonne konnte in einem Bereich, der etwa bis zu einer Bahn zwischen Mars und Jupiter ging, kein Wasserstoff oder Helium kondensieren, dafür aber schwerere Elemente, die bereits bei höheren Temperaturen fest werden. Da diese Elemente nur 2 % der Gaswolke ausmachen, reichte es in diesem Bereich nur für relativ kleine Planeten, die dafür aber einen relativ hohen Anteil von schweren Elementen wie Eisen besitzen und Gestein.

Im Bereich jenseits der Marsbahn ist es kalt genug, daß auch Wasserstoff und Helium kondensieren können. Einzelne Moleküle haften aneinander, werden größer, fangen andere ein usw., bis irgendwann die großen Gasriesen entstehen, in deren Umgebung sich Monde und Ringe bilden. Weil Wasserstoff und Helium viel häufiger vorhanden sind, können hieraus auch wesentlich größere Himmelskörper entstehen.

Da Sonne und Planeten aus einer rotierenden Gasscheibe entstanden sind, nimmt es nicht wunder, daß sie alle in gleichem Drehsinn die Sonne umkreisen und mehr oder weniger in einer Ebene liegen (mit Abweichungen).

Änderungen der Rotationsrichtung lassen sich entweder durch Zusammenstöße mit großen Asteroiden oder auch mit Prozessen im Inneren der Planeten erklären, durch die eine Verlagerung der Masse entstand.

Ein solches Modell kann natürlich nicht auf direkter Anschauung basieren, aber auf Vergleichen mit dem, was sich in anderen Regionen der Milchstraße tut, mit Untersuchungen des Aufbaus von Meteoriten oder Asteroiden oder mit Computermodellen.

Scheiben aus Gas, die junge Sonnen umgeben, sind zum Beispiel des öfteren beobachtet worden, auch deren Aufheizung durch ihr Kollabieren ist aufgrund ihrer Infrarotstrahlung nachgewiesen worden.

Das Ganze ist natürlich wesentlich komplexer, als es sich hier darstellen läßt.

Herzliche Grüße,

Willy

Hallo,

allerdings.

Wenn Du von oben so auf das Sonnensystem blicken würdest, daß Dir die Erde den Nordpol zuwendet, würden sich alle Planeten gegen den Uhrzeigersinn um die Sonne drehen.

Die meisten Planeten rotieren dabei im gleichen Sinn um ihre Achse, also von Norden betrachtet auch gegen den Uhrzeigersinn bzw. von West nach Ost, so daß die Sonne im Osten auf- und im Westen untergeht.

Ausnahme ist die Venus, die genau andersherum rotiert - auf der Venus geht die Sonne also im Westen auf und im Osten unter - und Uranus, der gegenüber seiner Umlaufebene um etwa 88° gekippt ist.

Der gemeinsame Drehsinn um die Sonne könnte sich daraus erklären lassen, daß die Planeten aus einer rotierenden Gasscheibe um die Sonne herum entstanden sind (wenn sie es sind) und diesen Drehsinn beibehalten haben. Die gekippten Rotationsachsen könnten auf Zusammenstöße zurückzuführen sein; zu Anfang muß es wohl recht chaotisch im Sonnensystem zugegangen sein.

Herzliche Grüße,

Willy

Danke für die ausführliche Antwort, die Rotation um die eigene Achse ist ja laut anderer Antwort unterschiedlich. Weiß man schon woran das liegt also mal weg vom System hin zum einzelnen Planten was bestimmt dessen Rotationsrichtung?

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@ockerle

Habe ich doch auch geschrieben:

Möglicherweise eine Folge von Zusammenstößen in der Frühzeit des Planetensystems.

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aber sicher weiß man das alles noch nicht oder?

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Nein.

es gibt bemerkenswerte Ausnahmen:

Venus

Die Eigendrehung der Venus um ihre eigene Achse ist genau andersherum. Sie braucht für eine Umdrehung um die eigene Achse 244 Tage (= ein Venustag) und für einen Umlauf um die Sonne 225 Tage. Auf der Venus gibt es daher nur zwei Sonnenaufgänge pro Jahr und wegen der ungewöhnlichen Drehrichtung geht die Sonne im Westen auf. Die Ursache für dieses Verhalten ist unklar, vermutlich ist ein großer Asteroid mit der Venus kollidiert.

Uranus

Auch Uranus, der drittgrößte Planet hat eine seltsame Umlaufbahn. Seine Rotationsachse liegt in der Ebene der Umlaufbahn. Er rollt praktisch auf seiner Umlaufbahn. Einmal zeigt sein Äquator zur Sonne. Ein viertel Umlauf später weist die Polachse zur Sonne. Auch für dieses Verhalten wird ein Zusammenstoß mit einem Kleinplaneten verantwortlich gemacht. Simulationsrechnungen zeigen, dass sich dabei die Rotationsachse um 90 Grad drehen kann.

Pluto

Pluto verhält sich als Planet in mehrerer Hinsicht ungewöhnlich. Auch sein Äquator ist um 90 Grad gekippt. Die Umlaufbahn dies Pluto ist weist gegenüber jener der anderen Planeten eine Neigung von 17 Grad auf. Seit letztem Jahr wurde ihm der Status eines Planeten aberkannt. Er gilt seither als einer der größten Vertreter der so genannten Kuiper-Gürtel-Objekte. Diese ziehen ihre unregelmäßigen Bahnen außerhalb der Planetenbahnen, gehören aber ebenfalls zu unserem Sonnensystem.

Dennoch bewegen sich alle Planeten im gleichen Sinn um die Sonne, auch wenn sie nicht alle im gleichen Sinn rotieren.

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ja, weil die planeten aus einer gasscheibe entstanden sind, welche sich um die sonne gedreht hat

die balance zwischen fliehkraft und Anziehungskraft hält Objekte in der Bahn, dasselbe gilt für die Glasscheibe. warum dreht diese dich aber in eine bestimmte Richtung? was war das Ereignis das die Richtung der Rotation bestimmt hat?

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@ockerle

wahrscheinlich der zufall. erst war es nur ein gasnebel, dann ist aufgrund der gravitation die sonne entstanden und der restliche nebel drumherum ist eben in eine drehbewegung gekommen aufgrund der anziehung der sonne

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