Pferd wurde kaputtgeritten?

10 Antworten

Hammer, dass man scheinbar immer noch denkt, das dieses Pferd den Auftritt mitmacht. Krass.

Woran das liegen kann, dass das Pferd sich so verhält? An dem Besitzer, der da mit brachialer Gewalt drangeht. Genau so macht man es - NICHT. Vermutlich hat das Pferd Schmerzen und Charakter. Es wehrt sich völlig zu Recht. Es ist sauer geritten - die einen machen in der Halle dann gar nichts mehr, andere wehren sich.

Ja, ich würde das Pferd als versaut hinstellen. Definitiv. Versaut durch mangelndes Wissen und zu viel Gewalt - und ein Armutszeugnis für denjenigen, der sich Besitzer schimpft und noch schlimmer: Für den Reitlehrer, der das duldet.

Nein, das hat keinerlei Sinn mit diesem Pferd. Vor allem nicht in dem kurzen Zeitraum. Wenn möglich, halte dich von diesem Hof fern, wenn dort sowas geduldet wird. Das geht schon stark in Richtung Tierquälerei.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – über 20 Jahre Reiterfahrung und 2 eigene Pferde

wenn du lebensmüde bist - bitte...

es dauert drei jahre, ein polizeipferd auszubilden. mindestens.

es dauert übrigens auch drei jahre (mindestens) um ein kinderpony jahrmarktsfest zu machen.

in beiden fällen ist die voraussetzung ein entsprechendes wesen, ein entsprechender charakter und unkompliziertheit im umgang. dazu kommt, dass das pferd in seinem leben möglichst wenig traumatisierende erfahrungen gemacht haben darf und eine positive grundeinstellung zur arbeit mit dem menschen hat.

ein gut ausgebildetes jahrmarktspony kannst du auch problemlos auf einer theaterbühne einsetzen. auch mit einem fremden, solange der vertraute mensch in der nähe ist. solche tiere müssen es lieben, wenn um sie herum viel los ist und immer neugierig in neuen situationen sein.

all das ist bei dem von dir beschriebenen pferd nicht möglich. nicht in zwei monaten und nicht in zwei jahren und auch nicht in zwanzig jahren.

wenn man einem solchen pferd eine chance geben möchte, muss man es kaufen und bereit sein, neue wege zu beschreiten, auf denen man selbst seine bedürfnisse komplett zurückstellt und allein auf das pferd eingeht. möglicherweise stellt sich dabei heraus, dass die arbeit mit dem menschen das pferd unglücklich macht. möglicherweise musst du auch eine neue reitweise entwickeln, die allein bei diesem pferd anwendbar ist. das ist ein sehr sehr einsamer weg, bei dem du niemanden um rat fragen kannst und bei dem dich niemand begleiten wird. für sowas brauchts ein mehr als dickes fell und 90% der arbeit werden dich tiefe zweifel begleiten. es wird mehr rück- als fortschritte geben und du wirst nie wissen, ob es gutgeht, weil du nicht mal weisst, ob du DER mensch für DIESES pferd bist.

So gern ich dir (und dem Pferd) hier Hilfe anbieten würde, es gibt doch einige Hürden .

1.Das ist nicht dein Pferd.

Ich verstehe deinen Drang dieses Thema anzugehen und dem Tier zu helfen. Nichtsdestotrotz ist es am Ende vom Tag nicht dein Pferd. Das klingt vielleicht hart, aber du wirst dich auf den Kopf stellen können, du wirst an diesem Pferd nichts ändern können. Eine konsequente Erziehung muss von allen Beteiligten getragen werden, erstrecht vom Besitzer.

2.Ferndiagnosen sind immer eine blöde Idee

Was du schilderst kann hunderte Gründe haben. Ist das Pferd gesund? Sind die Zähne okay? Hufe, Rücken, Sattel? Wir neigen dazu im Verhalten Aggression oder Unwillen zu sehen, wenn die Tiere eigentlich nur versuchen ihrem Unwohlsein Ausdruck zu verleihen. Wenn das Pferd unterm Sattel Schmerzen hat fängt es möglicherweise an zu bocken, um sich aus dieser Situation zu befreien. Strafen und eine harte Hand können dieses Verhalten zwar temporär unterbinden, der Schmerz bleibt. Bevor wir irgendwelche sinnvollen Tipps geben können mussten wir das Pferd sehen, mit Hufschmied, Tierarzt oder Osteopath reden und körperliche Probleme ausschließen, bevor wir eine Diagnose wagen. Das ist auf die Distanz unmöglich.

3.Ein "Problempferd" ist ein Langzeitprojekt

Angenommen es liegt tatsächlich an der Erziehung des Pferdes. Dann müsste man da sicherlich einiges neu aufziehen. Und das braucht Erfahrung, Durchsetzungsvermögen und Zeit. In den zwei Monaten, von denen du hier sprichst, geht das ziemlich sicher nicht.

Für den Moment würde ich dir empfehlen erstmal wieder fit zu werden, möglicherweise mit dem Besitzer oder ReitlehrerIn zu sprechen und dann nach einer Lösung zu suchen. Ich wünsche dir viel Erfolg!

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

"Bis zu den Proben sind es noch knapp 2 Monate... denkt ihr das reicht, um mit dem Pferd klarzukommen oder hat das gar keinen Sinn?"

Ich würde es an deiner Stelle lassen. Du bist selber schon von dem Pferd gefallen und zudem wurde dir auch noch berichtet, dass andere von dem Pferd heruntergefallen sind (offenbar auch bei einer solchen Theatervorführung).

Warum willst du deine Gesundheit riskieren für die "Dummheit" deiner Mitmenschen, die so ein Pferd für ein Theaterstück einsetzen wollen. Kann ich offen gestanden nicht nachvollziehen. In meinen Augen handeln die Leute grob fahrlässig, wenn sie so ein Pferd für eine Theateraufführung auf einer Bühne einsetzen wollen.

Ob das Pferd jetzt "kaputtgeritten" ist, dazu kann man m. E. aus der Ferne keine Beurteilung abgeben. Ich befürworte selbstverständlich keine Gewalt gegen Tiere, allerdings gebe ich auch nicht mehr viel auf Erzählungen meiner Mitmenschen, die sich über "Gewalt" aufregen, weil dies viel zu oft einfach total übertrieben erzählt wird. Wenn es tatsächlich so schlimm ist, dass man "nicht hinsehen kann", sollte man auch so viel Rückgrat haben, dagegen einzuschreiten.

Aber um auf deine Frage zurückzukommen: Wenn man nur auf diese Weise im Sattel bleiben kann, dann ist das Pferd auch kein Pferd für eine Bühne, denn möchtest du öffentlich so reiten müssen ? Oder würdest du es - damit es "schön" aussieht und man dir nichts nachsagen kann - tatsächlich einen Sturz und damit deine Gesundheit riskieren?

Ich glaube auch nicht, dass man so ein Verhalten binnen 2 Monaten so sicher beheben und beherrschen kann, dass das Pferd sich so kurzfristig für einen Bühnenauftritt eignet. Man müsste ja erst einmal herausfinden, worin dieses Verhalten begründet ist und dann ist immer noch fraglich, ob du in der Lage bist, deswegen etwas zu machen.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Auf keinen Fall würde ich mit diesem Pferd an einer Veranstaltung teilnehmen! Du riskierst dabei Kopf und Kragen, wirst genötigt so brachialmzunreiten, wie du es doch eigentlich nicht möchtest, und obendrein bist du nachher der Depp, wenn das Pferd die ganze Vorstellung ruiniert- womöglich mit einem Einsatz der Rettungskräfte, die dann nicht nur Dich, sondern vielleicht weitere Reiter aufsammeln müssen, die durch dein bockiges Pferd beeinträchtigt wurden.

Ob das Pferd „kaputt geritten“ wird/ wurde oder einfach einen sehr schwierigen Charakter hat, spielt dabei eigentlich keine Rolle. DU bist jedenfalls ganz bestimmt weder fähig noch zuständig dafür, dies (noch dazu innerhalb sehr begrenzter Zeit!) deutlich zu verbessern.

Das Pferd gehört, so wie sich das liest, für längere Zeit in Vollberitt bei einem fähigen Profi. Und möglicherweise überhaupt nicht „auf die Bühne“. Denn dies liegt genauso wenig jedem Pferd, wie es nicht jedem Menschen liegt, sich vorzuführen.

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