Neuer Arbeitgeber will Vertrag nur vor Ort unterschreiben?

11 Antworten

Hi,

mal ganz allgemein gesagt:

Arbeitsverträge sind grundsätzlich sogar formlos zu schließen. Das geht sogar mündlich ohne konkrete Vertragsunterzeichnung. In diesem Fall muss der Arbeitgeber allerdings innerhalb von 4 Wochen die wesentlichen Arbeitsbedingungen schriftlich festhalten und dir aushändingen.

Ausnahme: Befristete Arbeitsverträge. Hier gibt es eine gesetzliche vorgeschriebene Schriftform. Der Vertrag muss dann sogar vor Arbeitsbeginn schriftlich geschlossen werden.

Eine Vertragsunterzeichnung vor Ort ist gar nicht so ungewöhnlich. Natürlich steht dir auch eine Vertragsausfertigung zu. Schließlich sind die Unterschriften der Gegenseite ja auch eine Zusicherung der Vertragsbedingungen an dich. Die vorherige Aushändigung des Vertrages (korrekter: des Vertragsentwurfes) ist zwar durchaus eine nicht ungewöhnliche Sache, aber nichts was du generell verlangen kannst.

Du solltest dir aber in jedem Fall die Zeit nehmen, den Vertrag ggf. vor Ort gründlich zu lesen und Unklarheiten ansprechen BEVOR DU UNTERSCHREIBST.
Wenn du dir nicht sicher bist kannst du jederzeit Fragen, ob du den Vertrag erstmal mitnehmen und in Ruhe lesen kannst. Dann beginnt das Vertragsverhältnis allerdings auch erst wenn du unterschreibst.

Sei dir aber immer im Klaren, dass DU als Arbeitnehmer der/diejenige bist, der/die etwas anbietet. Der Arbeitgeber braucht deine Arbeitskraft um seine Arbeit zu schaffen (er wäre ja schön blöd, jemanden für Geld einzustellen, wenn er auch ohne auskommen könnte).
Will heißen: Du bist die Vertragspartei, die im weitesten Sinn der Sache festlegt, für welchen Preis (Geld, Boni, Bedingungen) du deine Arbeitskraft verkaufst. Und die angeboteten Bedingungen zu studieren bevor du ihnen zustimmst ist dein gutes Recht.

Leider vergessen viele Arbeitgeber (und auch viele Arbeitnehmer) immer wieder diesen simplen Grundsatz der Marktwirtschaft, indem sie meinen und suggerieren, dass ein Job ist ein Benefit ist und angeboten wird.
In Wirklichkeit ist ein Job vorhanden und der Arbeitgeber sucht nach irgendjemandem, der ihn möglichst optimal erledigen will und kann, sofern er denn eben nicht genug Arbeitskraft zur Verfügung hat um ihn anders zu schaffen. Er kann sich lediglich auf dem aktuellen Käufermarkt (Angebotsüberhang) denjenigen aussuchen, den er damit betraut und dadurch die Konditionen beeinflussen.

Zurück zu deinem Thema:

Wenn die Unterzeichnung einen Termin erfordert ist das erstmal nicht ungewöhnlich, weil damit sichergestellt werden kann, dass auch die Gegenseite unterschriftsberechtigte Personen vor Ort hat (ein Geschäftsführer z.B. kann ja auch durchaus mal viel unterwegs sein oder an einem Anderen Standort arbeiten und ist dann nur zu bestimmten Terminen vor Ort in der Niederlassung).
Wenn die ihre Vertragsformulierungen nicht per eMail versenden ist das Geschäftspolitik. Kann man wenig gegen tun. Aber die Zeit zum Lesen solltest du auf jeden Fall bekommen (dann eben vor Ort).
Wenn man dir die Zeit nicht geben will und quasi eine blinde Unterschrift erwartet ist das kein gutes Zeichen und i.m.h.o. unseriös. In dem Fall würde ich vielleicht nicht unterschreiben und mein Glück woanders versuchen.

LG,

Matthias

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Ich habe schon oft erlebt, dass ich vor Ort den Vertrag bekam oder schon angefangen hatte und ein paar Tage später, sollte ich dann ins Büro um den Vertrag zu unterschreiben.

Manchmal wurde mir angeboten den Vertrag mit nach Hause zu nehmen oder aber man sagte mir ich solle ihn in Ruhe durchlesen und wenn Fragen sind, würde man sie klären.

Man sollte sich Stichpunkte machen, was einem wichtig ist für die Vertragsinhalte.

Höhe des Lohns, Arbeitsstunden, Anzahl Urlaubstage , Probezeit, Klauseln zu Strafzahlungen bei bestimmten Vergehen usw.

Du kannst ja anrufen und sagen, dass Du den Vertrag in Ruhe durchlesen und eine Nacht darüber schlafen willst bevor Du ihn unterschreibst.

In der Regel arbeiten nur hintergründig unseriös agierende Firmen mit solchen " Drucksetzungsmitteln " , und daher solltest Du besonders hellhörig und vorsichtig sein.

Normalerweise sollte der potenzielle Arbeitnehmer den originalen Arbeitsvertrag zur eingehenden Prüfung vor der Unterschrift in Papierform vorgelegt bekommen und erst dann entscheiden , ob er / sie das unterschreibt , oder nicht.

Aber es soll an dieser Stelle noch nicht bedeuten, es hier mit einem unseriösen Arbeitgeber grundlegend zu tun haben zu müssen. Drucke Dir den per Mail zugesandten Vertragsentwurf erst einmal vollständig ( inclu. Kleingedrucktem ) aus, und prüfe ihn sorgfältig. Notiere Dir ggf. schon nötige Stichpunkte für Passagen in dem Entwurf, die Du mit dem künftigen AG zum geplanten Unterzeichnungstermin ( unbedingt ) voeher noch erörtern / klären willst.

Nimm' dann den Ausdruck und Deinen Stichwortzettel mit zum Termin, kläre Deine etwaigen Rückfragepunkte, lasse Dir dann den Originalvertrag vorlegen und prüfe es akribisch auf absolute Inhaltsgleichheit , bevor Du etwas unterschreibst !

Bei Abweichungen oder ergänzten Inhalten im vorgelegten Original gegenüber dem zugesandten E-Mail - Entwurf unbedingt nochmals eine Nachklärung mit dem Arbeitgeber abhalten und etwaige Abweichungen / zuvor nicht genannte Klauseln erneut zu erörtern, modifizieren oder streichen zu lassen.

Drucke Dir den per Mail zugesandten Vertragsentwurf

Darum geht es hier doch, dass die Fragestellerin so etwas überhaupt nicht bekommen hat: "mir den Vertrag nicht per Mail zuschicken möchte"!

Anders würde es dieses Problem doch überhaupt nicht geben!

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@Familiengerd

Da hast du dann natürlich absolut recht :

Teilzitat :

... Vertrag nicht per Mail zuschicken möchte...

Dieses Wort "nicht" ist mir in diesem Zusammenhang dann leider tatsächlich abgekommen.

Dann würde ich sagen : Nein, unter diesen Umständen einer möglichen Vertragsanbahnung sehe ich davon ab, mich näher mit Ihrer Vertragsofferte zu beschäftigen.

Ihr verheimlichendes Gebahren erscheint mir im Vorfeld bereits unseriös, da Sie mir eine gründliche Prüfung , Erörterung und Nachverhandlung / Individualanpassung eines möglichen Arbeitsvertrages scheinbar bewußt verweigern wollen.

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@Parhalia2
dann leider tatsächlich abgekommen

Wem ist so etwas denn nicht auch schon einmal passiert?! 😉

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@Familiengerd

Weswegen eine eindringliche Vertragsprüfung im Vorfeld entsprechend ihrer Zeit bedürfte in aller Ruhe. 🤗

Dann gibt es im Nachgang keine möglicherweise bösen Überraschungen.

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Nein, das Verhalten des Arbeitgebers ist keineswegs normal, sondern unseriös. Jeder Arbeitnehmer sollte die Möglichkeit bekommen, den Vertrag in Ruhe durchzulesen und zu prüfen. Ob du eine Kopie bekommst, kann dir niemand beantworten. Aber was ist, wenn du in der Vertragskopie etwas liest, das du nie unterschrieben hättest, wenn du den Vertrag vorher gelesen hättest? Dann ist es zu spät, denn der Vertrag ist unterzeichnet.

Wahrscheinlich sollst du über's Ohr gehauen werden. Sprich bitte auf jeden Fall mit dem Jobcenter und kläre das ab, damit du keine Nachteile hast, wenn du den Termin absagst.

Das klingt äußerst komisch - für mich nach Zeitarbeit.

Normal ist das jedenfalls nicht.

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