Lehrer eigene Meinung?

12 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Mein Mann hat in jungen Jahren Biologie und Chemie unterrichtet, bevor er andere Fächer studiert hat. Zu der Zeit hat er den Stoff der vorgeschrieben war genau so behandelt wie er in den Bücher vorgestellt wurde, um die Schüler nicht zu verwirren.

Weiter hat er seine Ausführungen gehalten die anfingen mit "Es gibt aber Menschen die denken folgendes........." Und dann hat er zusätzlich zu der offiziellen Version noch sehr verschiedene, andere Ansichten vermittlelt.

Anscheindend sehr erfolgreich. Bei jedem Klassentreffen an der damaligen Schule kommen die Schüler und erzählen von "damals". Es stellt sich heraus, dass alles was mein Mann "am Rande" erzählt hat, unter dieser Präambel: "Es gibt aber Menschen die...." bei den Schülern bis heute fast wörtlich in Erinnerung geblieben ist, während sie von dem offiziellem Stoff kaum etwa rekapitulieren können.

Das zeigt natürlich auch, dass ein Lehrer authentisch sein muss. Wenn einer sein Fach mit Leidenschaft betreibt, viele Beispiele und Gegenargumente vorlegen kann, dann ist der Unterricht automatisch gut, und die Schüler lernen spielend.

Auf keinem Fall darfst du die Schüler deine eigene politische, religiöse oder weltanschauliche Denkmodelle überstülpen. Ein Lehrer sollte neutral sein. Es gibt aber Menschen die......

Sehr hilfreich danke 👍🏻:)

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aber darf ich da auch meine eigene sichtweise darstellen?

Nein.

Deine Aufgabe als Lehrer ist es, den Unterrichtsstoff zu vermitteln; natürlich darfst Du auch unterschiedliche Sichtweisen über strittige Themen wie z.B die Evolutionstheorien darstellen und auch darüber diskutieren - Deine persönliche Meinung aber hast Du als Lehrer und Diskussionsleiter immer zurückzuhalten.

Schüler sollen lernen, selbstständig zu denken, um sich ihre eigene Meinung bilden zu können, egal in welchem Fach. Die persönliche Ansichten des Lehrers würden Schüler beeinflussen und haben deshalb in der Schule grunsätzlich nichts zu suchen.

Aber ich dürfte eben mal zur sprache bringen, was andere sichtweisen sind und dann auch diskussion fördern?

(gute antwort von dir; danke:))

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Die Evolutionstheorie ist im wissenschaftlichen Diskurs KEIN strittiges Thema.

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@Brieftasche1982

Es gibt verschiedene Theorien und das sollte durchaus in Unterricht angesprochen werden - in meinem Biounterricht war das jedenfalls so

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@dandy100

Tatsächlich? Welche andere falsifizierbare Theorie zur Entstehung verschiedener Arten kennst du?

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Hallo.

Politische und Religiöse Neutralität

Lehrer als Beamte

Die meisten Lehrer sind Beamte und als solche gilt für sie das Mäßigungsgebot, welches durch §33 des Beamtenstatusgesetzes festgelegt ist: Sie müssen sich bei der Ausübung ihres Amtes politisch neutral verhalten. Auch in der Öffentlichkeit und dürfen sie sich, je nach der Bedeutung ihres Amtes für die Allgemeinheit, nur sehr beschränkt politisch äußern. Außerdem müssen Beamte hinter dem Grundgesetz stehen.

In der Rechtsprechung sieht es derzeit so aus, dass verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer, die in der Schule Werbung für eine politische Position machen mit einem Disziplinarverfahren rechnen müssen. Dies gilt jedoch nicht, wenn verbeamtete Lehrer lediglich die Werte Grundgesetzes gegen extremistische Positionen (Linksextremismus, Rechtsextremismus, religiöse Extremismen) verteidigen. Im Privatleben wird von verbeamteten Lehrern jedoch im allgemeinen nicht erwartet, dass sie sich politisch neutral verhalten - von manchen anderen Beamten jedoch tlw. schon.

Landesschulgesetze

Die meisten Landesschulgesetze legen ausdrücklich fest, dass sich die Schulen politisch und religiös/weltanschaulich neutral zu verhalten haben.. Dies gilt dann für alle Lehrer - egal, ob sie Beamte, Angestellte oder Hornorarkräfte sind.

Nutzen Lehrerinnen und Lehrer ihr Amt aus, um Werbung für politische Positionen zu machen oder für eine Religionsgemeinschaft zu missionieren, drohen Konsequenzen, falls jemand Beschwerde beim Schulamt einlegt. Falls du irgendwann Biologielehrerin oder Biologielehrer sein wirst und den Unterricht dazu missbrauchst, die kreationistischen Glaubenslehren deiner Religionsgemeinschaft zu verbreiten würden dir ebenfalls dienstrechtliche Konsequenzen drohen.

Teilweise fällt die Rechtsprechung etwas unterschiedlich darüber aus, in wie weit die religiöse Neutralitätspflicht auch die verfassungsmäßig garantierte persönliche Religionsausübung der Lehrerinnen und Lehrer beschneiden darf: Darf ein christlicher Lehrer ein Kreuz als Schmuck tragen? Darf eine muslimische Lehrerin ein Kopftuch tragen?

Religionsunterricht

Was den Religionsunterricht betrifft garantiert das Grundgesetz, dass Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften an öffentlichen Schulen Religionsunterricht erteilen dürfen und den Inhalt selbst festlegen dürfen. Zur Zeit verhalten sich die Bundesländer Berlin und Brandenburg in diesem Punkt möglicherweise verfassungswidrig, allerdings hat noch keine Religionsgemeinschaft dagegen Verfassungsbeschwerde eingelegt.

Auch hier wird der Unterrichtsinhalt nicht von der persönlichen Meinung des Lehrers oder der Lehrerin bestimmt, sondern von einem für das ganze Bundesland geltenden Lehrplan. Dennoch darf ein Religionslehrer seine persönliche Meinung in religiösen- und weltanschaulichen Fragen im Unterricht äußern. Dabei muss er jedoch den Beutelsbacher Konsens beachten (siehe unten).

Keine der Religionsgemeinschaften die derzeit von ihrem Recht Gebrauch machen an öffentlichen Schulen konfessionellen Religionsunterricht zu erteilen, vertritt dem Stand der Naturwissenschaft widersprechende, kreationistische Lehren. Daher sind solche auch nicht Teil des Lehrplans im konfessionellen Religionsunterricht. Einige Bekenntnisschulen, kleinerer protestantsicher Gemeinschaften bilden hier jedoch eine Ausnahme.

Politikunterricht:

Ferner wird allgemein davon ausgegangen, dass sich Lehrerinnen und Lehrer im Politikunterricht selbst politisch äußern dürfen (Ausnahme: AfD Hamburg). Es macht natürlich keinen Sinn, dass Lehrerinnen und Lehrer nicht sagen dürfen, wo sie selbst politisch stehen, wenn sie ein Fach unterrichten, in dem unter Anderem über politische Themen diskutiert werden soll.

Die Neutralitätspflicht bleibt jedoch gewahrt, sofern der Beutelsbacher Konsens beachtet wird.

Beutelsbacher Konsens

Der Beutelsbacher Konsens ist dasjenige bildungspolitische Paradigma, welches in Deutschland seit Jahrzehnten dort Anwendung findet, wo bestimmte Themen in Wissenschaft und Gesellschaft kontrovers sind. Der Grund dafür: Die Schule kann nicht eine Lehrmeinung vermitteln, wo es in Wissenschaft und Gesellschaft nicht nur einen Standpunkt gibt.

Zentrale Inhalte wären:

  • Was in der Wissenschaft kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers sein.
  • Was in der Gesellschaft kontrovers ist, muss im Unterricht kontrovers sein. Dennoch müssen Lehrerinnen und Lehrer für die Werte des Grundgesetzes eintreten.
  • Lehrerinnen und Lehrer dürfen ihre persönliche Meinung einbringen.
  • Es gilt ein Überwältigungsverbot: Lehrerinnen und Lehrer dürfen nicht indoktrinieren, abweichende Meinungen der Schülerinnen und Schüler zulasse, etc.

Für den Biologieunterricht könnte das z.B. bedeuten, dass im Bereich der Ernährungswissenschaft verschiedene Standpunkte dargestellt werden sollten - da hier viele Fragen in der Wissenschaft kontrovers sind. Anders als von manchen religiösen Gruppen behauptet, trifft dies jedoch auf die Evolution nicht zu.

Bevor du Lehrerin bzw. Lehrer wirst...

...musst du ersteinmal eine wissenschaftliche Ausbildung absolvieren - ein Hochschulstudium auf Master-Niveau, in mindestens zwei Hauptfächern. Dazu gehört die Bereitschaft wissenschaftliches Arbeiten zu lernen und einen eigenen Standpunkt auf wissenschaftlicher Basis zu entwickeln.

vor "abweichende Meinungen der Schülerinnen und Schüler zulasse[n]" gehört ein müssen

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Hallo.

Deine Meinung zählt an sich nicht. Nicht für Noten, wohl eine Diskussion.

Sonst haben sie sich an das Grundgesetz zu halten und den Schulgesetzen und an das Kerncuriculum (ähnlich?)

Sagen wir so. Du solltest dann lieber nicht mich oder eines meiner Späteren Kinder unterrichten. Sollte ich mal mitbekommen das ein Lehrer Wissenschaftsfreien Kreationistischen Bullshit in der Schule Verbreitet, sich homophob, abtreibungsfeindlich oder sonst wie rückschrittlich zur Sexualität äußert kann der sich sicher sein das ihm sein Job keinen spaß mehr machen wird. Religiös verseuchtes Gedankengut gehört in die Kirche und nicht in die Bildung. In Biologie wird Gelehrt was auf dem Lehrplan steht. Evolution, Sexualkunde inkl. der sexuellen Vielfalt als Normalität etc. Eine Abweichung davon und du kannst dir sicher sein das wenn ich das mitbekomme alles aber auch alles getan wird das du deinen Job entweder verlierst oder freiwillig aufgibst

Ok ich hab jetzt zwar nicht gesagt dass ich kinder mit meinem gedankengut verseuchen will sondern einfach dass ich gewisse themen gerne von anderen standpunkten beleuchten würde aber anscheinend ist dir meinungsvielfalt nicht ganz so wichtig. schön dass du meine existenz aufgrund meiner eigenen meinung zerstören würdest

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@brandyandy

Nicht gehässig gemeint aber so hört sich dein beitrag an

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@brandyandy

Nun es gibt Meinungen die auch in der Meinungsvielfalt nichts zu suchen haben. Angefangen bei Meinungen die die Holocaust gutheißen oder gar leugnen aber auch Meinungen (denn Wissenschaftlich ist das nicht) die von einem Schöpfer ausgehen, Homosexualität als unnatürlich ansehen oder Abtreibungen verpönen. Ja ein Lehrer der sowas verbreitet den würde ich in beruflicher Hinsicht Vernichten. Meine Kinder sollen später Wissen statt glauben und Akzeptieren statt diskriminieren. Und wenn sie etwas über Religion wissen wollen bringe ich sie in die Kirche. Wenn sie sich Bilden sollen in die Schule. Sowas gehört getrennt. Das einzige Fach bei dem es weniger um Wissen geht das in der Schule angebracht ist, ist Philosophie. Aber ich würde alles dagegen unternehmen das Kreationismus und religiöse krude sexualmoral Einzug in die BILDUNG meiner Kinder hat. Wie gesagt wenn meine Kinder gern etwas über Prüderie und Schöpfungsmärchen hören wollen ist der Pastor der Ansprechparntner und nicht der Biolehrer.

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@MartinNeu97

Dann sag mir ob du deine kinder jemals überhaupt zum pastor bringen würdest? Kinder sollen nicht nur wissen sondern sich ne eigene meinung bilden und dazu muss man eben auch andere standpunkte hören/kennen...man sagt immer die christen wären so intolerant gegenüber anderen meinungen aber wer hier gerade intolerant ist bist du. Glaub mir ich werde nie kinder zwingen meine meinung zu teilen aber ich finde dass alle meinungen gehört werden sollten (außer z.b holocaustverleugner oder schwulenFEINDLICHE, da geb ich dir recht), sonst nimmt man menschen die möglichkeit einen eigenen standpunkt einzunehmrn. Wenn du deine kinder so erziehst, dass sie nicht an gott u.Ä. glauben, gut! Dann werden sie eben von meinen “schwachsinnigen” ansichten vielleicht sogar noch fester in ihrer meinung. Aber sie bilden sich wenigstens ihre meinung und folgen keiner einseitig festgelegten. Wenn du ihnen aber nicht mal die möglichkeit gibst, andere sichtweisen kennenzulernen, dann werden sie diesen später mal genau so intolerant gegenüber stehen wie angeblich die christen

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@brandyandy

Die einzige Intoleranz die meine Kinder haben sollen ist die Intoleranz der Intoleranz gegenüber. Und wie gesagt es gibt Meinungen die Nicht gehört werden müssen. Unter anderem Meinungen die die Wissenschaft anzweifeln.

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