Leben wir in einer Post-Demokratie?

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8 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich denke ja. Die Oligarchie ist die wahre heutige Herrschaftsform, die in politikwissenschaftlichen Theorien nichts mit der Demokratie zu tun hat. Sie ist die Herrschaft der wenigen (Reichen). Der Begriff wird im Alltag heute nur noch selten verwendet und wenn, dann in einem populistisch-propagandistischen Kontext: die russische Oligarchie oder ukrainische Oligarchen. Es ist ein negativer, nicht-demokratischer Begriff, der sehr gut mit Fingern auf andere zeigt und eher selten auf einen selber.

Die politischen Veränderungen in den vorbildlichen Demokratien des Westens ändern das nun. Es wird immer deutlicher, welchen Einfluss das Geld auf die Politik hat und wie einige Reiche die politischen Fäden ziehen.

Dementsprechend kann ich deine Bedenken gegenüber unseres Systems gut verstehen. Man kann auch "Postdemokratie" dazu sagen :)

LG Julian

Volle 100 % erreicht - Gratulation !

Ich hoffe mal, du entwickelst oder verfolgst auch eigene politische Ambizionen und übst sie aus !

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Sehr gute Antwort !

BTW: Stärkung der Oligarchie passierte auch mit Russland in den 1990s unter Boris Jelzin ( Alkoholiker ) ... Putin versucht die Olligarchen wieder zu entmachten, nicht immer mit den besten Mitteln ( die genauso übel sind wie Die der Olligarchen ) , aber immer noch besser als eine allmächtige Olligarchie

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Und wer sind jetzt die Oligarchen in Deutschland?

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"Der Begriff Klassenkampf klingt für viele sicher veraltet und erinnert ja auch an die ideologischen Schlachten der Vergangenheit. Allerdings verwendet heute sogar mancher Chefkapitalist das Wort wieder. Der berühmte Investor und Multimilliardär Warren Buffet etwa meinte 2004 in einem persönlichen Gruß an seine Aktionäre: 'If class warfare is being waged in America, my class is clearly winning.' Also übersetzt: 'Wenn es einen Klassenkampf in Amerika gibt, dann ist meine Klasse eindeutig dabei, ihn zu gewinnen.'

Zu dieser Klasse gehören neben den Eigentümern und Managern der Großbanken auch die global tätigen Investmentfonds, die zwar selbst kein Geld schöpfen können wie die Banken, die aber ebenso über
Verteilungsmacht beim Investieren von fremden Vermögen verfügen. Um diese Geldschöpfungs- und Geldsammelstellen gruppieren sich
international arbeitende Dienstleister, wie Ratingagenturen, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberatungen. Gemeinsam bilden all diese Finanzkonzerne de facto eine transnationale Interessengruppe, die man ebenso gut als 'Klasse' bezeichnen kann.

Und dieser in absoluten Zahlen sehr kleinen Gruppe von Menschen steht nun im Grunde die gesamte übrige Menschheit gegenüber: Eine winzige Gruppe hat ein System perfektioniert, dass 99,99 Prozent der Leute mehr oder weniger für sich arbeiten lässt. Mit freier Marktwirtschaft hat das wenig zu tun – die meisten Unternehmer werden ja von diesem Finanzklüngel ganz ähnlich manipuliert und ausgenommen wie der 'Normalbürger'."

("Wer regiert die Welt": http://www.nachdenkseiten.de/?p=31761 )



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@Ruehrstab

Mag alles stimmen, nur merk ich davon nichts. Ich erkenne auch nicht, dass unsere Demokratie beschädigt wird.

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Noch nicht.
Durch eine wirtschaftshörige Politik deutet nicht wenig auf eine Oligarchie hin.
Diese jedoch müsste zuerst die Verfassung (das Grundgesetz) überwinden bevor sie zur Macht greifen könnte.

Richtig ist, dass jede Verfassung ihre Feinde im innern hat.
Dazu gehören heute auch wirtschaftshörige Poltiker, aller Parteien.
Ähnlichkeiten mit der Geschichte sind nicht zufällig.

Es liegt tatsächlich beim Wähler, wie viel Demokratie möglich wird oder bleibt.

Das Problem ist nicht das demokratische System.

Verantwortliche Politiker müssen sich in einer globalisierten Welt Sachzwängen beugen. Egal welches politisches Programm sie verfolgen.

Banken und Konzerne können nur durch gemeinsame Entscheidungen vieler Staaten daran gehindert werden, ihre Macht skrupellos auszuüben.

Würde GB aus der EU austritt, fehlt dem Land der direkte Zutritt zum europäischen Bankensystem. Damit wären eben viele Großbanken, Steuermittel und Arbeitsplätze in anderen europäischen Ländern.

Wenn Merkel ihr oft gescholtenes "alternativlos" gesagt hat, wollte sie genau dies ausdrücken.

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