Ist Plattdeutsch ein Dialekt oder eine eigene Sprache?

4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

-- Da Plattdeutsch die zweite germanische Lautverschiebung nicht mitgemacht hat, grenzt es sich, wie auch Skandinavisch, von den mittel- und oberdeutschen Sprachgruppen ab.

-- Mehr als 20% der plattdeutschen Wörter haben keine direkte Entsprechung im heutigen Hochdeutsch, dafür aber in den skandinavischen Sprachen und im Englischem.

-- Nach dem Niedergang der Hanse wurde Plattdeutsch die Sprache des Volkes. Die feine Gesellschaft bemühte sich um Hochdeutsch. Falls dies auch das einfache Volk versuchte wurde daraus eine Sprachform mit hochdeutschen Worten und plattt-deutscher Grammatik. Eltern bemühten sich daher Plattdeutsch zu vermeiden, damit ihre Kinder es mit dem Hochdeutschen nicht so schwer haben.

-- Plattdeutsch wurde von den restlichen Deutschen lange als ein unverständlicher Dialekt betrachtet. Aber mit der Aufnahme in die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprache ist Plattdeutsch nun offiziell und international als Sprache anerkannt.

-- Unter dem Gesichtspunkt Heimat wurde Plattdeutsch als Teil norddeutscher Identität begriffen und als Zweitsprache genutzt und gepflegt.

Interessant und ausführlich unter: http://sneaker.cfg-hockenheim.de/referate/inhalt/10d98/plattdeutsch/plttdeu.htm

Die Norddeutschen unterscheiden sich sogar Genetisch deutlich von den Süddeutschen. Es gibt also nicht nur 2 deutsche Sprachen sondern auch 2 genetische Gruppen. Gruß ausm Schwobaländle

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@Wooliejoe

Ich will das nicht gundsätzlich bezweifeln, aber hast du eine Quelle dafür?

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Vielen Dank für den Stern!

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Außerdem entstand Plattdeutsch nicht aus dem Hochdeutschen sondern aus dem Altsächsischen, weshalb es in Relation zum Hochdeutschen eine eigene Sprache ist.

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Moin, moin, also als Plattdeutsch werden die im Norden Deutschlands sowie im Osten der Niederlande verbreiteten Mundarten (Dialekte) bezeichnet, die nicht von der zweiten oder hochdeutschen Lautverschiebung erfasst wurden. Ich finde, es hört sich ganz cool an! Viele Grüße!

Ich denke mal, dass Skyline1990 keine subjektiven Meinungen hören wollte, sondern eine faktenbasierte, wenn möglich sprachwissenschaftliche, Beurteilung hören wollte. Insofern dürften die Antworten von doka12, fancyfrancy und winternosummer wenig hilfreich gewesen sein.

Elenores Beitrag hat dagegen ja schon vieles angesprochen.

Fangen wir mit dem einfachsten an: Plattdeutsch ist durch die Charta der Regional- oder Minderheitensprachen in der Bundesrepublik Deutschland sowie im Königreich der Niederlande jeweils offiziell als Sprache anerkannt. Die Charta schützt grundsätzlich nur Sprachen und nicht Dialekte, insofern ist Plattdeutsch politisch offiziell anerkannt eine eigene Sprache. Politiker treffen politische Entscheidungen und sind keine Sprachwissenschaftler, daher muss das nicht unbedingt mit sprachwissenschaftlichen Fakten übereinstimmen.

Betrachten wir als den sprachwissenschaftlichen Aspekt: Zuerst einmal ist zu sagen, dass Plattdeutsch, Hochdeutsch, Niederländisch und Friesisch ein Dialektkontinuum bilden. Das heißt, dass, wenn man von Dorf zu Dorf wandern würde, und in jedem Dorf mit den alten Leuten im Dialekt spricht, dann wird man keine deutlichen Sprachgrenzen bemerken. Jedes Dorf spricht anders, aber immer nur ein kleines bisschen anders als das Nachbardorf. Insofern sind auch Hochdeutsch und Niederländisch keine eigenen Sprachen, sondern nur Dialekte des Kontinentalwestgermanischen.

In der Praxis ist diese Sichtweise natürlich kaum brauchbar. Jeder Mensch merkt, dass Niederländisch für einen Hochdeutschen nur schwerlich zu verstehen ist, wenn er noch nie Kontakt mit der Sprache hatte. Genau das gleiche gilt aber für das Plattdeutsche. Ein Hochdeutscher, der nie Kontakt mit Plattdeutsch hatte, kann die Sprache nicht verstehen. Insofern sind Niederländisch, Plattdeutsch und Hochdeutsch drei verschiedene Sprachen.

Man kann das sprachwissenschaftlich auch durchaus untermauern. Die hochdeutsche Lautverschiebung fand vor über 1000 Jahren statt und hat Hochdeutsch und Plattdeutsch seitdem grundsätzlich getrennt. Die Lautverschiebung hat die Lautsysteme beider Sprachen so verschieden gemacht, dass seitdem lautliche Neuerungen häufig an der plattdeutsch-hochdeutschen Sprachgrenze abgeprallt sind. So hat sich zum Beispiel die mittelhochdeutsche Diphthongierung nicht über die Sprachgrenze hinaus ausbreiten können. Das Plattdeutsche hat nahezu komplett dass Partizipalsuffix 'ge-' verloren, dass im Hochdeutschen erhalten ist. Auch der sogenannte Einheitsplural gilt in sämtlichen plattdeutschen Dialekten, während er im Niederländischen und Hochdeutschen nicht gilt. Auch diese Erscheinung ist über 1000 Jahre alt. Plattdeutsch hat Adverbien wie zum Beispiel 'tohoop' oder 'dal', die in sämtlichen plattdeutschen Dialekten existieren, aber im Hochdeutschen komplett unbekannt sind. Der Vokal in Verben wie 'stahn', 'gahn', 'hebben' ist im Plattdeutschen einheitlich anders als im Hochdeutschen (''stehen', 'gehen', 'haben'). Das Plattdeutsche hat einheitlich 'ss' anstelle von 'chs' (zum Beispiel 'Voss' statt 'Fuchs') und 'o' statt 'u' in Wörtern wie 'Koken'/'Kuchen'. Die Vorsilbe 'er-' existiert im Plattdeutschen nicht (zum Beispiel 'vertellen' statt 'erzählen'). In allen plattdeutschen Dialekten heißt es 'Höövd' mit Umlaut statt 'Haupt' ohne Umlaut. Um ein paar lexikalische Beispiele zu bringen: in allen plattdeutschen Dialekten heißt es 'Kaff' statt hochdeutsch 'Spreu' (verwandt mit englisch 'chaff'), 'Bregen' statt 'Gehirn' (englisch 'brain'), 'duun' für 'betrunken', 'kieken' statt 'gucken', 'pedden' statt 'treten', 'Pott' statt 'Topf', 'töven' statt 'warten'. Das sind alles nur Beispiele, es gibt dutzende Beispiele mehr. Alle diese Phänomene sind wirklich plattdeutschland-weit verbreitet, fehlen aber im Hochdeutschen ganz. Plattdeutsch bildet demnach ein in sich einheitliches Sprachsystem, das leicht, eindeutig und unzweifelhaft vom Hochdeutschen unterschieden werden kann.

Es gibt übrigens auch quantitative Methoden, um die Nähe oder Ferne zwischen Sprachen zu messen. Eine davon nennt sich Levenshtein-Abstand. Mit dem Levenshtein-Abstand wird grob gesagt gemessen, wieviel Buchstaben man austauschen muss, um ein Wort oder einen Satz in Sprache A in dasselbe Wort/denselben Satz in Sprache B umzusetzen. Diese Werte werden dann in Grafiken dargestellt.

Hier gibt es ein Beispiel für die Niederlande: http://www.taaloord.co.za/Pictures/Tale_04.jpg

Umso dunkler ein Gebiet, umso ähnlicher sind sich die Dialekte des Gebietes. Helle Gebiete bedeuten, dass die Dialekte der jeweiligen Regionen sich sehr unterscheiden. Man erkennt deutlich, dass das Plattdeutsche im Nordosten sich klar sowohl vom Friesischen im Norden wie auch vom Niederländischen unterscheidet. Wenn man entsprechende Karten für Deutschland betrachtet, dann sieht die Grenze zwischen Hochdeutsch und Plattdeutsch sogar noch deutlicher aus (leider habe ich Internet keine Levenshtein-Karte für Deutschland gefunden).

Vom streng sprachwissenschaftlichen Standpunkt gibt es kein plausibles Argument dafür, dass Plattdeutsch nur ein Dialekt sein soll. Es ist eine eigene Sprache, die in sich in vielen Aspekten homogen ist und sich klar gegenüber dem Hochdeutschen absetzt.

Wie empfinden Schleswig-Holsteiner den hessischen Dialekt?

Ich empfinde da als Hesse sehr viele Gemeinsamkeiten (außer, daß die Betonung anders ist!):

https://www.youtube.com/watch?v=HGT70gFD2ks&index=5&list=FL7er4nibfBcZKBb3x-FLYSQ

Aber auch so ziemlich alle Torforck-Lieder oder Werner folgen...

a wird zu o, -er zu -ä, wie im Hessischen, nur anders betont.

Was man im Norden nicht tut, ist das -ch zu -sch machen, aber wir wollen ja auch noch was eigenes ;)

Aber täusche ich mich, oder liegt der Dialekt von Werner (Schleswig-Holstein) wesentlich näher am Hessischen, als das Hochdeutsche?

Obwohl das eine im hohen Norden ist und Hessen ja eher so in der Mitte Deutschlands.

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