Ist Männern das Aussehen bei Frauen egal?

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Die Beobachtung, dass die intersexuelle Selektion prinzipiell vom Weibchen ausgeht, ist zwar richtig. Wie so oft in der Natur steckt der Teufel aber im Detail.

Grundsätzlich ist es natürlich schon so, dass Männer ihren Fortpflanzungserfolg durch möglichst viele Paarungen maximieren können, da Spermien nicht teuer in der Herstellung sind. Frauen dagegen steigern ihren Fortpflanzungserfolg, indem sie dafür sorgen, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit des Nachwuchses maximiert wird, denn sie tragen ja, bedingt durch die Schwangerschaft und später die Laktation, die Hauptkosten.
Aber, ganz so simpel ist es dann doch nicht. Niedrige Kosten für das Männchen heißt nicht, dass ihm gar keine Kosten entstehen. Bei Rhesusaffen z. B. wendet ein Männchen für die Produktion von Spermien immerhin bis zu 6 % seines energetischen Grundumsatzes auf. Es kann sich also für ein Männchen sehr wohl lohnen, in den gemeinsamen Nachwuchs derart zu investieren, bei der Partnerwahl etwas kritischer zu sein.
Beim Menschen kommt noch erschwerend hinzu, dass der Nachwuchs darüber hinaus in der Regel nicht von der Mutter allein großgezogen werden darf. Bis ein Kind groß und selbstständig ist, vergehen viele Jahre (in unseren westlichen Industrienationen mindestens bis zum 18. Lebensjahr, wenn das Kind anschließend auch noch studieren geht, sogar noch länger) und das Großziehen erfordert auch ein nicht gerade unerhebliches Investment des Mannes. Wo ein Mann viel investieren muss, ist er daher gut beraten, "sein" Weibchen zu wählen. Und folglich können wir erwarten, dass beim Menschen die Partnerwahl nicht nur von der Frau ausgeht, sondern auch vom Mann. Und genau das beobachten wir auch tagtäglich bei uns selbst.
Die Blickwinkel, mit denen die Geschlechter ihren Partner jeweils beurteilen, sind aber durchaus verschieden und können sich auch noch durch weitere Einflüsse innerhalb eines Geschlechts unterscheiden. So wählen Frauen in ihrer fruchtbaren Phase beispielsweise bevorzugt risikobereite, körperlich dominant erscheinende Männer mit tiefer Stimme und athletischer Figur, typische "Machos" eben; der Preis dafür ist jedoch hoch: solche Männer sind natürlich auch bei anderen Frauen begehrt, daher ist das Risiko des Betrogenwerdens ziemlich hoch. Während ihrer nicht fruchtbaren Phase wählen Frauen daher bevorzugt familiäre Männer aus, bei denen die Gefahr eher gering ist, dass dieses Männchen in Nachwuchs investieren wird, der nicht von ihr ist. Darüber hinaus kommt es Frauen auch darauf an, dass Männer die Familie gut versorgen können, sie werden deshalb vorzugsweise finanziell gutgestellte Männer bevorzugen.
Männer dagegen wählen wesentlich körper-betonter aus. Sie beurteilen eine Frau vor allem nach ihrer "Gebärfähigkeit" und wählen anhand typisch als "weiblich" assoziierter Atrribute aus wie z. B. einem breiten Becken. Gleichzeitig achten sie auf Anzeichen der Jugendlichkeit, denn junge Frauen sind in der Regel gesund und noch lange fruchtbar (Frauen sind ja, im Gegensatz zu Männern, nicht zeitlebens fruchtbar, nach der Menopause ist Schluss), deshalb finden viele Männer z. B. Frauen mit großen Augen (Kindchenschema!) attraktiv oder bevorzugen blonde und hellhäutige Frauen (Kinder haben in der Regel hellere Haare, mit dem Erwachsenwerden dunkeln die Haare dann nach).

In Wahrheit wird die Partnerwahl aber noch erheblich komplexer. Hier spielen noch individuelle Vorlieben eine Rolle, auch gesellschaftliche Normen, Werte, Regeln und Tabus (so gibt es z. B. in manchen Kulturen ein Inzest-Verbot, in anderen nicht; in manchen Kulturen wird sehr darauf geachtet, dass "standesgemäß" geheiratet wird) spielen eine tragende Rolle.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Und sehen Sie in der Incel-Bewegung ein Beispiel an sexuell ausselektierten Männern?

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@SirWetBread468

Nein. Ich sehe darin nur ein Beispiel für ein völlig fehlgeleitetes Frauenbild, welches vor allem durch Hass gegenüber Frauen gepräggt ist, hohe Gewaltbereitschaft und pathologisches Versinken im Selbstmitleid. Mit Männern, die so denken, würde ich, wenn ich eine Frau wäre, auch nichts zu tun haben wollen.

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@Darwinist

Aber ist es nicht verdächtig,dass es fast nur Männer sind. Wie kann es sein das Femcels nur ein Rarität bilden?.

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Wenn du als Mann davon ausgehst das du dir ein grünes Licht einholen musst und somit anfängst die Frau auf ein Podest zu stellen, wirste aber erhebliche Probleme innerhalb der nonverbalen Kommunikation bekommen. Da leidet doch direkt erstmal der Selbstwert.

Als Mann geht man erstmal davon aus das die Frau auf dich steht, bis sie dir das Gegenteil bewiesen hat.

Aber um auf die Frage zu kommen. Nein, Männern ist das aussehen definitiv nicht egal. Einige machen wohl lieber Abstriche und haben dann zumindest eine Frau.

Das mit den Abstrichen sollten generell mal manche lernen... wenn ich mich da so bei beiden Geschlechtern umhöre haben einige eine viel zu hohe Anforderung an den Traumpartner...welche wirklich kein einziger Mensch erfüllen könnte.

Genau richtig so, kommen noch paar andere Faktoren dazu natürlich aber das ist so das Primär und der Haupteinfluss der Masse, pauschal.

  • Du wirfst hier ganz viele völlig verschiedene Aspekte durcheinander, so dass es schwierig ist, eine geradlinige Antwort auf deine Vielzahl verketteter Teilfragen zu geben.
  • Partnerwahl ist ein komplexes Thema und hat biologische und soziale Aspekte. Unter anderem spielt auch das Aussehen eine Rolle, viel mehr aber Verhalten, gemeinsame Erlebnisse und Kompatibilität. Männer achten gerade viel auf Aussehen und Frische. Frauen achten besonders auf Status und Selbstbewusstsein.
  • Zu deinen einzelnen Punkten: Fast alle Menschen haben mehrere Partner im Verlaufe des Lebens. Die Incel-Bewegung sieht an diesem Fakt krass vorbei und kommt zu völlig falschen Schlüssen. Sehr viele vergebene Menschen sind nicht besonders optisch attraktiv. Das ganz normale Mittelmaß findet problemlos Partner.
  • Viele Incel-Typen sind einfach psychisch gestört oder sozial unangepasst. Die sind nun wirklich selbst schuld. Das eigene Versagen auf Frauen zu projizieren, ist schon reichlich absurd.
  • Richtig ist aber schon, dass die gesellschaftlichen Veränderungen dazu geführt haben, dass Partnersuche erschwert und vor allem dauerhafte Partnerschaften schwieriger geworden sind.
  • Vorteile für Frauen? Männer entscheiden, welche Frauen sie umwerben. Frauen entscheiden, welchen Bewerber sie nehmen. Kein Mann muss eine Frau nehmen, die er nicht will. Ich sehe da keine Vorteile für die Frau. Aber sicherlich ist es so, dass Männer erobern und Frauen erobert werden und das wird auch die wildeste Politik nicht dauerhaft ändern, denn das ist angeboren.

Hallo,

Zwischenmenschlichen Interaktionen des Kennenlernens gestalten sich sicherlich nicht immer einfach. Dating ist aber kein Kanninchenzuchtverein. Der Begriff Selektion zur Unterteilung von Menschen läuft in diesem Kontext zwangsläufig auf ein chauvinistisches Weltbild hinaus in denen manche Menschen mehr Wert zugesprochen wird als anderen. In einer Gesellschaft die immer noch nicht komplett gleichberechtigt ist finden sich jedoch andere Dynamiken wieder. Viele Frauen sind einmal im Leben sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Frauen die selbstbewusst mit ihrer Sexualität umgehen werden beschämt. Männer die mit alten Rollenbildern brechen wird es auch nicht gerade einfach gemacht. Am besten setzt du dich mal mit dem Konzept "toxische Männlichkeit" auseinander.

Der Versuch Frauen und Männern lediglich auf biologistischen Zuschreibungen herunterzukürzen wird weder Frauen noch Männern gerecht und greift zu kurz. Es gibt heute eine Vielzahl an Lebenskonzepten, Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit und Begehren. Wer legt fest ob jemand schön ist? Frauen die du als unattraktiv betrachtest, scheinen andere großartig zu finden. Im Gespräch mit anderen wirst du sicher feststellen das Attraktivität sich für alle unterschiedlich zusammensetzt und nicht nur mit Äußerlichkeiten zusammenhängt.

Die Incel Bewegung als Beispiel heranzuziehen, zeigt wie problematisch auch deine These ist. Denn die Ideologie der Incels beruht auf einer frauenfeindlichen Vorstellung, das Frauen sogenannten Incels die Erfüllung der eigenen Sexualität schulde. Ablehnungserfahrungen werden absolut gesetzt und auf toxische Art und Weise auf Frauen zurückprojiziert.

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