Ist Latein eine künstlich von Menschen gemachte Sprache?

16 Antworten

Es wäre nett, wenn Du für derartige Behauptungen (erfundene Sprache, erfundene Geschichte) irgendeine Quelle nennen würdest, ansonsten halte ich das Ganze für ziemlich übertriebenen Geschichtsrevisionismus.

Unsinnige Theorie. Woher stammen dann die Inschriften in Pompeii?

Denke, jede Sprache ist künstlich und von menschen gemacht. Wenn wir einfach ehrlich unsere Empfindungen ausdrücken, kommen eher laute raus, wie bei Tieren, aber genauso verständlich, wenn man das versteht.

Njein. Was er/sie meint ist, dass die Sprache einfach so erfunden wurde und nie gesprochen wurde (was alleine schon dadurch Schwachsinn ist, da sie ja derzeitig noch genutzt wird).

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Nein, diese Lateintheorie stimmt nicht. Das klassische Latein ist das Latein, was zur Zeit Ciceros und Caesars gesprochen wurde. Als Sprache von Literatur, Kunst und Wissenschaft wurde es dann "konserviert" und veränderte sich nicht mehr.

Als Sprache der Menschen "auf der Straße" veränderte sich Latein aber sehr wohl. Das damalige Umgangslatein der Menschen wird von der Sprachwissenschaft als "Vulgärlatein" bezeichnet. Es veränderte sich zunehmend vom klassischen Latein weg und war dann die Ausgangsbasis für die heutigen romanischen Sprachen wie Spanisch, Italienisch oder Französisch.

Latein, "eine künstliche Sprache, die in der Renaissance von führenden Wissenschaftlern konstruiert und entwickelt wurde" - da hast du etwas missverstanden oder unrichtig in Erinnerung! Und dass es Pseudo-Wissenschaftler gibt, die mit ein paar scheinbar logischen Fakten, die aber in ihren Bezügen hirnrissig sind, die naiven Laien faszinieren, das kennt man ja nicht erst seit Erich von Däniken, der Heiligenscheine in Balkanklöstern zu Astronautenhelmen erklärt.

Es ist ein bekanntes Paradoxon: Je einfältiger Menschen sind, desto eher glauben sie Verschwörungstheorien, und je weniger sie die Wissenschaft begreifen, desto eher laufen sie einer Phantasterei nach, denn so ein Mensch hat einen Minderwertigkeitskomplex und bildet sich dann ein, nun einer zu sein, der gescheiter als der Rest der Welt ist, einer zu sein, der nun endlich durchschaut hat, "was die Welt im Innersten zusammenhält" - ein Nicht-Wissen, das Goethes Faust ja so quält.

Da hat einer z.B. behauptet, unsere ganze Welt sei nicht auf einer Kugel, sondern die untere Hälfte in einer Kugel mit dem Durchmesser von 12700 km, die Sterne aber seien nur Einsprengsel in der oberen Hälfte ("Hohlwelttheorie") - und dieser Narr bekam ebenfalls begeisterte Zustimmung und eine ganze Reihe "wissenschaftlicher" Nachfolger" mit "wissenschaftlichen" Büchern! Unfassbar! (Lies nach: http://tinyurl.com/2h5b2u)

Natürlich war das Lateinische bereits die Sprache der Römer und die Verkehrssprache im Römischen Reich, und aus diesem Latein haben sich dann im späteren Altertum und im Mittelalter die romanischen Sprachen ( Italienisch, Frz., Provenzalisch, Spanisch, Katalanisch, Portugiesisch, Rumänisch, Ladinisch, Rätoromanisch, Furlan etc.) entwickelt. Die sind ja nicht vom Himmel gefallen ( - und nicht einmal die babylonische Sprachverwirrung hätt's gegeben :)

Die römischen Dichter, Geschichtsschreiber und Politiker Vergil, Ovid, Seneca, Cicero, Tacitus, Horaz, Plautus, Terenz, Catull, etc. etc. und ihre Werke hat's ja auch wirklich gegeben, und auch lat. Bibeltexte schon vor der Vulgata, und der Hieronymus, der Hl. Augustinus usw. usw. schrieben ja auch Latein, und so tat man's vielfach auch das ganze Mittelalter hindurch, alles das vor der Renaissance.

Was aber stimmt:

Auf die Renaissance gehen eine Reihe von Stil- und Grammatikregeln und auch jene Aussprache des Lateinischen zurück - z.B. ka, ce, ci, ko, ku (Cato, Caesar, Cicero) -, die in unseren Schulen gelehrt worden sind, und die man seit Erasmus von Rotterdam für das einst allgemein befolgte bzw. gesprochene klassische Latein gehalten hat, ein Stil, der aber nur bei den wenigsten Römern auftaucht.

Nun weiß man's besser: Die Masse (wie bei uns) sprach nicht den eleganten Stil und scherte sich wenig um die Feinheiten der Grammatik, und die Lautveränderung von ce, ci [ke, ki] zu [tse, tsi] ist erst in den Jahrhunderten nach der klassischen Periode im Spätlateinischen geschehen, deshalb wurde aus dem klassischen Caesar der Kaiser, aus der späteren Aussprache der Zar. Weil man das lange nicht verstand, gibt's z. B. das schottische Fußballteam Celtic Glasgow [seltik], die Kelten aber sind englisch jetzt the Celts [kelts], oder da ist das Germanenvolk der Kimbern, aber das Zimbrische ( ein alter deutscher Sprachinsel-Dialekt in Italien), da man das Volk früher [tsimbern] nannte.

Die meisten Fremdwörter, die wir aus dem Lateinischen haben, sprechen wir aber noch nach den Regeln von Erasmus von Rotterdam: circa, Zentrum, Zertifikat, Zentimeter... Auch griechische Namen sprechen wir gewöhnlich nach seinen Behauptungen: Zerberus, Zentauren, Zyklopen, Zypern, Zylinder...

Super Antwort! Könnte glatt von Cicero persönlich sein....

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