Interpetation von Faust 1 - Rolle von Gott Mephisto?!

6 Antworten

Ich würde weder Faust noch Mephisto noch irgendein anderes Individuum als Instrument Gottes bezeichnen. Sie sind zwar Geschöpfe Gottes, haben aber den eigenen Willen, mit dem sie eigene Dinge tun. D.h., die vier Toten liegen am Ende in der Verantwortung Fausts, weil er sich auf den Pakt eingelassen hat. Mephisto übernimmt hier die Rolle des Verführers. Und das ist auch Goethes message, nämlich dass jeder für sein Tun eigenverantwortlich ist.

Klar, möchte Mephisto die Wette gewinnen. Er verwendet ja viel Mühe drauf. Wenn er sagt, dass er stets das Böse wolle und das Gute schaffe, schwingt für mich da ein wenig Frustration mit. Mephisto ist sich aber seines Wesens sehr bewusst, wenn er sagt: "Ich bin der Geist, der stets verneint, und das mit Recht. Denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. Drum besser wär's, dass nichts entstünde, so ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element." Damit will er die Schöpfungen Gottes vernichten, und das ist ganz klar eine Kampfansage.

Danke erstmals :)

Nur bitte erklär mir mal warum es Mephisto Faust dann so dermaßen versaut?? wenn er die Wette hätte gewinnen wollen, dann hätte er Faust mit Gretchen "zur Ruhe" kommen lassen sollen, vielleicht noch schön eine Hochtzeit inzinieren etc. ^^

Aber er treibt ihn ja richtig ins verderben! Sorgt dafür dass die Mutter stirbt und der Bruder ! Lenkt Faust von Gretchen später ab, sodass sie alleingelassen in ihrer Schuld ihr Kind ertränkt ?!

Das sind doch nicht nur alles ausrutscher von Mephisto !? Ich denke sein Hauptziel ist einfach Fausts leben zu verkorksen, ihn zum Sündiger zu machen.

0
@julian6662

Mephisto ist nicht Fausts Kumpel! Mit Hilfe von Mephisto verführt er Gretchen, indem er ihn jünger aussehen lässt, sie wird schwanger, ertränkt das Kind, wird eingekerkert und tötet sich selbst. Das hat alles Faust selbst zu verantworten. Als Faust sich beschwert, dass er über die Ereignisse keine Kenntnis hatte, verhöhnt ihn Mephisto, indem er sagt: "Willst fliegen und bist vorm Schwindel nicht sicher? Drangen wir uns dir auf, oder du dich uns?" Wenn man es genau nimmt, waren die Mutter und der Bruder Faust im Weg, also gut für Faust, dass sie tot sind, und Mephisto war bestimmt klar, dass eine Ehe mit Gretchen für Faust nicht erfüllend ist, deshalb hat er geschwiegen, als sie das Kind ertränkt hat. Außerdem ist sie ja so zur Sünderin geworden, also eine Seele für ihn.

0

Du solltest primär davon ausgehen, was Goethe und seine Zeitgenossen gedacht haben um die Intention des Textes zu verstehen: Goethe hatte den Faust damals nicht speziell für julian6662 aus dem Jahr 2014 geschrieben.

Die Wette mit Gott hat eine gute alttestamtarische Tradition im Buch Hiob. Da wurde ja eine ähnliche Wette abgeschlossen. Da das jeder wusste und jeder die Bibel respektierte, hatte dann auch niemand die logische Vorbehalte im Sinn, die Du entwickelt hast. ("..Ich hab hier voll konkret mein Bibel und die ist echt voll vom Babo im Himmel. Also was is Dein Problem Du Opfer?!?")

Deine Gedanken wären im Philosophie und im Religionsunterricht ganz interessant wenn es um das Thema Theodizee gegangen wäre, aber hier helfen sie Dir kein Stück weiter: Leibniz war bei Goethes Zielgruppe nicht ganz so geläufig..

Zur Idee eins möchte ich noch ergänzen: In der Bibel (Buch Hiob) gestattet Gott dem Teufel ja auch, Hiob zu quälen, um ihn vom Glauben abzubringen. Auch hier sterben jede Menge Menschen im Verlauf der Geschichte. In der Religion gilt ja das irdische Leben wenig, das (angeblich) ewige Leben umso mehr. Bedenke: Faust hat seine Wurzeln im Mittelalter, also lange vor der Aufklärung.

Aber bedenke dass der Autor immer noch Goethe ist Bereits ab der Epoche der Aufklärung, stand das menschliche Individuum doch an erster Stelle und das wollte er sicherlich nocht bezweifeln oder? :o

1
@julian6662

Das menschliche Individuum vielleicht, eine literarische Figur ganz gewiss nicht. Karl May hat seinen innig geliebten Winnetou umgebracht , Conan Doyle seinen Sherlok Holmes, und auch Walter Moers träumt davon seinen Kapitiän Blaubär zu erschiessen um ihn als Bettvorleger zu benutzen....

Oder wie es mal jemand sagte :"Autoren sind Möder!" Vor alllem wenn es um einen dramatischen Effekt geht, ist nichts und niemand vor ihnen sicher.

2
@julian6662

@ julian6662. Natürlich weiß Goethe, dass Gott nicht wirklich mit dem Teufel nachmittags Kaffee trinkt und dabei lustige Reden führt. Worauf ich hinaus wollte ist, dass Goethes Vorlage, eben Marlowes Faust oder auch die Faust-Sage ihre Wurzeln im Mittelalter hat, und Goethe diese "finsteren Zeiten" aufgreift.

1
@Schuhu

herzlichsten Dank ! das mit den Wurzeln im Mittelalter wusste ich noch nicht

0
@Schuhu

herzlichsten Dank ! das mit den Wurzeln im Mittelalter wusste ich noch nicht

0

Wieso steht fest, dass Mephisto die Wette eh verlieren muss? Der Herr gibt dem Menschen die Freiheit der Wahl, so auch dem Faust. Die Wette wird nur über den Menschen abgeschlossen, der überhaupt fähig zur Erlösung ist, das ist der Mensch (Faust), der Gott „auf besondere Weise dient“, d.h. rastlos forscht und nach Erkenntnis strebt. Das „verworrene Dienen“ Fausts will der Herr bald beenden, indem er ihn „zur Klarheit führt“. Es hat hier tatsächlich den Anschein, als wisse der Herr schon, dass er die Wette gewinnt, dass Faust gewissermaßen unter dem Schirm Gottes stehend automatisch zur Klarheit, also zur Erlösung geführt wird. Diese Frage kann unser Verstand nicht lösen, da das Göttliche jenseits unserer Verstandessphäre waltet (Der Calvinismus hat die Frage ganz einfach entschieden: Gott kennt kraft seiner Voraussicht, wie die Schicksale der Menschen verlaufen; wer erlöst wird, steht von Geburt an fest. Wie gesagt, die Calvinisten denken so!). Goethes „Faust“ ist nun so konzipert, dass man nicht weiß, ob Faust gerettet wird, weil der Mensch eben die Freiheit der Wahl hat. Warum sonst wird Faust ständig in Versuchung geführt? - Derjenige, der zum Augenblicke sagt, „verweile doch, du bist so schön“ (also der irdische Genießer, der nichts weiter im Sinn hat, als „Staub zu fressen, wie meine Muhme, die Schlange!“), der gehört ohnehin schon dem Mephistopheles, um den braucht er nicht zu kämpfen. Faust aber wird ständig in Versuchung geführt, sich auch für den Augenblicksgenuss als einzigen Lebenssinn zu entscheiden (z.B. Auerbachs Keller, genießende Studenten – Gretchen, kleinbürgerliches, beschauliches, erstarrtes Dasein, Faust soll sie nur als Sexobjekt benutzen, doch er will sie retten! - Dann die Walpurgisnacht, ausschweifendes Leben, Orgien, Exzesse). Es gelingt Mephistopheles nicht, Faust für dieses „Staub fressen“ zu begeistern. Zum Schluss von Faust II sagt zwar Faust „Zum Augenblicke dürft ich sagen: Verweile doch, du bist so schön!“ Aber es ist anders gemeint, als es Mephistopheles interpretiert. Faust ist weiter der unablässig Strebende, er wird immer und immer nach Freiheit streben, weil er das muss, denn „nur der verdient sich Freiheit und das Leben, der täglich sie erobern muss!“ Deshalb wird Faust erlöst und Mephistopheles hat die Wette verloren.

Was möchtest Du wissen?