In welchen Sprachen unterscheidet man Vorgangspassiv und Zustandspassiv?

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3 Antworten

Klar, zwischen Eigenschaft und Zustand wird dort von vornherein das Verb "sein" unterschieden: ser, estar.

So wird auch das Vorgangspassiv eben mit ser (el coche fue fabricado) und das Zustandspassiv mit estar (la escuela está reconocida) gebildet.

Danke sehr!

Leider wurde eine Anschlussfrage nach den Übersetzungswörtern der Begriffe in anderen Sprachen gelöscht. Was heißt Vorgangspassiv und Zustandspassiv zB auf spanisch? Wie steht das in span. Dt-Grammatiken? Und werden diese Begriffe auch auf die span. Sprache angewendet?

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@LexiNN

Die Sache ist die, dass es rein lehrbuchgrammatikalisch im Spanischen nur ein Passiv gibt. Dieses nennt sich Voz pasiva (passive Stimme).

Dennoch kann man dadurch nicht in allen Fälle das Passiv bilden, es fällt auf, dass eben das Zustadspassiv, welches es offiziell nicht gibt, doch mit "estar" und nicht mit "ser" gebildet wird.

Was das Passiv im Spanischen ausmacht ist, dass neben SER (sein) eben das Partizip Perfekt (z.B. hergestellt = fabricado) verwendet wird und dieses Genus und Numerus angepasst wird:

  • el coche fue fabricado
  • la casa fue fabricada
  • los coches fueron fabricados
  • las casas fuero fabricadas

Normalerweise bleibt das Partizip Perfekt immer unverädert (z.B. bei zusammegesetzten Zeiten: he fabricado, había fabricado, habré fabricado...). Diese Anpassung an Genus ud Numerus geschieht nur im Passiv.

Auffallend aber dann eben, dass es auch offensichtlich einen Passiv mit ESTAR gibt, welcher Zustände beschreibt und Bewertungen abgibt:

  • José está dormido
  • Ana está dormida
  • José y Ana están dormidos

Dies gilt aber offiziell nicht als Passiv im Spanischen, sondern hier wird eben das Partizip Perfekt adjektivisch eingesetzt. Mit dem gleichen Resultat. Im Spanische wird vieles aus anderen Gesichtspunkten angegangen als z.B. im Deutschen oder Englischen.

Es ist eben wie bei Windows: du kannst die Mouse benutzen, Funktionstasten oder Tastenkombinationen, um zum gleichen Ergebnis zu kommen...

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Das gibt es auch im Englischen, obwohl man den Begriff "Zustandspassiv" in der englischen Grammatik nicht sehr oft vorfindet.

Beispiel:

Vorgangspassiv: The driver was badly injured in the crash (wurde schwer verletzt).

Zustandspassiv: The X-rays showed that he was badly injured (war schwer verletzt)

Aber das ist doch ein Gegenargument. Der Unterschied ist in der deutschen Übersetzung, aber im Englischen nicht morphologisch/syntaktisch greifbar.

Und wie hieße denn "Zustandspassiv" auf Englisch?

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@LexiNN

Ich SAGTE ja schon, "Zustandspassiv" ist in der englischen Grammatik ein ungebräuchlicher Begriff. Gute Grammatikbücher weisen darauf lediglich darauf hin, dass im Englischen Passivkonstruktionen AUCH Zustände ausdrücken können. Da es im Englischen den Unterschied zwischen "sein" und "werden" in disem Fall nicht gibt, ist der Unterschied zwischen Zustands- und Vorgangspassiv im Englischen nur schlecht erkennbar.

Und genau dies ist wohl der Grund dafür, das es (meines Wissens) gar keinen englischen Begriff für "Zustandspassiv" gibt, auch wenn man z.B. "static passive" kreieren könnte.

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Auch im Deutschen sollte man diese althergebrachten Kategorien nicht (mehr) bemühen. Sie sind eine Erfindung der Grammatiker des 19. Jahrhunderts, die damit eine leichte, aber völlig irreführende Lösung für "Passiv mit werden" und "Passiv mit sein" zu finden geglaubt haben.

Gegenbeispiel:

"Europa wird von Afrika durch das Mittelländische Meer und die Straße von Gibraltar getrennt."

Sieht doch sehr nach Zustand aus, oder????

Und ein Standartbeispiel für den sogenannten Zustandspassiv wie:

Der Tisch ist gedeckt

ist natürlich kein Zustandspassiv, ist kein Passiv überhaupt, weil das Verb hier gar nicht als Hilfsverb fungiert, sondern lediglich als Brücke zwischen Subjekt und Ergänzung (oder wie man das hier nennen will).

Streng gesehen also genau das gleiche wie:

Der Tisch ist schön, aus Eichenholz usw.

Hat also mit Passiv nichts zu tun.

Ja, dass man diese althergebrachten Kategorien nicht (mehr) bemühen sollte, damit stimme ich überein. Allerdings stammen sie nicht aus dem 19. Jhd, sie sind etwas ganz neumodisches von vorgestern. Der Schulgrammatiker Glinz führte in Die innere Form des Dt. Bern 1952 die Konzeption von Zustandspassiv ein. Er versuchte eine Emanzipation der Grammatik weg von der lateinischen Schulgrammatik, aber doch im Rahmen des Schulgrammatischen...

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@LexiNN

Hier liegt wohl ein Missverständnis vor: Glinz mag diese fatale (weil falsche) Unterscheidung auf die Begriffe Zustand/Vorgang gebracht haben (es wäre nachzuprüfen, ob er tatsächlich der erste war), mir geht es aber um die Unterscheidung selbst, die ganz bestimmt viel früher einsetzt.

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@Houlala

Missverständnis? Es läge an Dir, die Gegen-Belege beizubringen.

Grammatologie 19.Jhd Im Detail kommt es darauf an, wie man mit den Fragen vergleichender Grammatik umging: welche genera verbi und/oder Diathesen man wann für welche Sprachen wo diskutierte.

Zur Rezeption: Für den gymnasialen Unterricht in Dtld könnte ich mir vorstellen, dass noch in den 1970er Jahren von Zustandspassiv nicht die Rede war, wohl aber von Chomsky / Generativen Grammatiken etc. Aber damals ungefähr - könnte ich mir denken - geriet das Zustandspassiv in Deutschlehrbücher (Fremdsprache und Grundschule). Da lasse ich mich aber gerne mit Belegen belehren.

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Ich würde aber eher sagen: "Europa IST von Afrika durch ... getrennt".

Dein Standardbeispiel für das Zustandspassiv ist angebracht und gerechtfertigt , weil "gedeckt" hier praktisch ein Adjektiv ist und damit die Funktion eines Prädikatsnomens(Prädikativs) hat. Man könnte es in etwa ersetzen durch das Wort "fertig".

Hierzu zitiere ich aber einmal aus Johannes Erben, deustche Grammatik, §56) :

Der Acker ist gepflügt (= "Zustandspassiv", das herbeigeführte Ergebnis wird in einer Seinsbestimmung festgestellt; zu unterscheiden von: Der Acker ist gepflügt worden, wo weniger das Ergebnis (Sein) als der Vorgang, das Gewordensein ausgedrückt wird. (Zitat Ende)

Die Meinung, dass "gedeckt" bzw. "gepflügt" ist den Sätzen mit "ist" NICHTS ", gar nichts, mit Passiv" zu tun haben, kann ich aber nicht teilen.

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@Bswss

Ich kann doch nichts dafür, dass es hier heisst: Eurpoa wird.. und nicht ist..., das Beispiel ist ja nicht von mir ! Linguistik hat nichts mit persönlichen Vorlieben zu tun...

und dass du mein Standardbeispiel gegen das Zustandspassiv (und nicht dafür) nicht annehmen kannst, rührt einfach daher, dass du nach wie vor an der alten AuffassungfesthPalten willst. Mein Argument steht aber schon bei Grévisse, der alles andere ist als ein Revolutionär - nun: er konnte Formen analysieren und Schlüsse daraus ziehen, auch wenn sie gegen die Gewohnheit gingen.

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@Houlala

Wenn du dich auf Maurice Grévisse berufen willst, gerne, aber sage, was du dort meinst? Welchen Begriff braucht er für das Zustandspassiv, wie warum lehnt er es ab. Hat sich Grévisse je auf die deutsche Sprache bezogen?

Beziehst du dich auf dessen Le bon usage. Grammaire francaise avec des rematques sur la langue francaise d'aujourd'hui. (~1936) << http://fr.wikipedia.org/wiki/Le_Bon_Usage

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Warum "Europa wird von Afrika . . . getrennt" ? (Wer tut das?) Das ist doch ein aktiver Vorgang, auch wenn er formal Passiv genannt wird. 'Passiv = Leideform' habe ich noch gelernt. Europa leidet also . . .

"Europa ist von Afrika . . . getrennt". Das beschreibt einen (inaktiven) Zustand, auch wenn er Aktiv genannt wird.

Mir scheinen die grammatischen Begriffe Aktiv und Passiv ungeeignet, um Sprachrealität wiederzugeben.

"Ich liege" wird Aktiv genannt, obwohl ich passiv bin.

"Ich werde geschlagen" wird Passiv genannt, obwohl das ein aktiver Vorgang ist und genauso meine Gegenwehr.

Auf denn, ihr Gramattiker, laßt euch was besseres einfallen!

Zwischen den aktiven und den passiven Vorgängen gibt es noch die wirkliche "Passivität", den Zustand. Auch da ist Passivität ein ungeeignetes Wort, denn passiv heißt "leidend".

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@Rudolf36

Gibt es längst, ist aber etwas kompliziert für die Schulgrammatik. Das Problem liegt in den zwei verschiedenen Zugangsweisen, die nicht so leicht zur Deckung zu bringen sind: Semantik und Syntax /Morphologie.

Du fragst hier semantisch, da solltest du dich mit Verbkategorien bzw mit Diathese befassen. Hingegen ist das Verbgeschlecht (die genera verbi Aktiv und Passivi) eher syntaktisch bestimmt.

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