Ich will physiker werden aber bin nicht gut in Mathe

14 Antworten

Informatik

Ich bin in der Informatik unterwegs. Dort hat man entweder nur mit Mathematik zu tun oder eben gar nicht, je nachdem, welchen Softwareentwickler man fragt. Letzendlich schreiben wir mit unseren Programmen Funktionen, die anhand von Eingabeparametern nach der Verarbeitung ein Ergebnis liefern. Insofern machen wir eine Menge Mathematik. Aber:

Wir bewegen uns in der Informatik sehr häufig auf allen Ebenen, außer auf der der Mathematik. Meistens ist es sogar so, dass wir "Funktionsmanager" sind. Wie suchen uns also bereit vorhandene (womöglich von Mathematikern entwickelte) Funktionen und setzen sie neu zusammen, sodass etwas Größeres entsteht, wovon ein anderer dann einen Nutzen hat.

Mathematik

Wenn Du dir Schulmathematik anschaust, dann ist das nicht zu vergleichen mit der Mathematik, mit der du als Mathematikstudent konfrontiert bist. Es gibt verschiedene Beispiele dafürr. Mein Paradebeispiel ist die Quadratische Ergänzung. Die braucht man, wenn man die Nullstellen einer quadratischen Funktion berechnen möchte. Böse Zungen behaupten, dass man dafür die p-q-Forrmel verwendet. Die ist aber lediglich eine Abkürzung, die durch Umformung und Anwendung der Quadratischen Ergänzung entstanden ist.

Die Quadratische Ergänzung ist ein Umformungsschritt, der NICHT OFFENSICHTLICH ist. Es handelt sich dabei um einen Schritt, den man aber MACHEN MUSS., damit man die 1. Binomische Regel anwenden kann.

Wichtig sind hierbei nicht die Themen "quadratische Ergänzung" und "binomische Formel". Es geht darum, dass da ein nicht offensichtlicher Umformungsschritt existiert, der BEIDES VERBINDET, damit man die Nullstellen berechnen kann. Für mich hatten sich damals folgende Fragen gestellt:

  1. Warum ergänzt man den Faktor des linearen Anteils der quadratischen Gleichung?
  2. Und warum interessiert mich als Zielstruktur die 1. binomische Regel?

Wenn man dann aber danach wieder die einfachen Berechnungen nachgelegt hat, wurd klar warum. Man konnte plötzlich ganz sauber nach x auflösen.

Was ich damit sagen möchte ist, dass das ein Beispiel ist, in der man ansatzweise das Wesen von Mathematik erkennen kann. Und selbst das ist nur an der Oberfläche gekrratzt.

Das was wir in der Schule lernen sind die Erkenntnisse von Mathematikern der letzten Jahrhunderte. Im Mathematikstudium wirst du vorbereit, selbst zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Dazu bedarf es einen umfassenden Überblick über alle Bereiche der Mathematik (Transfer) und ihrer Methoden und ein Sprachgefühl. Beides braucht man, um genau die nicht offensichtlichen Umformungsschritte zu "finden". Die Schulmathematik leistet das nicht. Selbst Analysis 1 und 2 sind am Ende Dinge, die man methodisch nach Plan "abarbeiten" kann, weil einem die Wege gelehrt werden, die andere mühselig finden mussten.

In der Mathematik geht es genau darum: Das Finden von Wegen zur Lösung von Probleme, die noch nie gelöst wurden. Bei einer Kurvendiskussion beispielsweise ist der Drops gelutscht. Das interessiert keinen mehr. Auf der anderen Seite versuchen heute Heerscharen an Mathematikern, das Problem der effizienten Primfaktorzerlegung bei großen Zahlen anzugehen. Das hat im weitesten Sinne etwas mit den heute verwendeten Verschlüsselung im Informatikbereich zu tun und ist zum Glück noch nicht gelöst, denn ansonsten könnten wir unsere heutige Art der Verschlüsselung in die Tonne treten.

Physik

Wenn man sich die Physik anschaut, dann beschreibt sie ihre Regeln in der Sprache der Mathematik. Man muss aber auch schauen, dass sie in die Realität "hineinragt". Denn mathematisch kann man auch Unsinn beschreiben, den man in der Realität nicht finden kann. Deshalb ist in der Physik die Mathematik zwar wichtig, aber eben nur als Mittel zum Zweck um die Erkenntnisse über die Realität zu beschreiben.

Einstein war kein großer Mathematiker. Er war zwar zu Beginn nicht in der Lage seine Theorien mathematisch zu beschreiben, dennoch hatte er eine wesentliche Eigenschaft: Er hat einen Überblick gehabt über sämtliche Bereiche der Physik und hat im Bezug auf die Konzepte der Physik ein Gefühl entwickelt, wie die Dinge miteinander zusammenhängen. Er hatte ein Sprachgefühl für die Konzepte der Physik. Wie sonst würde man auf eine Raumzeitgeometrie kommen, die NICHT OFFENSICHTLICH ist.

Fazit

Du musst dir überlegen, ob es dir liegt, noch nie gelöste Probleme anzugehen oder du einfach nur die bestehenden Erkenntnisse "verarbeiten" möchtest. In dem einen Fall wäre der akademische Weg in die Wissenschaft und Forschung zu bestreiten. Mathematik wird dir da sicherlich in Mengen begegnen. Schließlich musst du die bisherigen Erkenntnis komplett nachvollziehen können, um den aktuellen Stand der Physik zu verstehen.

Wenn man nicht in der Forschung und Entwicklung bleibt, wird sich der mathematische Anteil etwas zurückschrauben, aber trotzdem noch auf sehr hohem Niveau sein. In der Wirtschaft sind studierte Physiker in den verschiedensten Bereichen tätig:

http://www.abi.de/orientieren/berufsarbeitsfelder/schulfaecher/ich-will-was-machen-mit-physik013986.htm

Solltest du dich für Physik interessieren, aber Mathematik eher hinten anstellen, gibt es in der Wirtschaft ein paar Berufe außerhalb der akademischen Laufbahn:

  1. Physikalisch technischer Assistent
  2. Lastertechnischer Assistent
  3. Physiklaborant
  4. Baustoffprüfer

Beides ist eng ineinander verflochten. Das Gute ist allerdings, dass die Hochschulmathematik /-physik nicht vergleichbar ist mit der Schulmathematik /-physik

Stimmt. Im ersten Semester wird die gesamte Schulmathematik wiederholt, in den folgenden drei Semestern geht's in demselben Tempo weiter.

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Du musst dich einfach dazu überwinden, mehr zu lernen, alle Hausaufgaben auszuführen und überhaupt genügend Übungsaufgaben lösen, sodass du in den betreffenden Fächern gefestigt bist. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

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