Großeltern ausladen?
Tut mir leid, wieder eine Frage zum Corona-Ausbruch. Mich würden dazu aber unterschiedliche Meinungen interessieren.
In wenigen Wochen heirate ich standesamtlich. Geplant sind (oder waren) Standesamt und anschließend schickes Mittagessen, jeweils mit Eltern, Geschwistern und Großeltern. Mir persönlich war das auch super wichtig, dass wirklich die ganze (enge) Familie dabei ist.
Unabhängig davon, ob die Trauung (und das anschließende Essen) unter den aktuellen Umständen überhaupt stattfinden kann (unser Rathaus hat heute bereits den normalen Personenverkehr eingestellt, bisher aber noch keine weiteren konkreten Angaben dazu gemacht), sind wir uns vollkommen darüber bewusst, dass eine solche Ansammlung (immerhin über zehn Personen) auch ohne Verbot prinzipiell nicht besonders sinnvoll ist zur Zeit. Wir kennen sogar persönlich einen Fall im engen Umkreis, wo einer bei einem gemeinsamen Essen - natürlich zu dem Zeitpunkt unwissentlich - mit der Familie nachweislich alle anderen angesteckt hat (der Vater liegt momentan sogar auf Intensivstation).
Unseren, insbesondere meiner Familie(n) ist die Trauung symbolisch fast wichtiger als uns selbst, ein allgemeines Ausladen wäre ziemlich schwierig. Jetzt ist aber zumindest uns beiden klar, dass wir es nicht verantworten wollen, es zu riskieren, dass sich unsere Großeltern im Laufe des Tages mit dem Coronavirus infizieren (sei es unwissentlich durch einen von uns, oder im Rathaus oder Restaurant) und sie demzufolge "am liebsten" (stimmt so natürlich auch nicht) ausladen.
Während der eine Teil der Familie das unabhängig von unserer Meinung auch so sieht und das zum Teil unabhängig von uns angesprochen hat, ist der andere Teil mehr der Meinung, dass das die Großeltern selbst entscheiden sollten und sie sie ja nicht ausladen können. Da bin ich also auf keinerlei Verständnis gestoßen und kam mir nur durch die Idee völlig herzlos vor.
Wie seht ihr das? Wäre ein Ausladen der Großeltern herzlos oder - im anderen Extrem - das einzig Richtige? Was würdet ihr tun (sollte in den nächsten Wochen keine Entscheidung "von oben" kommen)?
Edit: Die Frage war am Ende irrelevant, da das der Bundesstaat übernommen hat. Es durfte gar niemand dabei sein.
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4 Antworten
Besteht keine Möglichkeit, die Hochzeit zu verschieben, bis die Krise vorüber ist? Dann können alle Personen wie geplant an der Hochzeit teilnehmen, auch die Großeltern.
Andernfalls würde ich die Großeltern ansprechen und ihnen freistellen, ob sie das Risiko eingehen wollen. Denn sie sind zwar alt, aber es gibt keinen Grund, sie zu bevormunden.
Giwalato
Uns wurde bei der Terminvergabe unmissverständlich klar gemacht, dass Verschieben nicht möglich ist. Das kann jetzt mit der Coronakrise anders sein, soweit sind wir noch nicht.
Aber weil mich das ziemlich beschäftigt (u.a. jetzt, wo ich das aus dem Bekanntenkreis mitbekommen habe), bin ich schon in Gedanken bei dem Fall, dass am Ende womöglich wir die letzten Worte sprechen müssen. Und da weiß ich noch nicht, wo ich stehe.
Idealerweise würde ich sie aber auch am liebsten verschieben und wie geplant (und von mir gewünscht) mit allen Beteiligten ohne Sorgen feiern. Mit etwas Glück können wir die Hochzeit (wegen Ausnahmezustand) nicht nur, sondern müssen sie sogar verschieben.
Heiratet Ihr auch noch kirchlich?
Erkundigt Euch erst mal, ob die standesamtliche Hochzeit überhaupt stattfinden wird und das Lokal Eure Feier durchführen wird.
Das kann ich verstehen. Was sagen denn die Großeltern selbst dazu?
Weil ich mir noch sehr unsicher bin wie ich selbst dazu stehe, habe ich sie selbst noch nicht darauf angesprochen. Die Frage kam für mich (und meinen Partner) auch erst in den letzten Tagen so richtig auf; u.a. auch als wir von dem Fall auf der Intensivstation erfahren haben und die Gefahr nochmal "realer" wurde.
Ich glaube, sobald ich meine Haltung dazu gefunden habe, werde ich so oder so erst mit ihnen reden, ihre eigene Meinung anhören, meine Bedenken in beide Richtungen aussprechen und schauen wie sie reagieren. Vielleicht mache ich mir jetzt auch zu viele Gedanken und die Entscheidung ist dann am Ende glasklar.
Es sind ja wohl noch ein paar Wochen, so dass bis dahin vielleicht schon einiges klarer ist. Vielleicht ist es dann schon nicht mehr so schlimm und Ihr könnt in aller Ruhe und Gelassenheit feiern.
Ja, das wäre natürlich schön. Zumindest mehr Klarheit.
Bei unter 10.000 Infizierten in Deutschland müsstet es eine Hochzeit von 7.000 Gästen sein, ehe statistisch gesehen 1 infizierte Person dabei ist.
Hast du schon einmal daran gedacht, dass die Ausladung aufs Herz geht (ich meine jetzt körperlich) und dass du sie dadurch mehr gefährden könntest, als durch eine evtl. Ansteckung, die eher unwahrscheinlich ist? Man könnte ja die Großeltern an einem separaten Tisch mit einem Mindestabstand von 2 Meter setzen. Das Gleiche gilt auch für die Trauung.
Danke für die Antwort, aber das ist schon lange vorbei :)
Übrigens war gar niemand dabei, weil verboten zu dem Zeitpunkt. Waren nur mein Jetzt-Mann und der Bürgermeister.
Herzlichen Glückwunsch und alles Gute. Aber man kann das Fest ja nachholen.
Danke :)
Und ganz genau, so dann auch beruhigten Gewissens.
PS: Sie waren auch erleichtert, dass wir alleine mussten, weil sie wegen Corona nicht mitgekommen wären, es aber nicht übers Herz gebracht hätten, es uns zu sagen
ich würde sagen lass es doch die Großeltern selbst entscheiden sind ja keine kleinen Kinder.
die sollen das Risko selbst abwägen. ggf ist ein Besuch im Supermarkt gefährlicher
Sehe ich prinzipiell auch so. Nur weiß ich nicht wie ich das mit meinem Gewissen vereinbaren kann, sollte sich im Nachhinein doch herausstellen, dass das schlimme Konsequenzen für sie hatte (zu viele "wenn" und "falls"). Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass sie bereits 90+ sind.
Nein, wir heiraten nicht kirchlich. Wir werden ein Nachfest feiern (mit deutlichem zeitlichen Abstand), aber das eigentlich Festliche wäre schon die Trauung. Das würde ich ihnen damit also nehmen (sollte ich mich so entscheiden).
Ich sehe es aber auch so, dass eine richtige Planung so gerade nicht möglich ist und wir erst einmal abwarten müssen. Grundsätzlich sind wir da auch relativ entspannt, uns ist aus bestimmten Gründen nur wichtig, dass die Trauung noch vor dem Sommer stattfindet.
Nur, um allein diesem inneren Konflikt zu entfliehen, wäre ich ja fast schon froh bzw erleichtert, wenn die Trauung unter diesen Umständen "von außen" verschoben werden würde (oder von außen strenge Auflagen wie z.B. Maximalanzahl an Begleitpersonen von bis zu 5 Personen kämen).