eure meinung zur "stunde null"?

9 Antworten

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Mein Tipp:
Gib mal in die Suchfunktion oben rechts auf dieser Seite ein:
"Stunde Null Nachkriegsdeutschland".

Du kommst zur Frage von louei und einer interessanten Diskussion darüber, ob der Begriff berechtigt ist oder nicht.

Gruß, earnest

danke!!! :D

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@earnest

Ich melde mich hier noch einmal, weil es mich wundert, daß außer Dorfbengel niemand die Berechtigung des Begriffs "Stunde Null" in Zweifel gezogen hat.

Die "Stunde Null" halt ich für einen Mythos, eine Legende, die einen völligen Neubeginn vorgaukelt.
Näher ausgeführt habe ich das vor einiger Zeit in o.a. Link.

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@earnest

Danke! Über dieses Sternchen freue ich mich ganz besonders.

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Ja, es ist gerechtfertigt von Stunde Null zu sprechen. Die Wirtschaft war am Ende und der Zweite Weltkrieg hatte alles zerstört. Nicht nur Gebäude, sondern auch Familien und Körper. Aber nicht nur in dieser Hinsicht, denn auch moralisch gesehen, gab es eine Stunde Null. Wer so viele Verbrechen begangen hat oder sie geduldet hat, ist meiner Meinung nach bei Stunde Null angekommen. Man hatte auch nichts mehr zu verlieren, denn alles war zerstört. Man musste wieder von ganz vorne beginnen, also bei der Stunde Null. Ja es ging dann wieder aufwärts, aber an der weiteren Entwicklung ist zu sehen, dass die Menschen trotzdem nichts dazu gelernt hatten. Der Begriff Stunde Null ist meiner Meinung nach gerechtfertigt. Hoffe, dass wir so etwas nie mehr erleben müssen.

Naja, alles war kaputt. Krieg war zuende, Häuser zerstört, Wirtschaft am Boden, Geld war nichts mehr wert, und man mußte be"Null" anfangen. Jedenfalls die meisten. Es gab Menschen, wie z.B. die Flüchtlinge die hatten rein gar nichts mehr, als das nackte Leben.

Die Stunde Null galt ja nicht nur für Deutschland hab ich glatt vergesen. In vielen europäischen Landern sah es auch nicht viel besser aus.

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Bin Zeitzeuge. Mit dem Ende des 2.Weltkrieg endete das Dritte Reich und damit die Diktaur. Deutschschland fing bei Null an. Die gesamte Versorgung war zusammengebrochen. Es gab 2 Monate keine Lebensmittelkarten und die vorherigen Hungerrationen vielen ganz weg. Das Geld war nichts mehr wert. Es herrschte die Zigarettenwährung. Die Menschen aus den Städten fuhren aufs Land und tauschten alles, was sie entbehren konnten gegen Lebensmittel. Deutschland war ein Trümmerhaufen.

Wer das nicht erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, was es heißt, bei Null wieder anzufangen.

aber war es nicht auch im Krieg schon so, dass es kaum was zum essen gab, alles zerstört war,...? außerdem als die alliierten wieder eine demokratie aufgebaut haben, dann war doch vieles wie schon in der weimarer republik, die parteien, die staatsform,... eigentlich war da doch auch eine gewisse kontinuität, es war nichts grundlegend neues. oder seh ich das falsch?

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@mydoggie

"war es nicht auch im Krieg schon so, dass es kaum was zum essen gab"

Nein, zumindest das nicht. Deutschland hatte Gebiete in ganz Europa besetzt und plünderte die. Da wurde bspw. ein Dorf in Russland überfallen, alle Menschen in eine Scheune getrieben, alles ess- und verwertbare wie Möbel auf LKW verladen, dann die Häuser und die Scheune mit den Menschen drin, angezündet.

Jedenfalls sorgten die besetzen Ländern auf diese oder andere Arten für Deutschlands Versorgung, bis 1944. In den letzten Kriegsmonaten, als nichts menr besetzt war, sah das dann natürlich schon anders aus. Aber selbst dieser Mangel wurde im Nachhinein dann ausgeblendet, denn unter dem geliebten Führer war ja alles besser gewesen.

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@derdorfbengel

Wars du dabei? Hast du das gesehen? Ich war als Soldat in Rußland. Natürlich wurden Lebensmittel beschlagnahmt. Aber nicht um sie nach Deutschland zu bringen, sondernu die Trupppen damit zu versorgen. Im Gegenteil. An der Front gab es Dörrgemüse aus Deutschland. Die Russen hatten noch genügend Kartoffeln um ihren geliebten Wodka zu brennen. Sie haben nicht gehungert. Weißt du welche entfernung da zu überbrücken war? was glaubst du, wie die in Deutschland angekommen wären?. Natürlich tiefgefroren in Kühlwagen, die es noch nicht gab. Was glaubst du für wen die Russen gekämpft haben? Für ihren geliebten Stalin? Oder die Engländer für ihren geliebten Churchil? Alle konnte sich das nicht auswählen. Sie MUSSTEN genau wie wir. Da wurde niemand gefragt. Ich habe den Rückzug vom Donez zum Dnjeper mitgemacht. Da sind in der Tat ganze Dörfer niedergbrannt worden. Aber die Bevölkerung hat die Dörfer vorher geräumt und zog in langen Treks gen Westen. Wenn wirklich in einer Kirche Zivilisten verbrannt worden sind, waren das vielleicht Partisanen? Mit diesen hinterhältigen Heckenschützen wurde nicht lange gefackelt. Das waren keine Soldaten, sondern Zivilisten.

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@mydoggie

Auch im Krieg wurden die Rationen immer kleiner. Aber die Verwaltung funktionierte noch. Mit dem Kriegsende und dem Zusammenbruch hat die Bevölkerung die Lager geplündert. Deutschland war in 4 Bestzungszonen aufgeteilt. Das 3. Reich gab es nicht mehr und auch keine Republik nach Weimarer Muster. Es war alles zusammengebrochen.

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Ich bin so flexibel, die Position für Dich zu liefern, die Dir noch fehlt;-) Also die Gegenposition zur "Stunde Null".

1945 änderte sich ausser der Entfernung HitIers und der Beendigung der unmittelbaren Verbrechen relartiv wenig. Vor allem wurden die beiden 1949 folgenden deutschen Staaten eigentlich von Personal geschaffen und geprägt, das auch vorher schon da war. Im westdeutschen staat waren das Mitläufer oder sogar tragende Säulen des NS-Staates, im ostdeutschen waren es NS-Gegner, die auch schon vorher da waren.

Die persönlichen politischen Geschichten der Persönlichkeiten reichen jeweils zurück bis in die 30er und sogar 20er Jahre, in denen bspw. ein Kanzleramtsmninister Adenauers als Vorzeigejurist der Nazis die Rassengesetze erklärte und ein Ulbricht als DDR-Chef im Nazi-Zuchthaus gesessen hatte.

Genau so wie in der politischen Spitze sah es in der Wirtschaft, der Verwaltung, den Schulen, Hochschulen usw. etc. aus.

In Westdeutschland wurde so gut wie kein Nazi-Verbrecher bestraft. Wer noch aufgrund alliierter Urteile im Gefängnis gesessen hatte, wurde nach spätenstens 10 Jahren frei gelassen. solche Verbrecher konnten alles werden. Von den Nazis verurrteile Desereure waren hingegen vorbestrafte Kriminelle, die damit bspw. vom Lehrerberuf ausgeschlossen waren.

Sprich: für sehr viele Menschen war es eine graduelle Änderung, aber nicht der erhoffte Umbruch, der das grosse Wort einer "Stunde Null" hätte rechtfertigen können. Im Vordergrund der Erfahrung der Menschen stand das "Wirtschaftswunder".

DH!

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