Erbse Vergammelt

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3 Antworten

Erbsen zählen zu den Leguminosen. Diese leben in Symbiose mit Knöllchenbakterien, die aus Luftstickstoff Nährstoffe machen. Gibt man nun synthetischen Stickstoff zu, schadet man diesen Bakterien. Auch ein zu viel an organischem Dünger ist nicht so gut für sie. Bei Erbsen sollte man außer recht sparsam mit Dünger sein. Humus z. B. in Form von gut verrottetem Kompost ist aber gut für die Entwicklung der Pflanzen und der mit ihnen lebenden Bakterien. Jetzt lese ich gerade, dass Du die Keimlinge ohne Erde heran ziehst. Ohne Erde können Knöllchenbakterien nicht leben, die Erbsen können nicht wachsen.

Bei uns in Brandenburg gab es vor Jahren mal Feldversuche auf Wiesen mit stickstoffhaltigen Düngern. Dabei wurde die Zusammensetzung der Pflanzenarten in Zusammenhang mit den Düngermengen untersucht. Bei wenig bis gar keiner Düngung herrschte eine große Artenvielfalt und es gab viele Schmetterlingsblütler, wie Klee, Wicken und Platterbsen, also die wildlebenden Verwandten der Erbse. Diese versorgten den Boden von Natur aus zusammen mit den Knöllchenbakterien mit so viel Stickstoff, wie er brauchte, mehr aber auch nicht. Je mehr man dann düngte, desto weniger Arten gab es, der Grasanteil nahm zu, bis es nur noch Gras gab. Dieses wuchs kräftiger, unterdrückte die Leguminosen und der Dünger unterdrückte die Knöllchenbakterien.

Die andere Sache in Deinem Fall sind die Jahreszeit und wahrscheinlich die Lichtverhältnisse. Erbsen sät man normalerweise im Mai aus. Wenn sie keimen und aus der Erde kommen, ist der Tag 15 Stunden mit länger werdenden Tendenz, die Nächte haben 9 Stunden und werden kürzer. Diese 15 bis 16 Stunden Sonnenlicht braucht die Erbse auch, um sich gut zu entwickeln. Nur mit dem vielen Licht ist sie in der Lage, genügend Eiweiß zum Wachstum zu bilden. Nachts verbrennt sie einen Teil der aufgenommenen und in Traubenzucker umgewandelten Sonnenenergie. Bei einem doppelt so langen Tag wie die Nacht hat die Erbse reichlich Energie zum Wachsen übrig, zumal die Nächte dann noch kühl sind und sie im Dunkeln weniger Energie braucht, als am Tage.

Wenn Du nun schreibst, Du hast sie drinnen im Haus, dann fragt sich, ob Du ihr auch diese Bedingungen geben kannst: Mindestens 15 Stunden lang viel und helles Licht entsprechend der Sommersonne. Die Verhältnisse sind ja jetzt umgekehrt, die Nächte sind länger als die Tage. Da verbrennen die Pflanzen demzufolge nachts mehr Energie, als sie durch die Sonne aufnehmen können, es bleibt nichts mehr zum Wachsen übrig. Man kann das etwas ausgleichen, indem man die Nachttemperaturen ab Beginn der Dunkelheit um 3 bis 5° konsequent absenkt. Wirkliches Wachstum erreicht man aber nur mit einer starken und langen Zusatzbelichtung. Und wie schon gesagt, nur in guter Erde ohne Kunstdünger..

Kraeutergnom 25.10.2012, 08:45

Mir fällt noch was ein zu Deiner Frage zur Nährstoffkonzentration. Wenn man Pflanzen in Nährlösung heranzieht, darf deren Konzentration niemals 0,2 % überschreiten, optimal sind 0,05 bis 0,1 %. Die Nährstoffaufnahme erfolgt ja über Osmose. In der Pflanze ist die Nährsalzkonzentration immer höher als im Boden. Durch die halbdurchlässigen Zellmembranen der Wurzelhaare strebt genau genommen das Wasser immer dort hin, wo weniger Wasser ist, also hin zur höheren Salzkonzentration in die Pflanze. Salz zieht Wasser an und mit Hilfe des Nährsalzes in den Wurzeln ziehen die Pflanzen das Wasser aus dem Boden.

Deshalb muss die Nährsalzkonzentration in der Nährlösung immer niedriger sein, als in der Pflanze. Gibt man zu viel Nährsalz rein, kommt der Prozess der Wasseraufnahme zum stehen. Gibt man noch mehr Kunstdünger dazu, fürht es dazu, dass Wasser aus den Wurzeln entzogen wird. Das Düngersalz zieht dann von ringsherum Wasser an und die Pflanze vertrocknet buchstäblich in der flüssigen Nährlösung. Also nur wenig Dünger rein geben und die Anleitung auf der Packung genau lesen.

Ich habe vor Jahren mal einen Baumphilodendron ein Jahr lang nur in einer kleinen Glasvase mit Leitungswasser gehalten. Er wuchs zwar langsam, war aber sehr gesund. Es muss also nicht immer Dünger drin sein.

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Samen haben alles in sich, was zum Keimen nötig ist - außer Wasser. Dünger schadet meist, besonders bei Schmetterlingsblütlern (Hülsenfrüchte u.a.), die brauch an sich schon wenig. Zuviel schadet, da die Wurzeln unter osmotischen Stress geraten und kein Wasser aufnehmen können.

Im Übrigen ist die Bezeichnung Nährstoff oder Nährsalz unglücklich. Nährstoffe stellen Pflanzen selber her (Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate). Was Du meinst und was im Dünger ist, sind Mineralstoffe.

BethCooper 24.10.2012, 21:38

Gibt es irgendwie vom "vergammeln" einen chemischen oder biologischen prozess?

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botanicus 24.10.2012, 21:50
@BethCooper

Sehe ich als umgangssprachl. Sammelbegriff für allerlei degenerative Vorgänge:

  • Mikrobiologische Zersetzung, ggf. anaerob (Fäulnis, Gärung)
  • Mazerazion
  • unansehnlich werden durch Austrocknung, Verschmutzung ...
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  1. Falsche Jahreszeit.
  2. Zuviel Dünger. Keimlinge brauch nur sehr, sehr wenig Dünger, das meiste haben sie schon in dem Samen.
BethCooper 24.10.2012, 20:32

sie waren drinnen... aber warum brauchen sie keinen dünger? also ist in dünger nährsalz und den braucht die planze nicht, weil sie schon genug energie zum wachsen hat? aber zuviel kann doch nicht schaden oder? wenn ja, dann wie schadet es???

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