Dementer Hund - wann über Einschläfern nachdenken?

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9 Antworten

Mir hat bei chronisch kranken Tieren, wo eine Verbesserung der Symptome nicht mehr zu erwarten war, sondern nur noch das Gegenteil, folgender Satz geholfen:

"Wenn die schlechten Tage die Guten überwiegen, wird es Zeit, loszulassen."

Bei Deiner Frage kommt es mir aber so vor, als wäre es noch ein längerer Weg dorthin. Zumal Dein Hund ja körperlich noch recht fit zu sein scheint.

Bei den Ratschlägen der Eltern und evtl. Anderer sollte man sich fragen, ob es da nicht nur um die menschliche Bequemlichkeit geht. Es wäre schon ziemlich unfair, den alten Hund einzuschläfern, weil man halt nun mehr Aufwand betreiben, und besser auf ihn aufpassen muß. Laß Dir da mal nicht reinreden!

Du entscheidest. Höre auf Dein Bauchgefühl.

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Kommentar von Pluvia
16.08.2016, 14:55

Hallo!
Das mit der Bequemlichkeit ist auch ein Aspekt, der mich so vehement stört. Einerseits ja, ist das eine psychische Belastung, natürlich, aber man kann ja nicht mit einem Lebewesen 14 oder 15 schöne Jahre verbringen und dann plötzlich sagen "ach, ne, jetzt wird es mir zu anstregend", wenn das Tier dann wieder mehr auf einen angewiesen ist.
Dass sie eben wirklich körperlich gesund ist (auch laut den Tierärzten) und fast "nur" psychisch so abbaut, macht die Einschätzung eben so schwierig. Zumal ich ja auch nicht miterlebe, wie es ihr geht, wenn ich das Haus verlasse. Ich muss halt auch arbeiten usw., und wenn es ihr permanent schlecht geht, wenn ich nicht da bin, ist das ja irgendwie auch nicht schön für sie. Aber das kann ich wirklich unfassbar schlecht beurteilen, weswegen mich das Thema auch ziemlich überfordert. Aber jeder Hundebesitzer weiß wahrscheinlich, wie schwierig das ist, sich über sowas ernsthaft Gedanken zu machen.

Ganz vielen Dank für deine Antwort!

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Hallo Pluvia,

das ist eine sehr schwere, aber gute Frage.

Meine Hunde haben mir immer ein Zeichen gegeben, wenn es an der Zeit war, sie gehen zu lassen. Es war stets etwas, was eindeutig war, weil sie zuvor nie getan hatten. Nur Kleinigkeiten, aber als sensibler Mensch spürte ich es einfach.

Meine letzte Hündin z. B. kam eines abends zu mir, setzte sich vor mich in und schaute mich auf eine Art an, wie sie es noch nie getan hatte. Mein spontaner Gedanke dabei war: Ohje, sie verabschiedet sich gerade!

Und kurz zuvor dachte ich eigentlich auch noch, dass es aufgrund der körperlichen und sonstigen Einschränkungen nicht ausreicht zum Einschläfern. Aber diese intensive - ja, wie soll ich es überhaupt nennen? - Begegnung, Erfahrung, Kommunikation, ich weiß kein passendes Wort dafür, war jedenfalls so eindringlich und eindeutig, dass ich es einfach wußte.

Am nächsten Tag ging es ihr dann auch noch deutlich schlechter und ich spürte, wie sie sich quälte. So rief ich den TA an und er sagte, ich solle gleich kommen. Es war für mich unendlich schwer, sie war mein Ein und Alles, aber auch der TA meinte dann, es sei an der Zeit.

Und so habe ich sie auf ihrem letzten Weg begleitet. Ich könnte jetzt schon wieder heulen, wenn ich dran denke, obwohl es schon über ein halbes Jahr her ist. Aber so ist das nunmal. Lieben heißt auch Loslassen.

Vielleicht hilft Dir meine Antwort bei Deiner schweren Entscheidung.

Alles Gute für Dich und Deinen Hund

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Kommentar von Pluvia
16.08.2016, 14:48

Hallo!
Das, was du erzählst, klingt auf jeden Fall sinnvoll. Es gab schon öfter Tage, an denen ich dachte "okay, es geht zu Ende" und ganz schrecklich weinen musste, aber ein, zwei Tage später war sie dann doch wieder besser drauf. Aus dem Grund fällt es mir auch so wahnsinnig schwer, wirklich einzuschätzen, ob es langsam zu viel wird.
Ich könnte auch absolut nicht mit dem Gefühl leben, aufgegeben zu haben. Andererseits habe ich wie gesagt auch die Befürchtung, dass ich mir alles vielleicht noch etwas schönrede, weil ich den Gedanken so unerträglich finde, sie zu verlieren. Das versteht wahrscheinlich jeder Hundebesitzer auf diesem Planeten.

Ganz vielen Dank für deine Antwort!

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Hi,

welche Medis und Therapien bekommt sie denn? 

Zunächst ist es ja so wie bei vielen alten Menschen auch, es sind Verwirrtheitszustände die kommen und gehen, wenn es in ein Dauerzustand über geht, wäre es für mich auch ein Zeichen den Hund gehen zu lassen :( 

Aber so lange es nur vorübergehende Zustände sind kann man sich als Mensch recht gut drauf einrichten, 

-Gassi gehen findet zB dann nur noch mit einer Leine statt und ja da finde ich Flexileinen völlig in Ordnung für

- Treppen sollten nicht mehr alleine bestiegen werden, es gibt da Geschirre die Helfen können, grad auch für die Hinterbeine das die nicht wegrutschen können

- wenn der Hund im verwirrten Zustand ist, nutzt eine Ansprache nicht viel, am besten ist es durch Berührungen einen Körperkontakt aufzubauen dadurch kann man sie eher aus diesen Zustand heraus helfen

- akzeptieren das der Hund ein Pflegefall ist 

- geistig fit halten, auch so alte Hunde können noch ein bisschen was leisten, ich würde es da mit Intelligenzbretter versuchen und körperlich fit halten, so weit es geht, da reicht dann auch ein schöner Spaziergang an verschiedenen Orten so das neue Eindrücke und Reize hat. 

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Kommentar von Pluvia
16.08.2016, 14:42

Hallo!
Gegen ihre Trennungsangst bekommt sie Clomicalm. Ihr Zustand ist mittlerweile schon seit über einem Jahr so, also vorübergehend ist das leider Gottes nicht; natürlich nicht in der gleichen Intensität, das ist jetzt die letzten zwei, drei Monate merkbar schlimmer geworden. Wenn ich mit ihr gehe, habe ich sie prinzipiell an der Leine, auch weil sie so schlecht hört (also physiologisch, nicht vom Gehorsam her). Unsere Treppen trage ich sie auch teilweise hoch und runter, je nachdem, wie sie drauf ist. Abends gehe ich oft gar nicht aus dem Haus, wenn sie einen schlechten Tag hat, damit sie nicht jault.
Also wir richten uns wirklich recht stark nach ihr und versuchen, es ihr so angenehm wie möglich zu gestalten, aber ihr Zustand verbessert sich absolut nicht mehr, und da ich sie ja auch nicht erlebe, wenn ich nicht da bin, ist das so schwierig für mich einzuschätzen, wie schlecht es ihr wirklich geht.

Danke für die Tipps! :)

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mein kleiner Papillon ist auch *dement* geworden, mit seinen bald 15 Jahren...körperlich ist er noch fit, trotzdem er fast nichts mehr sieht und nur noch sehr schlecht hört.

Ich hab von meinem Tierarzt ein Präparat gekriegt, dass seine Durchblutung im Hirn anregen soll....es wirkt tatsächlich...im Gegensatz zu vorher findet der Kleine sein Körbchen wieder, pinkelt nicht mehr irgendwo hin und ist auch sonst viel aufgeweckter.

Wenn Dein Hund sonst keine Beschwerden hat...versuch`s mal damit...eischläfern ist endgültig 

Alte Hund sind übrigens nicht mehr gerne alleine..viele fangen dann an zu jaulen....

Der Name des Präparats heisst... KARSIVAN...der Wirkstoff ist Propentofyllinum ( 100 mg )

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Kommentar von Pluvia
16.08.2016, 14:50

Hallo!
Würde sie "nur" jaulen, wenn sie alleine wäre, wäre der Fall ja auch noch anders, aber selbst die Anwesenheit meiner Eltern hilft ihr absolut nicht.

Danke für den Tipp, ich werde mich da mal drüber informieren :)

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Die Frage ist, welche Lebensqualität der Hund noch hat. Nicht immer kann man den körperlichen Aspekt vorschieben. Auch eine Demenz kann jegliche Lebensquälität rauben. Denk darüber nach.

Im Übrigen schließe ich mich Maienblume an.

Alles Gute für euch!

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Kommentar von Bitterkraut
16.08.2016, 13:56

Einen weiteren Rat hab ich noch. Laßt seine Nierenfunktion überprüfen. Eine verminderte Nierenfunktion sorfgt für eine schleichende Vergiftung - auch des Gehirns. Das kann auch zu demenzartigen Zuständen führen, auch beim Menschen. Manchmal kann man da mit einem Diätfutter Besserung herbeiführen. Bitte sprecht darüber mit dem Tierarzt.

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Vor einem Jahr musste ich schweren Herzens (nach 18 gemeinsamen Jahren ink. Kindheit) auch diese Entscheidung treffen. Meine kleine war dement, blind und taub. Dennoch hatte sie so eine Lebensfreude dass das einschläfern nicht in Frage kam. Im Laufe einer Woche baute sie rapide ab. Fraß und trank nichts und war inkontinenter als sonst. Nach ein paar Tagen war mir bewusst dass man sich nicht nur von den Emotionen leiten lassen darf sondern auch den Verstand einschalten muss. Ich hatte Sie seit 5 Jahren nicht mehr bellen gehört. Auf dem Weg zum Tierarzt zum einschläfern hat sie die ganze Fahrt in meinen Armen gebellt. Das gab mir das Zeichen dass es richtig ist was wir tun....

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Ein Tierarzt darf einen körperlich gesunden Hund nicht einschläfern. Und wenn der Hund etwas gaga ist, aber körperlich gesund, dann muss man das als Mensch halt aushalten und dem Hund helfen.

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Kommentar von Bitterkraut
16.08.2016, 13:51

Das Gehirn ist auch ein Teil des Körpers. Und das ist ja offensichtlich nicht mehr gesund. Oder denkst du, der Hund leidet unter der Demenz nicht? Denkst du, für den Hund ist es ok, Gaga zu sein?

Für einen guten Tierarzt und einen liebevollen Besitzer sollte die mutmaßliche Lebensqualität den Ausschlag geben.

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es ist immer eine schwere entscheidung.

achte bitte genau auf die zeichen deines hundes. ich finde auch hunde zeigen an, wenn  sie keine lust mehr zum leben haben.

sie nehmen dann nicht mehr an eurem leben teil, wollen nicht mehr fressen, nur noch schlafen etc...

solange in hund sich noch freut, wenn man für ihn da ist. noch gut und frei atmen kann etc sollte man nicht an einschläaferung denken.

es gibt verschiedene medikamente, die helfen bei einer demenz. sprich mit deinem tierarzt, ob er noch ein besseres mittel wei?.

LG ini

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Kommentar von Pluvia
16.08.2016, 14:58

Hallo!
Wir haben schon verschiedene Mittel ausprobiert, das jetzige ist das erste, was irgendwie ein wenig anzuschlagen scheint. Sie schläft zwar nicht mehr, ist aber viel unruhiger und müder als zuvor. Das macht mir natürlich schon Sorgen.

Vielen Dank für die Antwort!

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Solange der Hund keine Schmerzen oder körperliche Einschränkungen hat (völlig normal, dass ein alter Hund nicht mehr rum rennt wie ein Jungspund), dann sollte man dem Hund auch einfach seine letzen Tage in Ruhe genießen lassen.

Über eine Einschläferung sollte man erst nachdenken, wenn der Hund wirklich Schmerzen hat !

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Kommentar von Bitterkraut
16.08.2016, 13:44

Ein Hund, der völlig desorientert ist, kann auch seelische Schmerzen haben. Der leidet massiv. Die Lebensqualität ist starkt beeinträchtigt. Das körperliche ist nicht immer vorrangig. Da muß man schon nach dem Rat der Ärtze und nach dem Bauchgefühl gehen und den Gedanken, den Hund einzuschläfern, nicht gleich von sich weisen.

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