Wie ist die deutsche Mentalität?

14 Antworten

Hallo NaiverJüngling,

Bravo, bin Deutscher und da möchte ich mich auch nicht integrieren, schlimmer noch: Wenn die Anderen sich über Fußball unterhalten bin ich der absolute Aussenseiter, Volksmusik uns Schlager sind schrecklich. Die Musik muss nicht amerikanisch sein, aber international 'Englisch ist schon ok.

Allein beim Bier, das mag ich, darf aber nicht so viel Trinken - wegen einer Stoffwechselerkrankung.

Also da werfe ich jetzt meinen Deutschen Pass weg! Weiß allerdings nicht, welche Nationalität ich annehmen sollte - Vielleicht Neuselländisch, ist am weitesten Weg von Deinem Deutschland. Und die trinken auch Bier. Monteiths und Emerson sollen gut sein. Oder eine der vielen Mikrobrauereien.

Aber Spaß beiseite, so viel gebe ich auch nicht auf das Nationalbewusstsein. Setze da viel eher auf Demokratie, die Wirtschaft und der Möglichkeit in diesem Rahemn ein zufriedenes Leben führen zu können.

LG

Fußball interessiert mich auch nicht, und Marsch- und Schlagermusik höre ich auch nicht. Insofern kann ich das alles gut nachvollziehen (ok, manchmal trinke ich ein Bier, ich mag aber auch italienischen oder französischen Rotwein).

Auch in Deutschland sind die Mentalitäten sehr unterschiedlich. Ich interessiere mich für viele Dinge (Musik, Schach, Humor, Sprachen, Geschichte ...). Aber ich würde das nicht als "typisch deutsch" ansehen, ich sehe das eher als individuelle Vorlieben an.

Auch der französischen Lebensart kann ich etwas abgewinnen (ich bin nicht so weit von der Grenze weg geboren). Die typische deutsche "Stresskultur" mag ich weniger, ich bin vermutlich eine Spur "gemütlicher" als der Durchschnitt. Das Auto ist für mich ein Fortbewegungsmittel (auch da habe ich eher die französische Sichtweise).

Ich bin Deutscher, in Deutschland geboren und aufgewachsen.

Und ich teile alle Deine genannten Vorlieben und Abneigungen.

Es ist ein schwerer Fehler anzunehem, irgend eine Kultur könne homogen sein. Das wäre ja ganz fürchterlich.

Der kulturelle Unterschied zwischen mir und einem Bayern ist um Lichtjahre größer als z.B. zu einem Niederländer oder Dänen.

Es ehrt Dich, dass Du Dich integrieren willst, aber hierfür gibt es kein Patentrezept. Das kommt eben auch sehr darauf an, wo Du lebst und mit wem Du in Kontakt kommst.

Ich kenne z.B. niemanden außer meiner Mutter, der freiwillig deutschen Schlager hört.

Wenn ich im Auto mit voller Dröhnung Jazz oder Klassik höre, schauen die Leute immer sehr irritiert.

Es ist bei uns, wie in jedem anderen Land. Es gibt Kurzsichtige und Kleingeistige, die Dich immer ablehnen werden, egal, was Du versuchst. Und es gibt andere, zu denen ich mich zähle, die Dich auch dann akzeptieren, wenn Du undeutsch bleibst.

Ganz wichtig ist natürlich zum Einen die Sprache. Aber hier scheinst Du ja fit zu sein.

Ein wesentlicher anderer Punkt ist, dass es bei aller kultureller Heterogenität rote Fäden gibt, die unbedingt einzuhalten sind.

Hierzu gehört z.B. unser Rechtssystem. Dieses hat absolute Gültigkeit und kann durch kein z.B. göttliches Gesetz außer Kraft gesetzt werden.

In Konsequenz daraus auch resultierende Rechte. Gleichberechtigung von Mann und Frau, Homosexuellen, Kindern, Behinderten. Presse- und Meinungsfreiheit. Hier gibt es keinen Spielraum für Diskussionen.

Das ist viel wichtiger als Blasmusik oder Fußball. Alles andere sind Dinge, die Menschen im Umgang miteinander aushandeln können. Wenn man denn flexibel und offen ist, sich darauf einzulassen.

Sei Dir versichert, dass die Flachdenker von Pegida und AfD nur eine Minderheit in diesem Land repräsentieren. Das mag manchmal anders wirken, weil die einfach lauter brüllen.

Sei also willkommen in diesem bunten Land, das viel mehr ist als die Klischees von Lederhosen und Pünktlichkeit.

Du hast den archetypischen Deutschen gut zusammengefasst: Bier, Fußball, Schlager.

Spaß beiseite, Menschen sind verschieden. Man sagt uns Deutschen ja immer nach, wir hätten keinen Humor ("Wie viele Deutsche braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? - Einen, wir sind effizient und haben keinen Humor") und sind immer pünktlich. Kenne aber auch viele unpünktliche und lustige Deutsche.

Cool, dass Du Dich integrieren willst - aber keine Angst, Du musst dafür nicht zum Fußballschauen in die Kneipe. Ich persönlich finde es ja auch total interessant, über andere Kulturen zu lernen. Sei einfach nett und respektvoll, aber bleibe Du selbst ;)

Komm, wir kämmen uns gegenseitig die Haare und haben gemeinsam unsere Tage. Und dann gehen wir gemeinsam Sandalen kaufen ;)

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Hallo!

Ich stamme aus einer jugoslawischen Familie, bin Jahrgang 1990 und habe in den letzten fast 30 Jahren folgendes Bild gezeichnet das ich mit den Klischees vergleichen möchte um dir zu helfen :)

Die Deutschen gelten als kühl, wenig gastfreundlich, schroff, wenig mode- und stilbewusst sowie spröde. Wenn man sich in der Gesellschaft umschaut bzw. sich die Leute auf der Straße ansieht mag vieles davon stimmen -----> Klischees haben meist eine Wurzel in der Wahrheit und sind nicht ganz aus der Luft gegriffen.

Man sagt ihnen zudem nach, dass in ihrem Leben fast alles nur vernünftig sein muss, man chronische Angst davor hat seine Träume zu leben weil andere darüber schimpfen oder spotten könnten, keiner auffallen will und sie leben um zu arbeiten, um die Leistungsgesellschaft zu befriedigen und nicht aufzufallen. Auch das kann ich zu weiten Teilen leider so bestätigen.

Bier, Oktoberfest, Fußball und Schlagermucke haben jedoch eher mit dem Vergangenheitsbild eines Klischeebayers zu tun, der für "die Deutschen" herhalten muss und sich mit dem Seppelhut plus Gamsbart auf dem Schützenfest oder der Wies'n volllaufen lässt, während er in seiner Freizeit in der Gartenlaube Heino hört oder auf dem Fußballplatz zu denen gehört, die noch mehr Bier trinken und noch mehr brüllen als andere.

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