Wie erziehe ich mein Pferd?

3 Antworten

Schick dein Pferdchen nochmal auf die Fohlenweide wo er von anderen Pferden lernt. Wärend dein Pferdchen dort fertig aufwächst kannst du selbst lernen wie du mit dem jungen Mann umgehen musst. Ein Hengst gehört in eine Hengstherde ( wenn möglich auch mit älteren Wallachen und Hengsten verschiedenen Alters ) nur dort lernt er wie er sich als Pferd verhalten soll. 3 Jährig kannst du ihn dann legen lassen und mit deinem neuen Wissen ums Pferd und einer guten Hilfe wieder da anfangen wo du jetzt aufhören solltest. Kastrieren zu diesem Zeitpunkt wäre zu früh und er bleibt auf diesem Entwicklungsstand mental stehen.

Dein Hengst-Jährling wird sich nicht einfach dadurch besser benehmen, wenn du ihn jetzt kastrieren lässt (wobei es jetzt auch noch zu früh dafür ist).

Nur um mit dem Hengst auf eine Hengstshow gehen zu wollen, halte ich auch nicht für einen guten Grund, einen Hengst Hengst sein zu lassen, wenn du schon mit dem Handling eines Jährlings überfordert bist.

Ich bin auch nicht der Meinung, dass es einfach ausreichend ist, ein paar Bücher oder Tipps aus dem Internet zu lesen, um das Pferd entsprechend erziehen zu können. Bei dem Umgang mit Tieren kommt es teilweise auf die Schnelligkeit der Reaktion an. Ist man zu langsam, weil man aus Unerfahrenheit auf eine Aktion des Pferdes erstmal eine Schrecksekunde hat oder überlegen muss, wo man den entsprechenden Tipp gelesen hat, kanns schon zu spät sein. Dabei können auch üble Unfälle passieren!

Hol dir am besten professionelle Hilfe vor Ort und übe mit ihm gemeinsam. Nicht nur das Pferd hat einen Lernbedarf, sondern auch du!

Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, das Pferd hat am wenigsten Lernbedarf. Natürlich tritt eine Gewöhnung ein an die Dinge, die wir Menschen von ihnen wollen und es hat schon was von "lernen", wenn sie wahrnehmen "schließ Dich diesem Zweibeiner an, der weiß, was gut für Dich ist", aber weitaus mehr ist es ein tägliches Reagieren auf unser Verhalten. Und dafür ist eben auch wichtig, dass Gestik und Mimik übereinstimmen. Die Schnelligkeit der Reaktion ist das eine, aber eigentlich wollen wir ja gar nicht RE-agieren und es auf ein Kräftemessen, einen Straf-Gehorsam ankommen lassen, sondern wir wollen agieren, wir wollen dem Pferd sagen, was wir wünschen, BEVOR es etwas anderes tut als was wir wünschen.

Wenn ich mit all meiner Gestik und meinen Worten dem Jungtier sage "Es ist jetzt wichtig für das, was wir hier tun, dass Du einfach mal hier stehen bleibst und dass Du mich nicht anfasst, mir meinen Freiraum lässt und mir auch nicht vor Schreck auf den Schoß hüpfst", aber der Tonfall meiner Stimme oder vielleicht auch meine Atmung sagt auch nur einen Hauch von "... aber ich hab schon irgendwie Sorge, dass Du das nicht tust und ich dann wieder überfordert bin", habe ich verloren - und disqualifiziere mich nebenbei auch gleich als Vertrauenspartner, d.h. ich muss mir mühsam wieder alles erarbeiten, was vielleicht schon da war. Nein, alles, was wir unseren Pferden zeigen, muss selbstverständlich, klar und deutlich sein ohne auch nur den Hauch eines Zweifels.

Beim Jungtier werden unsere Defizite in der Sprache gegenüber dem Pferd besonders deutlich, weil es einfach auch nicht so viel Erfahrung hat, wann und wo ihm der Mensch helfen kann, wie Gestik und Mimik beim Menschen doch immer wieder Widersprüche hat, aber dass man die nicht so ernst nehmen sollte. Das ist, wie ein Menschenkind noch keine Ironie kennt. Wenn ich einen etwas zu groß geratenen Bernhardiner sehe, der einfach nur überdimensioniert ist und mich drollig ansieht und ich sage "ach, ist der winzig!", so weiß jeder erwachsene Mensch etwas damit anzufangen, weiß, dass ich durch den Gebrauch von Ironie seine Größe noch betone. Sage ich das zu einem Kind, so antwortet das bestenfalls "WAS? Die sind sonst noch größer? Wie passen die denn dann noch ins Auto, wenn man sie mitnimmt?" oder einfach nur verwirrt dreinschauen. Dass wir sowas raushören, dass etwas ironisch gemeint ist, liegt an unserer Erfahrung in der Kommunikation miteinander. Genauso sammelt das Pferd Erfahrung, z.B. dass ein Mensch, der oben drauf sitzt, durchaus auch mal nervös sein kann, aber nicht gewünscht ist, dass man ihm hilft, indem man ihn schnell von der Gefahr wegträgt, also mit ihm gemeinsam wegrennt, dass dennoch der Mensch entscheidet, wo man bleibt. Es wird die Erfahrung gemacht haben, obwohl es mit dem Menschen da geblieben ist, wo er so nervös war, ist man nicht gefressen worden, also blenden wir die Nervosität mal aus und warten ab, was er meint. Das Jungpferd, das diese Erfahrung nicht hat, sagt "also ich tät gerne überleben, ich hau mal ab, kannst ja mitkommen".

Und ob wir uns so widersprechen, kann nur ein guter Trainer beobachten und mit uns lösen, da hilft kein Buch.

Wer sich erstmal mit dem Gedanken befassen möchte, auch um klarer zu wissen, warum der Trainer dies und jenes anspricht, kann ja neben dem Unterricht mal in Michael Geitners Bücher rein lesen. Be strict heißt nicht, besondere Strenge an den Tag legen, sondern einfach konsequent sein in seinem Handeln, sodass man sich nicht widerspricht.

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@Baroque

So ausführlich und gut formuliert hätte ich es nicht rüberbringen können, stimme deinen Ausführungen aber in allen Punkten zu !

Wobei ich allerdings mit der Bemerkung zur Schnelligkeit meiner Reaktionen mich nicht unbedingt aufs Strafen bezog, sondern eigentlich mehr auf "Unfallverhütung". Viele Unfälle passieren ja nicht beim Reiten, sondern beim Umgang mit den Tieren und in der Unerfahrenheit liegt doch ein sehr großes Potential für (teilweise auch lebensgefährliche) Unfälle. Und da gerade das Verhalten eines noch nicht "fertig" erzogenen Jungpferdes doch etwas "unberechenbarer" ist, ist hier in meinen Augen auch die Unfallgefahr etwas größer. Ein bereits ausgebildetes/erzogenes Pferd weiß ja in der Regel bereits was wir von ihm wünschen, ein Youngster noch nicht. Und wie du oben ja geschrieben hast, kann es dann zu "eigenverantwortlichem" Handeln tendieren, die für den Mensch, das Pferd und seine Umwelt gefährlich werden kann. Ein bereits erfahrener Pferdehalter weiß solche Aktionen bereits im Vorfeld zu verhindern bzw. wenn es doch mal zu Unklarheiten kommen sollte, zumindest zu regeln (was ebenfalls nicht unbedingt im Sinne von Bestrafung des Pferdes gemeint ist, sondern er ist in der Lage, das Verhalten des Pferdes doch noch in gewünschte Bahnen zu lenken und einge gefährliche Situation abzuwenden).

Ein von Anfang an von jemandem, der sich mit Jungpferden auskennt, erzogenes Pferd hat dann auch später ein "leichteres" Leben, weil es sich in jungen Jahren doch leichter lernt, als wenn bestimmte Verhaltensweisen sich erst einmal gefestigt haben, weil Pferd gelernt hat, dass es sich auf den Menschen eh nicht verlassen kann und selber für seine Sicherheit verantwortlich ist.... Insofern sollte man wirklich zusehen, sich selber die nötige Hilfe schnellstmöglich zu besorgen und nicht zu warten, bis sich bestimmte Verhaltensweisen schon "gefestigt" haben.

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Darf ich fragen wie alt du bist ?

Zum Kastrieren ist es jetzt sowieso noch zu früh. Sein Verhalten liegt auch nicht daran, das er Hengst ist, denn mit 1 Jahr, haben sie noch keine Hengst manieren. ( hab ich jedefalls noch nicht erlebt ) Ich glaube aber ehrlich gesagt nicht, das wenn du hier so eine Frage stellst, später mal mit einem Hengst zu recht kommst. Hengste sind nicht einfach !!! und gehören nur und wirklich ausschließlich nur in erfahrene Hände.

Ansonsten: mit viel Vertrauen, Erfahrung, Respekt.. wie heißt es so schön, Zuckerbrot und Peitsche ;) ( was nicht heißt, das du in mit Peitsche erziehen sollst !! )

Es gibt Hengste, die schon mit 8 Monaten schon anfangen zu decken und sehr wohl mit unter einem Jahr sehr hengstig sind....

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