Wertewandel in unserer Gesellschaft

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6 Antworten

Selbstverwirklichung ist berechtigt, solange man nicht zu eigennützig wird und andere nicht mit Füssen tritt. Aber ich finde, dass wir in einer Welt ohne Werte sind. Und wir leben in einer Welt ohne Unschuldige, wo eigentlich niemand dass Recht hat den Richter zu spielen. Unsere Gesellschaft ist unerträglich kleinlich geworden. Es zählt mehr materieller Status, als Menschlichkeit. Jeder will an erster Stelle sein und hat verlernt warten zu können. Ich denke, dass in früheren Zeiten, die Menschen noch Vertrauen hatten. Aber je komplizierter unsere Welt wird, umso mehr sehnen wir uns nach einer Zeit, wo wir meinen, alles im Griff zu haben und es noch so etwas wie Sicherheit und Überzeugung gab.

Selbstverwirklichung ist durchaus ein Wert, wenn auch anderen das Recht auf Selbstverwirklichung zugestanden wird und sie nicht mit Ellenbogen-Egoismus verwechselt wird. Und Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. Kindern, die man als Persönlichkeiten respektiert, kann man durchaus ebenfalls Respekt für andere anerziehen bzw. abverlangen. Gehorsam und Unterordnung beruhen auf Angst, und ich wünsche keinem Kind, dass es mit Druck, Prügeln und Angst erzogen wird. Allerdings: Manche Eltern verlangen ihrem Kind gar nichts ab und setzen ihm keine Grenzen - daraus entstehen dann die rücksichtslosen Egozentriker.

Ich wünsche mir die Zeiten nicht zurück, wo andere über mein Leben hätten bestimmen können und ich als Frau an den Herd verbannt worden wäre. Für die Männer war es natürlich bequemer, immer einen kostenlosen Dienstboten im Haus zu haben. Aber das ist sehr egoistisch.

Was mich an dieser Gesellschaft stört, ist, dass es offenbar immer weniger immaterielle Werte gibt. Alles wird reduziert auf Kaufen und Verkaufen, auch Gesundheit und Bildung. Und kleine Kinder werden schon zu markenbesessenen Konsumenten erzogen. Das hat mit Selbstverwirklichung wahrhaftig nichts mehr zu tun, man lässt sie sich abkaufen. Schon Erich Fromm beschrieb den "Homo konsumens", daran hat sich nicht viel geändert. 

Ich glaube eigentlich nicht, dass sich die Werte großartig gewandelt haben. Das Klischee, dass die heutige "Jugend" keinen Respekt mehr hat, finde ich ehrlich gesagt ziemlich ausgelutscht und unzutreffend. Mir scheint es auch so, dass Selbstverwirklichung heute sehr wichtig ist, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass man da heutzutage mehr Möglichkeiten hat und einem die ganze Welt offen steht. Vor 60 Jahren musste Selbstverwirklichung halt bei den meisten kriegs- oder einfach auch gesellschaftlich bedingt hinten anstehen...

Dovahkiin11 01.05.2015, 23:16

Was genau sind die Gründe, aus denen du der Überzeugung bist, dass die Klischees gegenüber der Jugend nicht zutreffen, wenn man fragen darf?

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choosename18 01.05.2015, 23:41

Naja es kommt natürlich darauf an, wie man Respekt definiert bzw. was man von einem "respektvollen Jugendlichen" erwartet. Die Klischees, wie z.B. "junge Leute bieten Älteren nicht ihren Sitzplatz an" habe ich so in meinem ganzen Leben noch niemals erlebt - eher im Gegenteil. Meine Oma (75) hatte sehr großen Respekt vor ihren Eltern, aber dieser Respekt war damals wohl eher mit Angst gleichzusetzen. Aus Respekt vor ihren Eltern hat sie also das getan, was diese für richtig hielten. Da spielen dann also auch wieder Gehorsam und Unterordnung eine Rolle. Ich (23) habe auch großen Respekt vor meinen Eltern, aber wir pflegen auf gleichgestellter Ebene einen respektvollen Umgang miteinander. Respekt also in dem Sinne: es ist nicht mehr (wie früher) grundsätzlich alles richtig, was die Eltern verlangen, sondern man hat auch mal die Chance zu diskutieren, kritisieren oder in Frage zu stellen.

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Dovahkiin11 02.05.2015, 00:38
@choosename18

Dass die Ansicht der Eltern mehr infrage gestellt wird, mag stimmen, würde ich aber nicht gleich als respektlos ansehen. Durchaus respektlos ist aber der generelle Umgang geworden. Was ich während meiner Zeit in der Mittelstufe erlebt habe und danach, wäre den Teenagern vor einigen Jahrzehnten im Traum nicht eingefallen. Trotzdem danke für die Rückmeldung.

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Seit wann ist " Unterordnung " ein Wert an sich - sorry , aber für mich ist schon " Gehorsam" grenzwertig  . Ich komme aus der Zeit  ( vor 60 Jahren ) und habe mein ganzes Leben daran gearbeitet , dass diese Begriffe keine Werte mehr darstellen .

question37 01.05.2015, 23:15

gehörtest du zu einer 68er Bewegung die sich gegen ihre eigenen Eltern erhoben?

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Dirndlschneider 01.05.2015, 23:20
@question37

Nicht nur gegen die Eltern , gegen das " Establishment " .....und wir waren den Mief der bürgerlichen Gesellschaft leid ....war eine tolle Zeit , alles wurde in Frage gestellt !

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question37 01.05.2015, 23:43
@Dirndlschneider

ihr wart also diese Rabauken , ihr hattet damit aber erst nicht viel erreicht, erst über 30 Jahre später kam der Wandel

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Ich denke eher, dass die Werte sich nicht gewandelt haben, sondern größtenteils einfach zerstört wurden. Was wir jetzt vor uns haben, ist ein Haufen von Einwegmoralen, die bei vielen Bürgern nach der nächsten Fernsehpropaganda wieder veraltet. 

question37 01.05.2015, 23:27

Was meinste mit Einwegmoralen die jetzigen Werte wie Selbstfindung etc werden sich bestimmt verstärken

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Dovahkiin11 02.05.2015, 00:18
@question37

Beispielsweise geht es uns bestens hierzulande,und wir streben die höchsten Bedürfnisse an. Dann kommt eine Flut an Creepypaste im Fernsehen, und der Mensch klagt wieder herum und hat um seine Existenz Angst. Alles in allem geht es ihm nur noch um sich selbst. Alle konstruktiven Werte wie Respekt sind rudimentär geworden.

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Ich finde es sehr gut, dass die Unterordnung heute kein Wert mehr ist und dass Respekt heute nicht mehr damit einhergeht, dass jemand nicht hinterfragt wird. Das ist einer der vielen Gründe, warum ich froh bin, im hier und jetzt zu leben und nicht in der Adenauer-Ära.

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