Was wird hier eiq. dargestellt? Was meint der Karikaturist?

 - (Deutschland, Geschichte, Karikatur)

8 Antworten

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"Kommt es unter einen Hut? Ich glaube, es kommt eher unter eine Pickelhaube!"

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Die Karikatur zeigt wie die Bildüberschrift sagt „Deutschlands Zukunft“. Alle deutschen Staaten werden „unter einen Hut“ gebracht, also in einer Nation vereinigt werden. Allerdings werden sie nicht gleichberechtigt sein, sondern fast vollkommen unter der Herrschaft Preußens, dargestellt durch die Pickelhaube, zusammengefasst. Es wird also ein vereinigtes Deutschland geben, dass jedoch vollkommen unter der Kontrolle von Preußen steht. Dies deckt sich mit der Aussage Bismarcks „unsre Aufgabe sei Herstellung oder Anbahnung deutsch-nationaler Einheit unter Leitung des Königs von Preußen“. Der österreichische Karikaturist hat die Absicht Bismarcks erkannt und in der Karikatur dargestellt. Wahrscheinlich wollte er damit die anderen deutschen Länder darauf aufmerksam machen, dass sie statt in ein vereinigtes Deutschland unter die Herrschaft Preußens geraten.

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http://chrise.mine.nu/schule/Ge33%20Bismarck%20ueber%20die%20europaeische%20Lage%20nach%20der%20Schlacht%20von%20Koeniggratz.doc

Und Preußen nun mal auch für Polizei und Militär steht, sonst hätte er eine andere Kopfbedeckung gewählt.

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Danke dir, habe gerade dank dir mich im Unterricht melden können :D

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Hallo,

auch wenn die Frage schon älter ist, möchte ich doch eine ausführliche Interpretation dieser Karikatur liefern. Vielleicht kann das ja mal wieder jemand brauchen.

In der Karikatur Deutschlands Zukunft, die am 22. August 1870 in der österreichischen Satirezeitschrift Kikeriki veröffentlicht wurde, sieht man mehrere Menschen, die sich unter eine preußische Pickelhaube – zu erkennen an der charakteristischen Spitze, dem Pickel, und dem Adler, dem Wappentier Preußens –, drängen, die ihnen von einer (vermeintlich) unbekannten Hand übergestülpt wird. Zieht man den Titel „Deutschlands Zukunft“ in Betracht, wird klar, dass diese Menschen die deutsche Bevölkerung darstellen. Beachtet man außerdem das Datum der Veröffentlichung der Karikatur, wird klar, dass diese nur vor dem historischen Hintergrund des bevorstehenden Beitritts mehrerer süddeutscher Staaten (z. B. Bayern, Baden, Württemberg, Hessen), zum Norddeutschen Bund, der später im Deutschen (Kaiser-)Reich aufgehen sollte, und dessen Gründung schließlich am 18. Januar 1871, dem 170. Jahrestag der Rangerhöhung Preußens zum Königreich am 18. Januar 1701, im Spiegelsaal von Schloss Versailles, symbolisch nach außen vollzogen wurde.

Die Bildunterschrift wirft die Frage auf, ob Deutschland „unter einen Hut“ käme. Hier ist anzumerken, dass ein „Hut“ erstens als Kopfbedeckung in Karikaturen zunächst keine symbolische Bedeutung hat, wie dies zum Beispiel bei der Jakobinermütze als Symbol für eine republikanische Gesinnung oder einer Schlafmütze als Symbol für den „deutschen
Michel“ (=Deutschland) der Fall wäre. Der Hut ist also von seiner Symbolik her in diesem Kontext als neutral anzusehen. Zweitens greift die Frage die Organismus-Metaphorik und deren Bild vom kollektiven Kopf auf, nach der abstrakte Gruppen, Organisationen usw. mit Körperteilen bezeichnet werden können. Nach der Organismus-Metaphorik, von der wir schon im Mittelalter schriftliche Belege finden, soll im Hinblick auf den Titel der Karikatur also der kollektive Kopf Deutschlands „unter einen Hut“ gebracht werden. Bringt man redensartlich wiederum unterschiedliche Dinge unter einen Hut, so bringt man diese in Einklang bzw. zusammen oder erzielt Einigkeit zwischen ihnen. Mit der Frage: „Kommt es [= Deutschland] unter einen Hut?“, wird also letztlich die Frage aufgeworfen, ob mit der bevorstehenden Reichsgründung Einigkeit unter den unterschiedlichen deutschen Staaten erzielt werden kann; ob diese in Einklang gebracht werden können.

Mit der spöttischen Antwort: „Ich glaube, ’s kommt eher unter eine Pickelhaube!“, wird hingegen die zweifelnde Haltung des Zeichners deutlich: Die Pickelhaube, die auch in der Karikatur selbst zu sehen ist, war die Kopfbedeckung der preußischen Soldaten der damaligen Zeit, ähnlich dem Raupenhelm der bayerischen Soldaten. Die Pickelhaube wird in Karikaturen – so auch in dieser – oft als Symbol für Preußen als Ganzes, also das Königreich Preußen, verwendet. Sie war außerdem ein Symbol für die preußische Hegemonie (= Vormachtstellung, Überlegenheit) in Deutschland und den aggressiven Militarismus – Militarismus meint den starken Einfluss militärischer Ordnung auf den Staat und (Zivil-)Gesellschaft – Preußens.
Mit seiner Antwort gibt der unbekannte Zeichner also seiner Vermutung Ausdruck, dass die einzelnen Staaten in einem deutschen Nationalstaat eben nicht in Einklang gebracht und ferner keine Einigkeit zwischen diesen erzielt werden kann (vgl. die Metaphorik des Hutes), sondern dass diese vielmehr unter eine Pickelhaube gezwängt werden, d. h. dass sich die anderen deutschen Staaten dieses Deutschen Reiches dem Willen Preußens und seiner Vormachtstellung unterordnen müssten. Dies alles lässt sich ebenso in der Karikatur selbst erkennen: Die riesige Pickelhaube, d. h. der preußische Wille, wird der deutschen Bevölkerung von einer Hand
übergestülpt bzw. von oben „aufgesetzt“.

Man kann sich ferner die Frage stellen, ob sich diese unbekannte Hand eventuell einer bestimmten Person zuordnen lässt. Betrachtet man den Ärmel, der in der Karikatur zu sehen ist, darf durchaus vermutet werden, dass dieser zu einem Anzug oder einer Uniform gehören könnte, wie sie auch von hochrangigen Soldaten und Politikern getragen wurde. Und da es wiederum vor allem der preußische Ministerpräsident, Kanzler des Norddeutschen Bundes und spätere Reichskanzler, Otto von Bismarck, war, der die spätere Reichsgründung mit einer starken Führungsrolle Preußens vehement forcierte (und dies sogar gegen den Widerstand des späteren deutschen Kaisers Wilhelm I.), darf vermutet werden, dass die Hand in der Karikatur Bismarck gehört.

Der Zeichner spricht mit seiner Karikatur also eine Warnung besonders an jene süddeutschen Staaten (Bayern, Baden, Württemberg, Hessen) aus, die im Begriff waren, dem Norddeutschen Bund unter preußischer Führung beizutreten, der später im Deutschen Kaiserreich aufgehen sollte. Er warnt diese davor, sich mit Preußen zusammenzuschließen, da ihnen in einem solchen Bund bzw. Reich der Willen Preußens „übergestülpt“ würde. Dies sei „Deutschlands Zukunft“.

Man kann darüber hinaus die Frage stellen, ob diese zum Ausdruck gebrachte Haltung des unbekannten Zeichners gegenüber Preußen denn
verwunderlich ist, wenn man in Betracht zieht, dass die Karikatur in der österreichischen Satirezeitschrift Kikeriki veröffentlicht wurde. Denn
tatsächlich ist die negative Haltung des (möglicherweise österreichischen)
Zeichners gegenüber Preußen alles andere als erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die beiden Großmächte Preußen und Österreich schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts in Rivalität zueinander standen (preußisch-österreichischer Dualismus) und Österreich nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg und dem preußischen Sieg in der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 als Führungsmacht in Deutschland verdrängt worden war, wodurch später auch ein kleindeutscher Nationalstaat, d. h. ein Nationalstaat ohne Österreich, entstand.

Gruß, BerchGerch

Deutschlands Zukunft - (Deutschland, Geschichte, Karikatur)

Neuere Version

Hier gibt’s meine Interpretation in einer leicht verbesserten Fassung.

Gruß, BerchGerch

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Es bedeutet , dass das Königreich Preußen die Vormacht in Deutschen Bund hatte. Das Königreich Preußen stellte auch immer von 1871 bis 1918 den DT- Kaiser, dieser war auch immer der König von Preußen. Die Pikelhaube war das Militärsymbol Preußens.

Tempo123 hat Recht - es war eine Karikatur auf die Reichsgründung unter Preußens Führung = Bismarck. Sie drückte die Furcht aus, die anderen deutschen Staaten gerieten unter die Knute Preußens. Grüße

Hier wird das deutsche Volk von der Obrigkeit gedeckelt, das heißt, es bahnt sich eine Diktatur an (die dann ja auch gekommen ist). Die Zeichnung dürfte um 1930 entstanden sein, schätze ich.

1870 ist die erstanden ^^

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