Was sagt die Bibel/Gott zu Notlügen?

15 Antworten

Wurde ja schon viel gesagt dazu - ich möchte kurz ein paar Aspekte aus der Bibel einbringen.

In den 10 Geboten heisst es im Wortlaut: "Du sollst nicht als falscher Zeuge aussagen gegen deinen Nächsten". Also nichts allgemein von man solle nicht lügen oder so, wie das Gebot oft zitiert wird. Da geht es z.B. darum, vor Gericht ein Verbrechen zu "bezeugen", was man gar nicht wirklich gesehen hat, dass man auf diese Art also dem Angeklagten Schaden zufügt (Ex 20.16).

Soweit ich sehe, fallen deine beiden Beispiele nicht darunter.

Die Bibel ist übrigens voll von Geschichten, in denen Menschen lügen - was manchmal auch gutgeheissen wird, z.B. als die Prostituierte Rahab die Israeliten rettet, indem sie ihre eigenen Landsleute anlügt (Jos 2,1-7).

Im neuen Testament behält das Wort "Wahrheit" das Gewicht, das es z.B. in den Psalmen im Zusammenhang mit Gott immer schon hatte. "Wahrheit" im Sinne von Echtheit, Authentizität ist wichtig; "in der Wahrheit" zu sein eine Form, Gott zu ehren.

Wobei Jesus immer auf das Leben, Leben können der Menschen geachtet hat.

Eine berühmte Notlüge ist sicher die von Petrus, z.B. Mk 14,66-72: Petrus rettet sein eigenes Leben, indem er behauptet, den eben gefangengesetzten Jesus nicht zu kennen. Nachher bereut er es und weint bitterlich. Der Verfasser des Textes gibt dazu keine Stellungnahme ab, ob er das gutheisst oder nicht. Die weiteren Geschichten berichten von Petrus als von einem, der wesentlich dazu beigetragen hat, die Lehren von Jesus weiterzuverbreiten.

Ich denke, wir sind tatsächlich immer selbst aufgerufen, zu entscheiden, ob eine Notlüge Sinn macht oder nicht.

Vielleicht kurz zu deinen Beispielen:

Fall 1: Ein Unschuldiger wird gerettet. Allerdings muss der, der ihn rettet, sich ja darauf verlassen, dass er betr. "Unschuld" nicht angelogen worden ist vom Ausreisser - auch er muss seine Lüge also in der betreffenden Situation vor seinem Gewissen verantworten, weil er nicht 100% sicher sein kann, dass der andere tatsächlich unschuldig ist.

Fall 2: Die ganze Situation ist vertrackt. Eine Notlüge vereinfacht das Leben im Moment, allerdings verbessert sie nicht das Grundproblem im Verhältnis des jungen Mannes zu seinen Eltern - dass diese es ihm nicht zutrauen, sein Leben selber sinnvoll zu gestalten, auch wenn es nicht ihren Vorstellungen entspricht. Dieses Grundproblem zu lösen, würde das Leben aller bestimmt vereinfachen - aber auch viel Arbeit und Achtsamkeit von beiden Seiten bedeuten - die Frage ist, ob die geleistet werden kann und will.

Also ja, letztlich kannst Du nur selber entscheiden, ob die jeweiligen Lügen für dich Sinn machen.

Eine Lüge, welche zum eigenen oder eines anderen Schutzes notwendig ist, wird nicht als Lüge bewertet.

Jedoch muss dieser Grund des (Lebens)Schutz auch wahrhaftig sein...

Punk2 stellt für mich kein Grund dar, lügen zu müssen, denn hier liegt es am fehlenden Selbstbewusstsein, welches jener nicht aufzubringen vermag, um seine Vorstellungen vom eigenen Lebensweg vorbringen zu können. Es stellt kein Akt dar, welcher eine lebensbedrohende Situation für den 'Erzähler' (oder für eine dritte Person) ist...

Aber: Auch hier wird das im Jenseits nicht so stark als Lüge bewertet, da hierbei kein Schaden an sich und an anderen herbeiführt wird...

'Sündig' bzw. karmisch belastbar sind jene bewusst vorgebrachten Unwahrheiten und Lügen, welche zum Schaden der eigenen und/oder zum Schaden anderer führen...

Gruß Fantho

Punkt 2 sehe ich ein wenig anders. Mein Schwager, der wirklich wortgewandt ist, brach den Kontakt ab, da er gemerkt hat, dass Diskussionen nichts bringen. Das hat nicht unbedingt was mit fehlendem Selbstbewusstsein zu tun. Wenn dieser "ER", also ich, gibt es Endlosdiskussionen. Was denkst du, wieviel diese Eltern darüber diskutieren, damit ich die Weiterbildung abbreche. Egal warum, hauptsache KEINE Weiterbildung. Auch wenn ich danach ohne Job dastehe. Wenn ich mich durchsetze, was denkst du, was passiert: Diese Personen gehen dir aus dem Weg. Wenn du den Raum betrittst, verlassen die den Raum, ohne ein Wort zu sagen. Du bekommst hinter deinem Rücken Vorwürfe gemacht, dass du BÖSE bist. Und es wird weiter rumgeschrien, weil du die Weiterbildugn machst. Es wird viel mit Angst gearbeitet. Wusstest du schon, dass ich, als ich mich mit 20 den Betriebswirt machen wollte, mir von diesen Personen gesagt wurde, ich bin viel zu alt dafür und in dem Alter gehen die ersten in Rente? Da es meine Eltern sind, glaubte ich das natürlich ohne zu hinterfragen. Heute sehe ich das ganz anders. Frage wäre halt, ob es eine Lüge ist. Schlimm ist die Lüge nicht, aber ist das eine Lüge, um mich zu schützen, um schlaflose Nächte der Eltern vorzubeugen?

Ich weiss, das ist kein alltägliches Problem, aber leider gibt es das.

0
@MarcoAH

Stellt aber kein Grund des Lügens dar.

Jedoch, ich hatte in meiner Antwort ja ein kleines Hintertürchen offen gelassen mit dem Zwischensatz 'Aber:....'

Wenn Du das Gefühl hast, dass Du, um diesen für Dich zwischenmenschlich argen Situationen aus dem Weg gehen zu können, die Unwahrheit sagen musst, dann musst Du das halt eben.

Doch ich glaube vielmehr, dass diese Situation ein Lernprozess für beide Seiten darstellt: Auf Deiner Seite besteht der Lernprozess darin, Deinen Standpunkt überzeugend zu vertreten und Deinen Weg trotz Widrigkeiten im Umfeld weiter zu gehen. Stark in Deinen Vorstellungen zu bleiben und daran zu arbeiten. Jedoch: 'Wer schreit, ist im Unrecht', heißt es doch schon im Volksmund...

Für die andere Seite besteht der Lernprozess darin, Dich und Dein Wünsche zu respektieren, Deine ihnen entgegen gesetzte Vorstellungen dennoch zu achten und Dich Deinen Weg gehen zu lassen. Sie schreien, weil sie, ich vermute das jetzt einmal, nur Angst haben - vielleicht sogar um Dich und Deine Zukunft.

Wenn Du das verstehst, dass sie im Grunde nur Angst (um Dich) haben, dann solltest Du Dir überlegen, wie Du deren Angst lösen kannst.

Sollte es keine Früchte bringen, und Du bemerkst, dass Dein Umfeld Dich immer noch hindern will, Deinen Weg zu gehen, dann solltest Du Dich lösen von dem Umfeld.

Wie gesagt, im Grunde stellt es keinen Grund dar zu lügen. Die Lüge wird in diesem Fall angewendet, weil man sich nicht mehr auseinandersetzen möchte, also seine Ruhe haben möchte. Doch die Ruhe kann man sich auf andere Weise holen, man muss sich nur Gedanken darüber machen und Lösungen finden, um den für sich besten Weg beschreiten zu können. In diesem Fall benutzt man die Unwahrheit nur wie ein Kissen, indem man sein Gesicht darin vergräbt, um so nichts mehr hören und sehen zu können....

Gruß Fantho

0

Hallo,

Was sagt die "Bibel" (Gott) zu Notlügen.

nichts, weder noch.

Wenn du Christ sein solltest (ich gehe mal nicht davon aus ) dann orientiert sich dein Handeln an dem "Liebesgebot" (nicht an der Bibel) wie auch bei allen "kritischen" Situationen deines Lebens.
Also - wen du niemandem schadest aber gute Gründe hast anderen nicht "alles auf die Nase zu binden" dann mach das, egal ob dies "verbal" als Notlüge bezeichnet wird oder nicht.

Wenn du nur "Bibelgläubiger" bist, dann hast du es schwerer, weil du erst in der Bibel nachschauen mußt (oder andere fragen, wie du dies hier tust) was recht ist. Du bist also "unfrei", abhängig. Du Armer.

Gruß Viktor

Ich wüsste gerade nicht, ob dazu in der Bibel etwas steht. Ich sehe es so, dass Notlügen manchmal gerechtfertigt sind, wie in dem von dir angesprochenen Fall, in dem dadurch ein unschuldiges Leben gerettet wird.

Es gibt aber auch "Notlügen", die einen nur vor einer Peinlichkeit bewahren sollen, diese sind m. E. nicht okay. Z.B. man bestreitet, irgendetwas getan zu haben, weil es einem peinlich ist oder man die Konsequenzen nicht tragen möchte. Oder man sagt vor Gericht falsch aus, um jemanden zu schützen.

Es ist letztendlich oft eine Frage des eigenen Ermessens. Gott hat uns ja einen Verstand gegeben, den sollten wir einsetzen. Auch wenn das in manchen Situationen schwer zu entscheiden sein kann. Wir können auch immer Gott im Gebet fragen und ihn um Rat für eine spezielle Situation fragen, in der wir selber die Antwort nicht kennen.

Hallo MarcoAH,

eine Notlüge ist zunächst mal eine Lüge, wobei der Lügner zu seiner Entlastung die Not oft geschickt konstruiert.

Dein erstes Beispiel lässt sich durch eine einfache wahrheitsgemäße Antwort auf die Frage, "ob dieser den Ausbrecher gesehen hat."

Die Antwort könnte beispielsweise lauten: "Ja, am letzten Sonntag ging der Mann die Hauptstraße hinunter in Richtung Ortsmitte."


Dein zweites Beispiel be inhaltet noch nicht einmal eine zu erwartende Not, sondern allenfalls Unannehmlichkeiten, die der junge Mann zu erwarten hätte. Noch dazu sind es die Eltern, die fragen, und die haben das Recht, eine wahrheitsgemäße Antwort zu erhalten.

Es gab jedoch tatsächlich Situationen, in denen Gott es guthieß, dass Feinde des Volkes Gottes irregeführt wurden (Josua Kapitel 2; Hebr 11,31; Jak 2,25)

Die hier erfolgte Täuschung der Feinde Gottes  braucht man auch nicht Lüge oder Notlüge nennen, da es sich um die Bezeugung des Glaubens.


Grüße, kdd

Hallo, KDD,

nehmen wir an, der junge Mann erzählt das seinen Eltern, dass er eine Weiterbildung macht. Wenn er diese Schule macht, bekommt er einen besseren Job, wenn er diese Weiterbildung nicht macht, droht ihm die Arbeitslosigkeit. Von dieser Situation bin ich ausgegangen.

Wenn die Eltern versuchen, mit allen mitteln zu erreichen, dass dieser junge Mann die Weiterbildung abbricht, sobald sie es erfahren, wäre dann eine Notlüge gerechtfertigt? Unter Mitteln ist zu verstehen, rumschreierei, ständige Kritik an der Weiterbildung, ständige Anrufe, damit dieser junge Mann die Weiterbildung abbricht. Wenn er sich wehrt oder was sagt, geht es unter Umständen verstärkt weiter.

Als Notlüge sagte er, er habe einen Job. Er hat damit niemanden geschadet, er ist mit dieser Notlüge jedem Ärger aus dem Weg gegangen. Den Ärger, dass er die Weiterbildung abbricht, damit die Wahrscheinlichkeit bedeutend größer ist, dass er Arbeitslos wird und bleibt.

Ich weiss nicht, ob man das Not nennen kann, wenn er die Wahrheit sagt, damit er wirklich überredet wird, damit er die Weiterbildung abbricht, damit die Wahrscheinlichkeit größer wird, dass er Arbeitslos wird. Sollte man da wirklich die Wahrheit sagen? Wenn geschwiegen wird oder die Frage anderweitig nicht beantwortet wird, wird ewig weitergefragt, bis die Eltern sauer sind.

Grüße.

Marco

1
@MarcoAH

Hallo Marco,

könnte es sein, dass Du aus der Nahsicht Dein wahres Problem nicht erkennst?

Du schreibst ja:

Er hat damit niemanden geschadet, er ist mit dieser Notlüge jedem Ärger aus dem Weg gegangen.

"Er" hat das in der Familie bestehende Problem des Unfriedens nur mit Brennsoff für später versorgt. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass die "Notlüge" unbemerkt bleibt?

4
@kdd1945

Unbemerkbar vielleicht nicht, aber somindest unbemerkbar in der Zeit, wo dieser "ER" die Weiterbildung macht. Danach könnte es ihm egal sein. Die Energie, die benutzt wird, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen, hätte er auch für die Weiterbildung investieren können. Wenn die Weiterbildung vorbei ist, was soll die Familie daran noch rumnörgeln? Es geht ja nur um die Zeit, wo dieser die Weiterbildung macht. Und in der Zeit muss dieser, der die Weiterbildung macht, sich Endlosdiskussionen hingeben, ständiger Telefonterror, um ihm das auszureden und so weiter.

0
@MarcoAH

Ich erkenne das wahre Problem. Daher wollte ich fragen, ob Notlügen erlaubt sind, um Endlosdiskussionen und dem pessimistischem Gerede aus dem Wege zu gehen. Ob sie es später rausbekommen, das ist jetzt erstmal dahin gestellt.

0

Was möchtest Du wissen?