Was passiert wenn der Nordpol 68% geschmolzen ist...Auswirkungen auf Deutschland und der welt?

8 Antworten

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  • Grundlagen: zu welcher Jahreszeit, und mit was für einem Maß?

Jahreszeit: Die Polkappen haben durch die weiße und stark reflektierende Oberfläche eine hohe Rückstrahlfähigkeit (Albedo). Dadurch wird im arktischen Sommer am Polartag eine Menge an Sonneneinstrahlung direkt wieder reflektiert. Überaschenderweise ist die Sonneneinstrahlung im Winter in der Arktis global am stärksten - sogar stärker als in tropischen Gebieten.

Daher wird bei einem Abschmelzen des arktischen Meereises im Sommer eine Menge an Sonneneinstrahlung nicht mehr reflektiert, und das arktische Meer zusätzlich aufheizen.

Meerwasser hat eine sehr niedrige Albedo. Diese Erwärmung führt dann zu noch mehr Eisverlust, usw. Das ist die Eis-Albedo-Rückkopplung. http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Eis-Albedo-R%C3%BCckkopplung

Im Winter scheint dagegen in der Polarnacht keine Sonne - die Ausdehnung des Eises ist dann also nicht soo wichtig, lediglich als Startpunkt für die Schmelzsaison im Sommer.

Zweitens das Maß: Die Menge an Eis kann man auf verschiedenen Weise messen: die Meereisfläche (Sea Ice Area), und die Meereisausdehnung (Sea Ice Extent). Mit Ausdehnung ist dabei die Fläche gemeint, von der mindestens 15% mit Eis bedeckt ist. Extent wird am häufigsten verwendet, da am wichtigsten für die Schifffahrt. Als drittes Maß gibt es noch das Volumen des Meereises.

  • IST-Zustand der letzten Jahre seit Beginn der Satellitenmessungen 1979:

Das Meereisvolumen im Sommer ist bereits zeitweise um mehr 75% zurückgegangen.(!) http://psc.apl.uw.edu/research/projects/arctic-sea-ice-volume-anomaly/ , von etwa 16 tausend km³(ja, Kubik-Kilometer) auf 3,7 tsd km³ in 2012

Die arktische Meereisausdehnung (extent) im Sommer hat sich bereits um über 50% reduzierthttp://nsidc.org/arcticseaicenews/charctic-interactive-sea-ice-graph// , von über 7 Millionen km² auf unter 3,5 Millionen km² in 2012 (einfach seitlich rechts am Graph auf das blaue Dreieck nach unten klicken, und dann auf „show all“.) oder als Kartehttp://igloo.atmos.uiuc.edu/cgi-bin/test/print.sh?fm=09&fd=15&fy=1980&sm=09&sd=15&sy=20122 (dort allerdings mit 30% Meereiskonzentration)

  • Folgen global:

Meeresspiegelanstieg: Direkt führt das Abschmelzen nicht zu einem Meeresspiegelanstieg - archimedisches Prinzip, und in anderen Antworten auch beschrieben.

Globale Erwärmung: Durch die oben beschriebene Eis-Albedo-Rückkopplug erwärmt sich die Arktis etwa dreimal stärker als der globale Durchschnitt.https://de.wikipedia.org/wiki/Polare_Verstärkung#Beobachtungenn Diese positive Rückkopplung verstärkt insgesamt auch die globale Erwärmung.

Grönländischer Eisschild und Gletscher/Festlandeis in der Umgebung der Arktis: Deren Schmelzen wird dutlich verstärkt durch die größere Erwärmung der Arktis - und deren Schmelzen führt durchaus zu einem deutlichen Meeresspiegelanstieg. http://www.arctic.noaa.gov/report13/greenland_ice_sheet.htmll

  • Folgen für Deutschland:

Die verringerte Meereisbedeckung in der Arktis hat einen Einfluss auf Wettermuster, die kalte sibirische Luft zu uns bringen. Das macht Kälteeinbrüche wie im Februar 2012 wahrscheinlicher. http://www.scilogs.de/klimalounge/sibirische-kaelte-vahrenholt/

Das alles sind nur eine paar Einzelpunkte - die Realität ist wie immer noch vielfältiger und facettenreicher. Fest steht, dass das Meereis weniger wird und das nicht so schöne Auswirkungen hat.

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Da garantiert noch jemand den üblichen Klimawandel-„Skeptiker“ Einwand bringen wird, das die Eisfläche des Meereises in der Antarktis zunehme: Das tut es vorwiegend im dortigen Winter, wo diese Zunahmen aufgrund der südlichen Polarnacht wenig Auswirkung hat, und diese Zunahme ist auch bei weitem nicht so stark und gleichmäßig wie diese Skeptiker immer tun - einfach mal bei http://nsidc.org/arcticseaicenews/charctic-interactive-sea-ice-graph/ z.B. das Jahr 2011 in der Antarktis anschauen.

Albedo verschiedener Oberflächen - (Wasser, Klimawandel, Katastrophe) Sonneneinstrahlung nach Breitengrad - Arktis gelb - (Wasser, Klimawandel, Katastrophe) globale Temperaturen, CO2 und Sonneneinstrahlung 1950 bis 2014 - (Wasser, Klimawandel, Katastrophe)

Mist. Blöder Typo. Muss natürlich heißen:

Überraschenderweise ist die Sonneneinstrahlung im SOMMER in
der Arktis global am stärksten - sogar stärker als in tropischen
Gebieten.

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Nichts. "Der Nordpol" (du meinst sicher die nördliche Polarkappe) ist kein Festlandeis, sondern schwimmt im Wasser. Wenn dieses Eis schmilzt, hat das absolut keinerlei Effekt auf die Höhe des Meeresspiegels. Es passiert also gar nichts.

Eine andere Frage ist natürlich, was eine allgemeine Temperaturerhöhung für Folgen hätte, oder was das Schmelzen des Inlandeises für Auswirkungen hätte. Aber das hast du nicht gefragt.

Die Dichte von Eis ist höher als die Dichte von Wasser, infolge dessen müsste der Meeresspiegel entsprechend Sinken.

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@Crones

Bleibt gleich. Kann man selber zuhause testen. Man nehme ein Wasserglas und gebe einige Eiswürfel hinein. Sodann den Pegelstand markieren.

Warm stellen, Eis schmelzen lassen. Pegelstand messen.

Ergebnis: keine Veränderung.

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Woran liegt das?

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@Crones

Schön erklärt wird das hier:
http://www.wdr.de/tv/wissenmachtah/bibliothek/eiswuerfel.php5

Der ganze Eiswürfel wiegt Masse X - und verdrängt eine bestimmte Menge Wasser (nämlich so viel, wie er selber wiegt, d.h. Masse X). Da der  Eiswürfel aus dem Wasser rausragt, sieht es allerdings so aus, als wäre  im Eiswürfel mehr Wasser gefroren. Stimmt aber nicht. Die Menge nimmt nach dem Schmelzen genau den Raum ein, den der Eiswürfel unter Wasser verdrängt hat. Er schrumpft also sozusagen auf die Dichte und das Volumen zusammen, das er vor dem Gefrieren hatte. Und das füllt eben genau das vom Eiswürfel verdrängte Wasser auf!

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Eigentlich ganz logisch, habe ich nicht bedacht. Danke!

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die Küsten gehen unter aber die Berge bleiben

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