Was machen Pokerprofis anders/besser als andere Spieler?

3 Antworten

Poker ist kein reines Glücksspiel. Denn dann würde immer der gewinnen, der die besten Karten hat. Die Kunst beim Pokern ist, die anderen glauben zu lassen, dass man selbst die besten Karten hat. Das geht nur, wenn man eine glaubhafte "Geschichte erzählt", das heißt, so zu setzen, wie man setzen würde, wenn man tatsächlich gute Karten hat. Gleichzeitig muss man aber auch damit rechnen, dass die Gegner ebenfalls so tun oder noch schlimmer, sie haben wirklich bessere Karten. Und dies aus dem Verhalten der Mitspieler zu 'lesen' und dabe selbst noch eine glaubwürdige Fassade aufrecht zu erhalten, macht die Kunst des Pokerns aus. Und wenn man eine schlechte Hand hat, dann wirft man eben weg. Kein Profi spielt jede Hand, ich meine gelesen zu haben, dass jede vierte Hand schon viel ist.

Die Kunst ist, weniger Fehler zu machen als die anderen. Im Laufe einer einzigen Hand kann es vorkommen, dass man ein Dutzend oder mehr Entscheidungen zu treffen hat. Da gibt es viel Fehlerpotenzial.

Die grössten (und damit teuersten) Anfängerfehler:

Zu viele Hände spielen. Je nach Tischgrösse, Limit, Spielstärke der Gegner sollte man auf Dauer 70% bis 85% seiner Karten schon vor dem Flop wegwerfen.

Zu passiv spielen. Den Big Blind bezahlen ("limpen") nach dem Motto: "Ich schau mir mal den Flop an." Wenn man spielt, dann spielt man aggressiv, d.h. man erhöht schon vor dem Flop.

Mit einer Made Hand zu passiv spielen. Typische (falsche!) Gedanken: "Super, ich habe einen Drilling. Jetzt aber keinen Druck machen, sonst steigen alle aus." Es geht nicht nur darum, das Spiel zu gewinnen. Dafür gibt's keine Siegerpunkte. Ziel ist es, Geld in den Pot zu bekommen und dann zu gewinnen. Also muss man setzen und hoffen, dass Gegner mit schlechteren Händen den Einsatz bezahlen.

Nicht aufgeben können. Wenn wir ein Paar 3er auf der Hand haben, auf dem Board liegen A, Q, T und der Gegner macht Action, dann muss man sich auch mal trennen können.

Immer und überall einen Bluff vermuten. Bluffen wird masslos überschätzt.

Selber bluffen. Für einen erfolgreichen Bluff braucht man viel Erfahrung. Und einen Gegner, der die "erzählte Geschichte" versteht UND der seine Karten wegwerfen kann. Auf den unteren Limits findet man solche Spieler eher selten.

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit Einsätze bezahlen. Wenn man 4,5,7,8 hat und nur eine 6 einem noch zum Sieg verhelfen kann, hat man vom Turn zum River eine etwa 8%ige Gewinnchance. Mit so einer Chance sollte man nicht 30% vom Pot bezahlen, wenn der Einsatz des Gegners einen dazu zwingen würde.

Spielen ohne Bankrollmanagement. Zum Pokern sollte man nur Geld verwenden, das man nicht braucht, dessen Verlust einem nicht den Schlaf raubt. Und dann bitte nie mehr als 1% oder 2% seiner Bankroll an den Tisch bringen. Alles andere führt zum Phänomen des "scared money", des ängstlichen oder verängstigten Geldes. Wenn der erste Gedanke "ich darf nicht verlieren" ist, wird das über Kurz oder Lang genau dazu führen. Man wird mit Made Hands zu passiv spielen und öfter als gut für einen ist einen Verzweiflungs-Bluff auspacken.

Man sollte mit guten Händen den Gewinn maximieren, mit schlechten und mittelmässigen Händen den Verlust minimieren.

Das sind mehrere Faktoren.

Alles läuft am Ende darauf hinaus, die Stärke seines eigenen Blattes im Verhältnis zu den anderen Blättern korrekt einschätzen zu können.

Dazu gehört Menschenkenntnis und eine gute Beobachtungsgabe, um aus den Reaktionen der anderen auf deren Blatt zu schließen. Dazu gehört Kopfrechnen, um aus den offenen Karten die Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Kartenkombinationen auszurechnen. Dazu gehört Selbstdisziplin, um sich strikt an die eigene Taktik zu halten. Dazu gehört Konzentrationsfähigkeit, um das Kopfrechnen auf Dauer durchzuhalten. Dazu gehört schauspielerisches Talent, um die anderen über das eigene Blatt zu täuschen.

Wer das alles optimiert, ist auf Dauer immer besser, als die anderen.

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