Was ist der Unterschied zwischen linksliberal und rechtsliberal?

6 Antworten

Hier einmal Linksliberalismus aus einer Innenperspektive:

Menschen sind verschieden und werden glücklich, wenn sie sich gemäß ihren persönlichen Neigungen, Begabungen usw. entfalten können. Dazu ist Freiheit in den Belangen der persönlichen Lebensführung unabdingbar. Allerdings muss diese Freiheit dort eingeschränkt werden, wo andernfalls die Freiheit der einen untragbare Konsequenzen und Freiheitsverlust für andere zufolge hätte - Selbstverwirklichung qua Mord ist also z. B. zu verbieten. Die Freiheit darf aber nicht eingeschränkt werden, um z. B. homophobe Moralvorstellungen durchzusetzen, hier gilt die Devise: Die Freiheit des einen endet da - und erst da! - wo sie die des anderen einschränkt.

Zugleich muss beachtet werden, dass die Freiheit zur Lebensführung nach eigenen Wünschen und Interessen wertlos ist, wenn sie nur auf dem Papier existiert. Damit sie wirklich genutzt werden kann, darf ein Mensch nicht in Armut leben, und deshalb trägt es zur Schaffung einer freiheitlichen Ordnung bei, wenn politische Maßnahmen ergriffen werden, die Menschen aus Armut befreien oder vor Armut schützen.

Der Rechtsliberalismus bestreitet den zweiten Teil dieser Argumentation, entweder indem darauf verwiesen wird, dass solche Maßnahmen die Freiheit der Wohlhabenden einschränken (s. z. B. FDP), oder mit dem Argument, dass nennenswerte staatliche Einmischung in die Wirtschaft auch zu umfassender staatlicher Kontrolle der individuellen Lebensführung führen müsse (s. z. B. Hayek, Weg zur Knechtschaft).

Ich empfinde den Absatz über Rechtsliberale als irreführen, da wohl kaum ein wirtschaftsliberaler mit der Freiheit der Wohlhabenden argumentieren wird.

Stattdessen kommt die Argumentation von FDP Politiker eher von den neo- beziehungsweise ordo-liberalen Reformern um Ludwig Erhard die sich bewusst gegen einen Wohlfahrtsstaat aussprachen, da dieser die Eigeninitiative der Menschen unterdrückt sich selbst Wohlstand zu erarbeiten.

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Zum Thema linksliberal gibt es hier schon ein paar gute Antworten. Der Begriff rechtsliberal muss wohl eher historisch betrachtet werden. Er bezieht sich auf die nationalliberale Bewegung des 19ten Jahrhunderts welche die damalige Kleinstaaterei beenden und daher für einen deutschen Nationalstaat eintrat und gleichzeitig liberale Bürgerrechte gegen die damaligen Fürsten und Könige durchsetzen wollte.

Heutzutage kann man evtl. die AfD als rechtsliberal einschätzen da sie zumindest teilweise für eine liberale Wirtschaftspolitik eintritt und gleichzeitig den deutschen Nationalstaat stärken möchte.

Die FDP ist zwar eher eine wirtschaftsliberale Partei. Die Partei setzt sich aber klar von deutsch nationalen Gedankengut ab und befürwortet z.B. eine starke EU. Rechtliberal passt somit nicht auf die FDP.

linksliberale: (zb leutheusser-schnarrenberger)

können sich eine zusammenarbeit mit der spd vorstellen. sind explizit für mehr soziales im liberalismus

rechtsliberalismus:

wollen freiheit nur für deutsche. diese "freiheit" ist aber keine freiheit im sinne des liberalismus

Ich hab das Gefühl, dass diese Frage eine sinnvolle Beantwortung bedarf, denn der Unterschied ist durchaus relevant! Und trotzdem ist der Unterschied ziemlich banal:

"linksliberal" basiert auf politisch linker und "rechtsliberal" auf politisch rechter Vorstellungsgrundlage.

Generell begründen Liberale ihre starke Idealisierung der hervorgehobenen individuellen Freiheit und unabhängigen eigenen Identität als auch die Hervorhebung von beidem über das Ergehen der Gemeinschaft / gemeinschaftlichen Identität aus der Unzufriedenheit mit Freiheitskonzentration (von betroffenen "Freiheitsarmen" subjektiv auch als Unfreiheit wahrgenommen) oder der Verwehrtheit eigener Freiheitsausreizung heraus. In westlichen liberalen Anschauungen stehen überwiegend Bestrebungen nach Negativer Freiheit (= Freiheit verstanden als die eigene Freisetzung von etwas, von Zwängen, Regeln, Pflichten, Institutionen und (sozialen) Abhängigkeiten) im Fokus, weniger Positive Freiheit (= Befähigigung/Ermöglichung zu etwas, z.B. Rechte, Ausübungsmöglichkeiten, Mittelhaftigkeit). (Je liberaler die Position, desto stärker werden erfahrungsgemäß Freiheit bewusst als gut und deren Einschränkungen bewusst als schlecht pauschalisiert).

Rechtsliberalismus allerdings allein auf Nationalliberalismus (Souveranität der Nation) zu reduzieren, ist ein bisschen zu kurz gedacht. Im Umgang mit Freiheitskonzentration lassen sich beide Richtungen gut einteilen:

linksliberal:

sieht Freiheitskonzentration an sich als Problem an und Regulierung als ein Mittel, diese zu vermeiden und effiziente Freiheitsnutzung bereitzustellen. Der Linksliberalismus folgt dem linkspolitischem Paradigma, alle - auf unterschiedlich anwendbaren Ebenen - gleich zu stellen (oder alle tendenziell undifferenziert (bzw. deontologisch) gleich(berechtigt) oder gleichgewillt für etwas zu sehen).

Beispiele für Linksliberalismus:

Feminismus (in gemäßigter nicht-sexistischer Ausprägung), tendenzielle Gleichstellung Tiere mit Mensch, zumeist vorsichtig eingeschränkter Kapitalismus (Keynesianismus und Sozialstaat z.B.) -> gemäßigter Wirtschaftsliberalismus (da ich Wirtschaftsliberalismus eigentlich weiter verstehe und zwar als liberales Wirtschaftsmotiv, statt nur Laissez-Faire.)

rechtsliberal:

tendieren in Richtung der Idealisierung der Selbstregulierung (die Vorstellung des Waltens ungeregelter Natürlichkeit) bzw. die Anschauung einer Selbstgerechtigkeit von Freiheit. Rechtsliberal sieht durch Handlungsfreiheit erzeugte Wohlstandsunterschiede und eigene kämpferische Durchsetzung gegenüber anderen (unter bestimmten eigenen Vorbedingungen) als durch Freiheit legitimiert an. Bei Rechtsliberalen ist die Vorstellung von Allgemeinwohl eher unabhängig vom Ergehen der Individuen und betrachtet eher die Gesamtheit von allen Individuen als eines, sodass große Reichtumsunterschiede aufgrund besserer Ausreizmöglichkeit/Allokation für eine ingesamt höhere Wirtschaftsleistung als legitim/erwünscht gesehen werden und zumeist damit auch via Trickle-Down-Theorie eventuell positive Auswirkungen als Rechtfertigung verbunden werden (das wird meistens nur theorieintern erwähnt oder impliziert, weil man mit dieser offenen Ansicht nämlich nicht wirklich Anhänger finden würde, um die neoliberale Dogmatik der Abhängigkeit der Demokratie von Kapitalismus
aufrecht zu erhalten).Dadurch stellen viele Menschen hauptsächlich nur fest, dass der Rechtsliberalismus eher unsozial im Vergleich zum Linksliberalismus veranlagt ist, was offen eingestehende (Rechts)Liberale auch als gut oder ok befürworten - da diese zumeist unter "sozial" sogar etwas anderes oder ökonomisches Verstehen (z.B. die ursprüngliche Angst vor der "sozialen" Marktwirtschaft, findet man vielleicht noch im Wikipedia-Artikel dazu).

Neuerdings ist das
rechtsliberale Spektrum auch durch die AFD erweitert worden, welche auf
mich allerdings eher "rechts-liberal" (rechts und liberal) wirkt als
"rechtsliberal" (liberal in rechtspolitischer Denkweise) ist.

Beispiele für Rechtsliberalismus:

Wirtschaftsliberalismus
bzw. Kapitalismus, Nationalliberalismus und Libertarismus. Die
Forderung eines gänzlich freien Marktes lässt sich - bei allgemeinem
Verständnis der Bedeutung davon - eigentlich nur in den Libertarismus
einordnen, da diese Forderung der Überstellung ökonomischer
(Pareto-)Effizienz (-> Allokation) über das Ergehen der Menschen/der
Umwelt hauptsächlich ein deontologische Grundlage eines allgemeinen Freiheitsprinzip hat.


Der Liberalismus selbst ist an sich eine Anschauung, die im philosophischen (Werte-)Individualismus gründet und damit explizit die Vorstellung des Lebens in Überstellung von Eigennutz und mitselbstfokussierenden Lebensideal vertritt. (Da sich Individualismus übrigens nicht intersubjektiv auf Sozialverbände differenziert anwenden lässt ohne das Ideal zu gefährden sondern einem strikte Handhabung bedarf, weil die idealisierte Vorstellung jedes Individuums unabhängig und ohne uneigennützlicher Gemeinwohl-Interesse sieht, ist aus meiner Sicht eine echte politische Mitte in Ausgeglichenheit mit Individualismus eher unmöglich.)

Zum Libertarismus: eine - teils auch von sich aus so verstandene - radikalliberale Position, welche Negative Freiheit als absolutes philosophisches Ideal sieht, ähnlich wie Hedonisten die Lust an sich, wo Freiheit nicht als Mittel für sondern als Ziel menschlicher Bestrebungen gesehen wird, wobei Libertarismus sich von Anarchie durch einen minimalistischen Laissez-Faire-Staat kennzeichnet und sehr kapitalistisch veranlagt ist.

Ein Unterschied ist z.B., das Rechtsliberale Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA unterstützen und Linksliberale nicht. Vor allem sind auch nur die Exportwirtschaft und die Reichen/Vielverdiener an den Freihandelsabkommen interessiert.

Politische Standpunkte sind in der Regel allerdings nie völlig rechts- oder
linksliberal, sondern eher eine Mischung. Z.B. die CDU ist wirtschaftlich rechtsliberal, politisch auch eher linksliberal geworden.



Die FDP ist übrigens ein umstrittenes Thema. Als Wirtschaftsliberale bei meiner wirtschaftlichen Theoriekenntnis würde ich die FDP deutlich rechtsliberal einordnen und vor allem deshalb, da sie tatsächlichen einen altertümlichen klassischen Liberalismus (klassische Nationalökonomik) vertreten (einer der wichtigsten Begründer der klassischen Nationalökonomik und des Wirtschaftsliberalismus - Adam Smith - war ein buchstäblicher Egoist und hat Egoismus zur wirtschaftlichen Moral erklärt), wobei sich die FDP aber selbst als "linksliberal" bezeichnet  und einen "sozialen Liberalismus" durch ihr Programm vertreten würde (die Partei wollte nach ihrer unglücklichen teils rechtsextremen Vergangenheit schließlich auch an Wählerstimmen gewinnen). Ich bin mir aber grad nicht so sicher, in wie weit die Umweltmaßnahmen der FDP nicht auf orthodoxen ETS-Annahmen basiert.

Linksliberal hat wenig mit Sozialismus zu tun, sondern vor allem mit der Betonung der Menschen- und Bürgerrechte - Linksliberale wollten und wollen die Freiheitsrechte der Bürger vor dem Staat schützen. Rechtsliberale dagegen betonen eher die Freiheit der Wirtschaft in einem stärkeren Staat.

linsradikale setzen sich verstärkt für das soziale im liberalismus ein. das was du mienst sind marktliberale, die die interessen der wirtschaft stärker in den vordergrund stellen wollen

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@pextrem

? Seine Antwort ist absolut korrekt. Und von "Linksradikalen" war hier überhaupt keine Rede. Die haben mit Liberalismus auch gar nichts zu tun. "Liberal" und "libertär" verwechselt?

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