Was hilft wirklich wenn der Hund extrem an der Leine zieht?

11 Antworten

Leider schreibst du nicht welche Methoden du erfolglos konsequent ausprobiert hast, ein paar nähere Infos über dich und den Hund wären auch gut (Rasse, Alter, Auslastung).

Letztlich steht hinter der Leinenzieherei ein Aufmerksamkeitsproblem.

Der Hund geht seiner Wege, grade an Orten wo er durch neue Eindrücke stark abgelenkt ist. Viele ziehen zudem erst recht da sie dank der leine überhaupt nicht mehr aufpassen müssen wo Frauchen/Herrchen ist, man hat ja über die Leine Kontakt.

Zu möglichen Lösungen:

Methoden mit Strafe (Leinenruck) können zwar grundsätzlich funktionieren, aber nur dann wenn die Strafe sofort beim ersten Anziehen, und stark genug erfolgt dass ein sofortiges Meideverhalten einsetzt. Es geht nicht darum ob der Hundehalter meint er straft den Hund, es muss beim Hund ankommen. Da die Hunde meist aufgeregt, deshalb unter Adrenalin und sowieso unterschiedlich sensibel sind  müsste der Strafreiz enorm hoch sein damit es was bringt.  Das klappt eigentlich nur mit wirklich brutalem Ruck über Stachelhalsband, seitlich im rechten Winkel zum Hals. Das ist auf Grund der Schmerzen und der sehr realen Verletzungsgefahr (versetzte Halswirbel, Luftröhrenpunktion, Quetschungen des Kehlkopfs) tierschutzrechtlich natürlich zu Recht verboten und damit keine Option. Alles halbherzige Rumgeziehe bringt absolut nichts, der Zug erzeugt nur einen stärkeren Gegenzug beim Hund und er versucht sich dem nervigen Getue noch eher zu entziehen.

Variante B ist reines Management, z.B. über ein Halti oder ein entsprechendes Führgeschirr das vorne an der Brust eingehakt wird und den starken Zug des Hundes so umlenkt dass auch körperlich schwächere Menschen ihn halten können. Das funktioniert meist gut, führt aber nur in Ausnahmefällen dazu dass das Problem dauerhaft verschwindet und man irgendwann ohne Halti laufen kann. Auch der Umgang mit diesen Hilfsmitteln sollte aber unbedingt von einem Fachmann gezeigt werden, da sonst ggf. auch verletzungsrisiken bestehen.


Meine Variante (die auch mit meinem sehr übermütigen jungen Schäferhund geklappt hat der zog bis meine Hand geblutet hat) ist Aufmerksamkeitstraining.

Dazu muss der HuND eine vernünftige und solide Basis für die Aufmerksamkeit auf den Hundeführer haben die man dann auch an fremden Orten abrufen kann.

D.h. zunächst mal dem Hund an Orten ohne Ablenkung beibringen sich mit dem Hundeführer zusammen vorwärts zu bewegen. Nicht notwendigerweise im Fuß. ich leine den Hund an eine 1,50-2 Meter leine an. Dann ein paar Schritte loslaufen und ehe der Hund losrennt leicht mit der Zunge schnalzen und die Richtung wechseln. (Nicht in die leine rennen lassen und mit rumreißen). Orientiert er sich und geht mit ehe sich die Leine strafft loben und bestätigen. wenn nötig kann man den Namen sagen, da man das alles wieder abbauen will steige ich aber lieber nur mit einer kleinen Hilfe ein wenn das reicht.  Die Übung nach und nach ausbauen bis man im wilden Zickzack, mit verschiedneen Gangarten, wendungen und Richtungswechseln über die Wiese gehen kann und der Hund jede Veränderung, Stehenbleiben etc  von sich aus und ohne Hilfe mitmacht. Anfangs jedes Mal, später nur noch ab und zu loben.

Dann die gleiche Übung an anderen Orten mit gesteigerter Ablenkung wiederholen.(Parkplatz Supermartz. abseits der Straße, am Schluss Bahnhof :-)  )

Länge der Übung und der Grad der Ablenkung werden schrittweise gesteigert.

Das Signal für die Aufmerksamkeit bleibt bei mir immer gleich das leise Schnalzen wenn es überhaupt nötig ist. Ist der Hund zu abgelenkt bleibe ich stehen, lasse ihn kurz gucken und fordere es dann damit nochmal ein. Schaut er mich an gehen wir weg von der ursprünglichen Ablenkung und ich belohne ihn dafür dass er mit freiwillig folgt und sich abwendet.

Klappt das alles baue ich noch  zusätzlich gezielte Ablenkungen ein , z.B. Spielzeuge auf der Wiese, Futterschüsseln, andere Hunde, Leute die den Hund ansprechend und locken und übe bis er entweder garnicht mehr reagiert oder auf ein leichtes schnalzen sofort wieder zu mir orientiert.

Das Problem dabei ist lediglich dass man das eben als reine Übung aufbauen und unter kontrollierten Bedingungen üben muss. Man kann in den ersten Monaten das nicht spontan einsetzen wenn man eben einen bestimmten Weg entlang gehen will und der Hund dort plötzlich abgelenkt ist. geht man dann weiter obwohl man die Aufmerksamkeit noch nicht auf sich lenken kann lernt der Hund wieder falsche Ausnahmen. Wenn der Trainingsstand noch nicht so weit ist muss man das vorerst anders managen, sonst macht man sich alles wieder kaputt.


Und ganz ganz wichtig: Die Übung "Aufmerksamkeit auf mich und mit mir laufen" auch wieder beenden, anfangs nach wenigen Schritten, später immer länger aber immer bevor der Hund sich wieder geistig verabschiedet. Als Freigabekommando nehme ich "Lauf", genauso wie bei der Freigabe aus dem Fuß in der freifolge. Dann darf er rennen und schnüffeln und muss nicht drauf achten was ich mache bis ich ihn wieder anspreche.





Meideverhalten wird schon alleine von der Definition her nicht beim Leinenrucken eintreten und erst Recht nicht eintreten können, wie sollte das aussehen? 

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Hallo annalea100,

Zum Thema Hund und Leine kann man Dir hier nur Gedankenanregungen geben. Bedenke, dass dieses speziell stark an der Leine ziehen in neuem, ungewohnten Umfeld auch stressbedingtes Verhalten sein kann.

Im Fall von Stress aber lernen Hunde nicht und können nicht das gewünschte Alternativverhalten ( anständig an der Leine gehen ) zeigen. Deswegen können auch verschiedentlich ausprobierte "Erziehungstipps" nicht funktionieren.

Alleine hier also kann man Dich und Deinen Hund nicht beschulen.

Also habe ich Dir zwei Videos zum Thema Hund und entspanntes Laufen an der Leine mitgebracht. Sieh Dir diese Erziehunsmethode genau an! Du kannst damit schon beginnen umzudenken um mit Deinem Hund anders umzugehen und anders zu trainieren.

https://www.youtube.com/watch?v=28w63ryqRaE

Ist auch Stressverhalten (von beiden Seiten) im Spiel bitte ich Dich, suche einen mit positiver Verstärkung am Hund wirkenden Hundetrainer bei Dir vor Ort. Das wird Dir und Deinem Hund helfen endlich überall entspannt miteinander zu laufen.

Mit Deiner PLZ und den Suchbegriffen = animal learn, BerufungHund, cum cane, dogInform, easy dogs, IBH-hundeschulen findest Du gut beschulte, erfahrene Hundetrainer auch direkt in Deinem Wohnumfeld.

https://www.youtube.com/watch?v=AvUvThinDhk

Hallo. Zunächst muss man einmal erkennen, daß das Ziehen an der Leine ein Ausdruck von Bedürfnissen des Hundes ist. Der Hund möchte zuerst bzw. vor seinem Menschen an einem Ort sein. Der Hund, der an der Leine zieht, hat in der Regel jede Menge Stress. Die Frage ist: wer führt - wer folgt? Ein Hund, der an der Leine zieht, fühlt sich für seinen Menschen /sein Rudel zuständig. Er trägt die Verantwortung für den Schutz des Rudels. Damit sind Hunde zu 99% überfordert. Es gibt nur wenige Exemplare, die in der Lage wären, zu führen.

Dass der Hund den Eindruck hat, die Verantwortung tragen zu müssen, kann an vielen Dingen liegen:

vielleicht ist der Schlafplatz des Hundes im Flur und so ist er zuständig, zu kontrollieren, wer reinkommt, wer rausgeht, wohin die Familie sich in der Wohnung bewegt.

Vielleicht ist der Hund oft allein im Garten. Dann bewacht er das Grundstück, was viele Menschen möchten. Für den Hund bedeutet das: aufpassen, wer reinkommt (daher gibts so oft Probleme mit dem Briefträger!), und im Ernstfall den "Feind" verscheuchen.Also z.B. das Verbellen von Menschen, die am Gartenzaun vorbeigehen. Aus Hundesicht hat der Hund jedesmal Erfolg, wenn die Menschen weitergehen. Weiterhin ist der Hund alleine gelassen im wahrsten Sinne. Man denke mal daran, wie sich der Hund fühlt, wenn Schulkinder vorbeikommen, ihn vielleicht ärgern und er zB bellt und die dann weitergehen. In unserer Gegend gibts ungezogene Kinder, die mit Stöcken am Zaun langratschen und noch Krach machen und dem Hund damit Angst machen.

Um dem Hund die Zuständigkeit abzunehmen, sollte man auf Folgendes achten:

1. Der Mensch ist für die Sicherheit zuständig, immer und überall.

2. Der Schlafplatz /Ruheplatz des Hundes sollte in der Nähe seiner Menschen sein. Der Schlafplatz sollte bevorzugt im Schlafzimmer sein, da der Hund die Sicherheit des Rudels braucht, um sich wohl zu fühlen. Der Ruheplatz sollte möglichst im Raum sein, wo sich seine Menschen oft aufhalten, damit er in der Nähe sein darf. Der Platz sollte so gewählt werden, daß der Hund weder im Weg liegt, noch daß er den ganzen Raum kontrollieren kann.

Ich würde empfehlen auch einmal über die Ressourcen nachzudenken. Ressourcen sind

- Freilauf

- Liegeplatz

- Zugriff auf Futter

- Streicheleinheiten/Zuwendung

Und später mal über die Arbeit mit dem Futterbeutel nachdenken.

("natural dogmanship")

Eine Ferndiagnose ist natürlich schwer, aber meist sind es die gleichen Ursachen:

der Hund fühlt sich zuständig, der Hund ist überfordert, der Hund findet nicht genug Sicherheit bei Herrchen/Frauchen und sorgt selbst für Sicherheit

Jetzt hab ich leider keine Zeit mehr.

Bei Fragen bitte an ("dertutnixundwillnurspielen(at)web.de")

Viele Grüße

Jesska

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