Was genau ist Kabbala?

6 Antworten

Ich würde sagen: eine wissenschaftliche Methode zur Erfassung der Wirklichkeit und Korrektur unserer egoistisch begrenzten menschlichen Gesellschaft. Die Kabbala existierte vor allen Religionen und zielt auf  die allem Leben zugrunde liegende Weisheit ab. Sie hat nichts mit Esoterik, Mystik  und Geldmacherei zu tun. Um einen groben Überblick zu bekommen, finde ich die  Kurseinheiten auf Youtube von Tony Kosinec sehr gut.

https://youtube.com/watch?v=rRqFbsMpBk0

Die Authentische Kabbala ist allerdings eine Erfahrungswissenschaft. Man kann sie nicht allein und nur aus Büchern verstehen lernen.

Mystik und deren Erfahrungen sind "ein" Teil des Judentums seit frühesten Tagen. Die Thora enthält viele Geschichten von mystischen Erfahrungen, von Visitationen,Engeln, prophetische Träume und Visionen. Es gibt zig Geschichten von Orten ähnlich dem christl. Himmel u.s.w. Von wandernden Seelen und Reinkarnation. Der Talmud enthält vage Andeutungen einer mystischen Schule des Denkens, die nur für den am weitesten fortgeschrittenen Schüler unterrichtet wurde und wurde nicht zu Papier gebracht. Es gibt viele Hinweise in alten Quellen "ma'aseh Bereschit"(das Werk der Schöpfung) und "ma'aseh Merkavah" (die Arbeit des Wagens [Hesekiel Vision]), die beiden primären Themen des mystischen Denkens an der Zeit.

Wie die meisten Themen des jüdischen Glaubens ist der Bereich der Mystik weit offen für "persönliche Interpretation". Die traditionellen Juden nehmen diese Mystik sehr ernst. Mystik ist ein integraler Bestandteil des chassidischen Judentums , z B. sind Passagen aus kabbalistischen Quellen routinemäßig in traditionellen Gebetsbüchern enthalten. Andere traditionelle Juden nehmen Mystik mit einem berühmten Salz. Ein prominenter orthodoxer Jude , bei der Einführung eines Lautsprechers über das Thema der jüdischen Mystik, sagte im Grunde, "es ist Unsinn, aber es ist jüdischen Unsinn, und das Studium der nichts jüdischen, auch Unsinn, lohnt sich."

Die mystische Schule des Denkens bekam sie aus dem "root qof-Beit-Lamed", was "zu empfangen, zu akzeptieren." (wie der Bund mit Gott zuvor). Kabbala ist eine der grob missverstanden Teile des Judentums. Ich habe mehrere Nachrichten von Nicht-Juden gehört die meinen Kabbala als "die dunkle Seite des Judentums", beschreiben zu müssen. Als böse oder schwarze Magie. Von anderen, höre ich Nachrichten, die mehr über die trendige Lehre popularisiert durch verschiedene jüdische und nicht-jüdische Persönlichkeiten lernen. (Nur zum Verständnis: Mein Ur, -sowie Großvater studierten beide Kabbalah in Mea Sheahrim und wenn ich bei google Kabbala, ob in Englisch, Russisch, Deutsch usw. eingebe- komme ich ungelogen beim überfliegen der Inhalte auf 95% Schunt!)

Diese Missverständnisse gibt es u.A. weil die Lehren der Kabbala so derartig und vorallem "schlecht" von den Mystikern und Okkultisten verzerrt wurden .Kabbalah war unter christlichen Intellektuellen populär während der Renaissance und der Aufklärung Zeiten der Umbrüche, in welchen ihre Lehren neu interpretiert wurden, um in ihr christliches Dogma zu passen. In neuerer Zeit haben viele kabbalistischen Symboliken aus dem Zusammenhang gerissen, für den Einsatz in Tarotkarten und andere Formen der Wahrsagerei und Magie, die nie ein Teil der ursprünglichen jüdischen Lehren waren!!

Heute haben viele bekannte Persönlichkeiten ein neues Zeitalter Pop-Psychologie die weitere Verzerrung der Kabbala eingeleitet. Sie ließ die Sprache der Kabbala und die Formen der jüdischen Volksaberglaubens, aber in seinem Herzen, es hat mehr Gemeinsamkeiten mit den Schriften von Deepak Chopra als mit jeder authentische jüdische Quelle.

Nicht, dass Magie nicht ist ein Teil der Kabbalah wäre. Es gibt viele traditionelle jüdische Geschichten, die die Verwendung von verborgenes Wissen um die Welt in einer Weise, wie Magie beschrieben werden könnte Auswirkungen haben- Aber all diese "magischen" Effekte werden durch das Gd erreicht, in der Regel durch den Aufruf auf den Namen G-tt. Diese Praktiken sind nicht mehr "evil" als die Wunder der Propheten, oder die Wunder, die Jesus zugeschrieben werden.

Diese Art von Wissen ist traditionell und wurde und wird teils alsals viel zu gefährlich eingestuft, als das ein echter Kabbalah Gelehrter diese blind and die Massen verteilen würde. Doch nicht im sinne von "okkult- dämonisch" gefährlich, sondern wegen teils Dingen, in welchen gerade so machthungrige Menschen wie heute gerne etwas dämonisches draus machen könnten.

Kabbala ist jüdische Mystik. Es ist eine esotherisch-orthodoxe Interpretation des Judentums, die ungefähr im neunten Jahrhundert als solche begann. Hauptwerk ist das "rückdatierte" etwa im 13 Jh. abgefasste Werk "Sefer ha Sohar", das Buch des Glanzes. Es stellt die Welt dar als Schöpfung Gottes aus der Potenz von 10 Emanationen, die in gradueller Verdichtung unsere Wirklichkeit schaffen. Der heute bekannteste kabbalistische Rabbi ist der im 16. Jh in Safed lebende Isaak Luria, dessen lurianische Kabbala in jüdischen Kreisen de weiteste Verbreitung fand. Hauptelement seiner Lehre ist die Kontaktion (Zimzum) des unendlichen Gottes (En Sof), um so durch eine Ausströmung seiner Glorie die Schöpfung möglich zu machen. Diese sich in zehn Instanzen und sieben Schritten sich ereignende Schöpfung wird Durch den sogenannten Baum des Lebens (Etz Chajim) abgebildet, der zugleich Meditationsobjekt und Weg zur Erlösung darstellt. Die zehn Emanationen werden Sefira (Zahlen) genannt und sind mit 22 Wegen verbunden, denen jeweils ein Buchstabe des hebräischen Alphabets zugeordnet wurde. Diese Zuordnung ist selbst nicht kabbalistisch sondern weit älter (das nich kabbalistische Sefer Jezirah aus dem 6Jh beschreibt sie).

Die Kabbala teilt sich in zwei mögliche Teile: Nämlich einmal in die Beschreibung der Schöpfung und seiner Glorie (nach der Vision des Ezechiel Merkava genannt) und zum anderen in die Erkundung seines Willens, festgehalten in der Thora (in Anlehnung an den ersten Schöpfungsbericht bereschit genannt). Da jeder hebräische Buchstabe von Alters her zugleich Zahl und Symbol ist, kann die hebräische Thora "durchgerechnet" werden. Genauso kann man, da das Hebräische keine Vokale kennt, diese verschieden substituieren, wodurch sich der Sinn ändert. Ebenso kann aus einem Wort ein Satz emacht werden und umgekehrt. Zum Beispiel ergeben sich die 72 Nmane Gottes dadurch, dass man 3 bestimmte Verse so liest, dass man ihre Buchstaben nach festen Regeln miteinander kombiniert. Und ich vermute, du meinst das mit Wissenschaft. Aber das ist keine Wissenschaft sondern mystisch angewandte Mathematik. Die Kabbala ist als Ganzes Mystik - aber wie ich finde äußerst lohnenswert.

Ziel der jüdischen Kabbala ist identisch mit dem des Judentums - Gottes Gebot zu befolgen. Aber durch die Jahrhunderte fand die Kabbala Einzug in zahlreiche esoterische Ansichten, so bei Eliphas Levi, den Jesuiten, Aleister Crowley, H.P. Blavatzky, der Theosophie, Rudolph Steiner, Goethe und und und...

Jedoh muss dazu gesagt werden, dass dies in den meisten Fällen mit dem, was die Juden Kabbala nennen, nicht viel zu tun hat. Kabbala bedeutet eigentlich: mündlich überliefert. Der Legende nach soll dies das sein, was Gott Abraham offenbart hat, der es mündlich weiter gab. Nach ihrer eigenen Auffassung ist die Kabbala also keine neue Lehre, sondern die "wahre" hebräische Lehre.

Ich habe einige Bücher über Magie, deren Lehre und Aufbau ohne Kenntnis der Kabbala nicht zu verstehen ist - hat man diese aber ersteinmal erlangt, erkennt man, welch ein Unsinn aus etwas gemacht wurde, was in seinem Ursprung nichts war als die Wiederbelebung der Thora durch Neuinterpretation.

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@Razon

Mein Lieblingsaspekt an der lurianischen Kabbala ist der Umstand, dass sie die Schöpfung als eine dynamische beschreibt - die Schöpfung hat nur deshalb Bestand, weil das Göttliche seine Glorie in jedem Augenblick über sie ausgießt und so neu schafft. Goethe hat das im Schluss seines Faust aufgegriffen und in den "Bergschluchten" wunderbar dargestellt.

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