Was braucht eine kleine Konditorei?

3 Antworten

Um gewerbsmäßig Backerzeugnisse verkaufen zu dürfen muss deine Nachbarin:

  1. Eine Küche haben, in der ausschließlich deine Erzeugnisse hergestellt werden, bis auf mindestens augenhöhe gefliest, Abfluss im Fußboden und begehbar, sodass das Veterinäramt KEINE privaten Räumlichkeiten dafür durchqueren muss und einen Fluchtweg vorhanden ist.
  2. Eine Ausnahmeregelung bekommt sie, wenn sie die Konditorengesellenprüfung hat und nachweislich mindestens 3 Jahre als Gesellin in leitender Position in einem Betrieb tätig war, und über 47 Jahre alt ist. Aber dann muss sie einen Nachweis bringen, dass sie "Meistergleiche Fähigkeiten und Kenntnisse" besitzt. Und dafür wiederum muss sie eine Prüfung vor einem Prüfungsauschuss der Innung (?) ablegen- Kosten ca. 1000.-€. Das ist aber immer noch vergleichsweise kostengünstig, denn der Meisterbrief kostet locker das 10- 20fache.

Bäcker und Konditor sind noch immer meisterpflichtige Handwerke, deswegen wird es einem sehr schwer gemacht.

Wenn deine Nachbarin einen Meister anstellen will, muss der mindestens 20 Arbeitsstunden pro Woche im Betrieb sein.

Sorry, aber Backofen ist erst einmal ein zweitrangiges Problem.

Das gilt zumindest für Deuschland.

Woher ich das weiß:Beruf – Gelernte Konditorin alter Schule

Jeder Hans und Franz kann ohne Meister (sogar ohne Gesellen) ein Café eröffnen (siehe z.B. Hofcafés), aber dann darf halt nicht außer Haus verkauft werden. Ob man dann noch Gewinn macht ist eine andere Frage und die anderen Auflagen müssen natürlich trotzdem erfüllt werden - aber ein Meister ist nicht Pflicht ;)

Achso und 10000 bis 20000€ für den Meisterbrief stimmt nicht. In meiner Stadt kostet allein der Meisterkurs keine 4000€ und ich glaube kaum, dass Prüfung, Ausbilderschein und der Betriebswirtschaftsteil über 10000€ kosten... Sonst hätten einige der Meister und Meisterschüler, die ich kenne, das garantiert nicht machen können ;)

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@suuusu

Sie schreibt nicht von einem Café, sondern von einem kleinen Laden. Das ist gewerbetechnisch ein riesiger Unterschied.

Die Kosten für einen Meisterbrief mögen sich vielleicht geändert haben, aber es ist ein Unterschied, ob du dabei in Festanstellung irgendwo bist, oder ob du ihn "Schierschandudel" machen willst.

Die Ausbildung und die Berufsjahre bleiben aber immer noch Voraussetzung um ihn überhaupt machen zu können.

Wenn du mit Ausnahmegenehmigung einen Laden eröffnen willst, sind die bürokratischen Hürden von Seiten der HWK kaum zu überwinden.

Zudem darfst du dann auch nur in einem Teilbereich selbstständig sein.

Ohne die Zettel von der HWK darfst du KEINE Bestellungen annehmen, keine Werbung machen, keine Wiederverkäufer, keine Kennzeichnung des Geschäftes (Ladenschild), keine Preislisten aushängen, keine Flyer....kurz, du bist schon "tot" bevor du richtig angefangen hast.

Ausbilderschein kostst um die 600.- betriebswirtschaftlicher Teil weiß ich nicht, aber ich frag mal nach.

Die Dame will ein Ladengeschäft eröffnen, und bringt außer Elan und Willen nichts weiter mit. Das wird nicht funktionieren. In fast jedem anderen Land der Welt schon, aber nicht in D.

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@suuusu

Du darfst auch nicht vergessen, dass die laufenden Unterhaltskosten weiter laufen. Da muss man schon ein paar Tausend auf der Seite haben um das überhaupt durchziehen zu können, und vor allem um die Anlaufzeit (1 Jahr im Schnitt) überstehen zu können.

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@adianthum
Die Dame will ein Ladengeschäft eröffnen, und bringt außer Elan und Willen nichts weiter mit. Das wird nicht funktionieren.

Gut, wir kennen nicht die ganze Geschichte. Vielleicht wird ein Meister angestellt, der Papierkram ist erledigt und es fehlt einzig und allein der passende Ofen... Aber so wirklich glaube ich auch nicht daran und würde dir zustimmen 😅

Ohne die Zettel von der HWK darfst du KEINE Bestellungen annehmen, keine Werbung machen, keine Wiederverkäufer, keine Kennzeichnung des Geschäftes (Ladenschild), keine Preislisten aushängen, keine Flyer....kurz, du bist schon "tot" bevor du richtig angefangen hast.

Wie gesagt, bei Hofcafés (und die kann man im allgemeinen Sprachgebrauch auch mal als Laden bezeichnen, das muss ja noch nichts heißen) kann es gut funktionieren. Aber eigentlich auch nirgendwo sonst.

Die Ausbildung und die Berufsjahre bleiben aber immer noch Voraussetzung um ihn überhaupt machen zu können.

Tatsächlich nicht. Ich kenne eine Dame die ohne Ausbildung in ihrem Schokoladenladen selbstgemachte Pralinen verkauft hat und dann von der Konkurrenz verpfiffen wurde. Mit einer Sondergenehmigung konnte sie direkt ohne Gesellin zu sein den Meister machen.

Aber lass uns jetzt nicht ewig diskutieren, es ist ja gar nicht unser Problem und wir sind glaube ich beide der Meinung, dass der Plan minimal utopisch ist ;)

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@suuusu
Tatsächlich nicht. Ich kenne eine Dame die ohne Ausbildung in ihrem Schokoladenladen selbstgemachte Pralinen verkauft hat und dann von der Konkurrenz verpfiffen wurde. Mit einer Sondergenehmigung konnte sie direkt ohne Gesellin zu sein den Meister machen.

DIE will ich kennenlernen und wissen wie sie das hinbekommen hat!

Mir haben sie nämlich einen "Strick" gedreht und ich bin dann in der Klapse gelandet!

In NRW hätte ich ohne Probleme meine Chocolaterié eröffnen können, aber hier in Niedersachsen- Never Ever.

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@adianthum

Wie genau das ging weiß ich auch nicht. Ich weiß nur dass sie keine Ausbildung zur Gesellin gemacht hat (und auch keine Bäckerin o.Ä. ist) und gleich den Meisterkurs machen konnte. Wie gesagt, irgendeine Sondergenehmigung vermutlich aufgrund ihrer Erfahrung. Schleswig-Holstein

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Ich habe in einer kleinen Konditorei gelernt... man muss halt doch eine gewisse Menge erzeugen um Gewinn zu machen und wenn ich mich zurückerinnere hatten wir die meisten Geräte am Starkstrom...

Auch wenn man keine Massenproduktion macht, will man nicht jeden Biskuitboden und Buttercreme für eine Torte einzeln anrühren, sondern zB 4 Böden auf einmal - und die passen nicht in ne Haushalts-Küchenmaschine.

Und hat sich deine Nachbarin schon Gedanken gemacht wie das mit einem Meister aussieht? Wenn keiner im Betrieb einen Meistertitel hat, darf nicht außer Haus verkauft werden, also nur Café-Betrieb.

Woher ich das weiß:Beruf – Konditorin

Da kommen noch ein paar mehr andere Hürden mit dazu.

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@adianthum

definitv.

Ich erhebe hier auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei dem ganzen Behörden/Ämter-Kram habe ich keine Ahnung, deswegen halte ich mich da raus.

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Was braucht eine kleine Konditorei?

Das OK des Gesundheitsamtes.
Kümmert Euch lieber um die zu erfüllenden Auflagen. Und nicht um den Ofen.

Na, da sind schon noch so einieg bürokratische Hindernisse zu überwinden. Das OK des VETERINÄRAMTES ist dabei eine der kleinsten Hürden.

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