Warum trauern viele ehemalige DDR Bürger der DDR hinterher?

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich glaube das ist die Nostalgie. Hinterher kommen einen manchmal Dinge viel weniger schlimm, sogar schöner vor, als man sie eigentlich zu der gelebten Zeit empfunden hat. Ebenso hebt man sich vielleicht ab und distanziert sich von Erneuerungen oder den neuen Generationen. So schafft man auch ein Gemeinschaftsgefühl "Wir sind noch diejenigen, die aus der DDR stammen und diese erlebt haben mit all ihren Vorteilen." Vorteile gab es definitiv in der DDR, aber das sollte man nicht gegen die Nachteile aufwiegen, denn es passierten ein Haufen schlimmer Dinge. Ich glaube viele sahen sich vielleicht auch nicht so betroffen zu der Zeit, was Spionage, Mauer und Gewalt anging, vielleicht war das für manche nicht so das Problem oder man hat es akzeptiert oder man verdrängt diese.

Einige Sachen waren schlechter, einige besser.

Viele Menschen haben die Eigenschaft die ersteren weitgehend zu ignorieren.

"Das Glück ist immer da, wo du nicht bist

Du willst immer das, was du nicht kriegst

Und du beklagst dich, es ist nicht fair

Schön ist nur das, was du verpasst

Du brauchst irgendwas, was du nicht hast

Du bist nie zufrieden, du willst immer mehr" - Farin Urlaub

Evtl. fehlt auch nur auf der anderen Seite die Fähigkeit zur Differenzierung.

Nur weil man bestimmte Dinge gut fand, bedeutet es nicht, dass man dem Regime oder dem Mangel hinterhertrauert.

Die DDR hat für ganz Deutschland bluten müssen. Und hat aus Dreck Wohlstand geschaffen. Wohlstand aus Dreck mag zwar weniger hübsch sein als Wohlstand aus dem Marshallplan, aber die meisten Menschen waren nunmal einfach zufrieden. Nicht glücklich über das Land und die Situation, aber unbeschwert.

Heute siehst du nur noch Leute die überfordert sind. Mobbing und Hetze, sich gegenseitig ausbooten, überall herrscht Konkurrenz, und zwar in einer Form, dass sie krank machen kann, weshalb die psychischen Ursachen für Arbeitsausfälle immer mehr zunehmen.

Das war nunmal damals anders, es gab schlicht keine Zukunftsängste, keine finanziellen Sorgen, oder zb. was passiert, wenn man seinen Beruf aufgeben muss, um einen nahestenden Verwandten zu pflegen.

Das heißt nicht, dass man mit dem Regime grundsätzlich einverstanden sein musste, oder gar SED Kader zu sein.

Und wer Repressalien durch das System erfahren hat, wird naturgemäß auch nicht unbedingt zufrieden gelebt haben.

Die mürrischen Gesichter begegnen einem aber heute deutlich öfter. Obwohl man über all hin reisen darf, und obwohl der Wohlstand nun so viel mehr Konsum beinhaltet. Oder, vielleicht ja gerade deswegen.

„Evtl. fehlt auch nur auf der anderen Seite die Fähigkeit zur Differenzierung.“ Nein, eindeutig nicht.

„Die DDR hat für ganz Deutschland bluten müssen.“

Die DDR hat für die Sowietunion bluten müssen und hatte ein ineffizientes Wirtschaftssystem ohne Innovationen.

Die Überwachung war auch häufig das Gegenteil von Zusammenhalt, wenn die Kinder ihre Eltern verraten hatten/ mussten.

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@Leo83369
Nein, eindeutig nicht.

Ja klar. Weil du das ja auch erkennen würdest.

Die DDR hat für die Sowietunion bluten müssen

Die Sowjetunion hatte 27 Mio Tote zu beklagen, der gesamte Osten war vollkommen zerstört. Natürlich mussten die nehmen was sie kriegen konnten um nicht zu verhungern, und um die Schulden aus dem Lend - Lease - Act zu begleichen. Die Bundesrepublik hat Geld bekommen, während die DDR gigantische Mengen Infrastruktur, Rohstoffe, Geld und Warenlieferungen abtreten durfte.

und hatte ein ineffizientes Wirtschaftssystem

Warum war die DDR dann zur Wende deutlich weniger verschuldet als die Bundesrepublik?

https://www.welt.de/wirtschaft/article134088763/Die-DDR-war-in-Wahrheit-gar-nicht-pleite.html

Und welches andere Wirtschaftssystem hätte ohne finanzielle und materielle Ressourcen fast 19 Mio Menschen ernähren, ausbilden und mit Wohnraum versorgen können?

ohne Innovationen.

DDR Technik flog durchs All, BRD Technik nicht.

Während sich Siemens Chipdesign aus Japan kaufte, mussten sich DDR Ingenieure das selbst ausdenken, inkl. einer neuen Fertigungstechnologie für integrierte Schaltkreise.

Die hochauflösendste Kamera der Welt, die seinerseits modernste E-Lokomotive der Welt, die erste Verbundfaserkarosserie der Welt, das alles stammte aus der innovationslosen DDR. Übrigens auch das Material, aus dem deine FFP2 Maske besteht.

Die Überwachung war auch häufig das Gegenteil von Zusammenhalt, wenn die Kinder ihre Eltern verraten hatten.

Ahja. Wie häufig? Du plapperst doch nur nach, was du mal irgendwo aufgeschnappt hast. Du hast gar keine Ahnung, wie es in der DDR war, reißt aber jetzt die Klappe auf.

Ja, vieles war schlimm. Für einiges konnte die DDR nichts, andere Dinge waren schlicht Verbrechen.

Im Gegensatz zu dir können die meisten der ehem. Bewohner der DDR aber durchaus zwischen beidem unterscheiden, und auch das schätzen, was sie hatten.

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Ich bin ehemaliger DDR-Bürger und verstehe auch nicht, dass manche Leute so schwärmen über die DDR. Ich weiss, wie viele negative Seiten die DDR hatte und auf wie viel man da verzichten musste. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die Leute sich gerne an ihre Jugend erinnern. Die Jugend haben sie eben in der DDR verbracht. Da blenden sie dann wohl alles negative aus, erinnern sich nur an die guten Sachen.

Vor allem war nach der Wende fast alles in der DDR kaputt, wird wahrscheinlich so sein, wie du sagst!

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Heute nennt man das Ostalgie, selige Erinnerung.

Das hat mit den gebrochenen Biographien im Zuge der Wiedervereinigung zu tun.
Für die Westdeutschen änderte sich nur die Postleitzahl.

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