Warum sollen Fische so viel Platz brauchen?

 - (Tiere, Fische, Aquarium)

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Nennt sich artgerechte Tierhaltung. In freier Wildbahn legen auch kleine Fische kilometerlange Strecken zurück, da ist ein möglichst großes Aquarium das mindeste. Man kann ja z.b. auch sehr viele kleine Kinder in einem 15 qm Zimmer einsperren, da passen schon ein paar rein. Aber früher oder später würden die sehr unglücklich.

erst mal gilt es zu unterscheiden, was der Händler und was eine Privatperson mit der Hälterung der Tere bezweckt:

der Händler behält die Fische meist nur über sehr kurze Zeiträume in seiner Anlage (etwa 2-4 Wochen im Durchschnitt). Die Tiere leben also nur sehr kurz in diesen Becken und werden danach in ein privates Becken umgesiedelt.

die Privatperson hält die Tiere aber bis zu deren Lebensende, was bei manchen Fischen bis zu 15 Jahre bedeuten kann! und diese Zeit sollte der Fisch in einer führ ihn ideal eingerichteten Umgebung verbringen können.

denn unter den Falschen Bedingungen leidet der Fisch unter Stress, eventuell starker Nahrungskonkurrenz und im schlimmsten Fall falschen Wasserwerten, was sich negativ auf die Lebenserwartung auswirkt. wenn das Tier also über einen längeren Zeitraum diesen falschen Haltungsbedingungen ausgesetzt wird, stirb er auch viel früher. (es gibt im Internet eine Tabelle, die erschreckend darstellt, wie viele Zierfische deutsche Halter im Jahr verbrauchen (und ja, ich schreibe mit Absicht verbrauchen). denn würde jeder dieser Fische Artgerecht gehalten werden und dementsprechend seine Lebenserwartung erfüllen, müsste es etwa dreimal mehr Zierfischhalter geben, als es in Wirklichkeit sind).

ausserdem sind Fische extreme Charaktertiere, die durchaus in der Lage sind, schmerzen zu empfinden. und während manche Tiere gerne im Schwarm leben, sind andere so aggressiv, das nur die strikte Einzelhaltung in frage kommt.

Mein Fazit für dich: Aquarien sind hoch komplex, sowohl was die Biologie im inneren, als auch ihre Bewohner betrifft. und es mag ja für einen Betrachter gut aussehen, wenn es im Aquarium nur so vor Tieren wimmelt, aber Artgerecht ist das in den aller seltensten Fällen. Wir Menschen entscheiden uns ganz bewusst, ein Tier zu kaufen und sollten uns dabei auch der Verantwortung bewusst sein, die es mit sich bringt, wenn man ein solches Tier PFLEGEN möchte. denn genau das sollten wir tun: unsere Tiere pflegen.

Fische sind nicht dumm oder gefühllos.

Die meisten Fischarten haben ein komplexes Sozialverhalten. Vor allem innerartlich. Aber auch mit artfremden Fischen interagieren sie auf die eine oder andere Art. Verschiedene Fischarten sind nicht nur nicht näher verwandt als verschiedene Säugetiere, sie unterscheiden sich auch nicht weniger als verschiedene Säugetiere.

Wie viele Fische man zusammen auf einer bestimmten Fläche halten kann, ist extrem stark davon abhängig, welche Fischart es ist. Manche Arten haben am liebsten so viele Artgenossen wie möglich um sich herum, andere sind absolute Einzelgänger. Auch das Verhalten gegenüber artfremden Fischen ist bei jeder Fischart sehr unterschiedlich.

Neben dem Verhalten der Tiere gibt es beim Aquarium einen weiteren Faktor, der die maximale Besatzdichte bestimmt. Fische belasten mit ihren Ausscheidungen das Wasser (zu viel Pipi im Schwimmbad ist auch nicht gut). Damit müssen die schadstoffabbauenden Bakterien und die nährstoffverbrauchenden Pflanzen klar kommen. Schaffen sie es nicht, kollabiert das System, das Wasser kippt um und alles stirbt. Wie viele Fische ein Aquarium verträgt ist vor allem von 2 Faktoren abhängig. Erstens wie viel Siedlungsfläche für Filterbakterien zur Verfügung steht. Die Siedlungsfläche für Bakterien ist von der Einrichtung des Aquariums und von der Qualität und Größe des Filters abhängig. Zweitens wie die Tiere ernährt werden müssen um gesund zu bleiben. Fleischfresser belasten das Wasser deutlich stärker als Algen- und Aufwuchsfresser, Fleischfresser brauchen also pro Tier mehr Filterbakterien als Algen- und Aufwuchsfresser.

Im Verkaufsbecken werden aus Kostengründen sehr viele Fische zusammen auf kleinem Raum gehalten. Auf solche Verhältnisse reagieren Fische genau wie Menschen in einer überfüllten U-Bahn reagieren. Sie stellen ihre eigenen Bedürfnisse und die Entfaltung ihrer Persönlichkeit so weit wie möglich zurück und konzentrieren sich vor allem auf Konfliktvermeidung, um nicht angegriffen zu werden. Kein Mensch bleibt seelisch gesund, wenn er sein ganzes Leben in einer überfüllten U-Bahn verbringen muss. Den Fischen geht es ähnlich. Fische entwickeln schwere Verhaltensstörungen, wenn sie Dauerstress ausgesetzt sind. Für ein paar Wochen im Verkaufsbecken ist alles (bei den meisten Arten) kein Problem, aber auf Dauer würde es eine Katastrophe geben. Der Stress lässt schließlich auch das Immunsystem kollabieren, dann werden die Fische krank und sterben.

Schön ist das nur für Dich. Für die Fische bedeutet es einen enormen Stress, wenn das Becken überfüllt ist. Stell Dir vor, Du müsstest mit 15 Personen, die Dir auch noch fremd sind, in zwei Zimmern wohnen. In Flüchtlingslagern gibt es solche Zustände, aber dort kommt es deshalb auch immer zu Konflikten.

Hallo busspuss99,

im Zoo wirst Du so etwas sicher nicht sehen und im Geschäft sind das Verkaufsbecken, meist ohne Pflanzen und Wurzeln, da dadurch das heraus fangen erschwert wird und in denen die Fische nur einige Zeit, bis zum Verkauf bleiben, aber zu Hause, sollte es doch wenigstens das mindeste an Maß eingehalten werden, auch sollte dort ein natürliches Biotop nachgebildet werden, damit sich die Fische wohl fühlen!

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