Warum sagt man in Deutschland die hintere Zahl als erstes?

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Interessante Frage. Nehmen wir mal "vierundzwanzig" als Beispiel.

Dänisch verwendet dieselbe Konstruktion: "fire og tyve" (der Deutlichkeit halber mit Leerzeichen geschrieben, tyve = 20)

Jedoch Schwedisch "tjugofyra" (=zwanzigvier). Auch Isländisch hat zwanzig vorne "tuttugu og fjórir" (=zwanzig und vier).

Die Grenze zwischen den beiden Konstruktionen ist also zwischen Dänemark und Schweden. Evtl. hat das Dänische sich hier der deutschen Konstruktion angepasst (die anderen nordgermanischen Sprachen unterscheiden sich hier vom Dänischen, das auch davon abgesehen ein "besonderes" Zahlensystem hat, nämlich Reste eines Vigesimalsystems).

Mathematisch gesehen gilt ja die "Kommutativität", es ist also egal, ob man nun 4 + 20 oder 20 + 4 schreibt/sagt.

Zunächst einmal muss man präzisieren, dass das nur für die Zahlen von 13 bis 99 gilt.

Nicht nur Deutsch, auch Niederländisch ist betroffen.

Und Englisch: bei Zahlen zwischen 13 und 19! (Merkt wohl keiner)

Über die Gründe kann man mutmaßen: Im Prinzip ist es egal, ob man "Äpfel und Birnen" oder "Birnen und Äpfel" sagt. Rechnerisch ist es egal, ob man 20+4 oder 4+20 rechnet. Deshalb ist es im Prinzip auch egal, ob man "vierundzwanzig" oder *"zwanzigundvier" sagt.

Bei den Zahlen unter 100 hat sich die erste Version eingebürgert. Welche bestimmte Alternative sich bei mehreren Möglichkeiten in einer Sprache durchsetzt, ist in der Regel zufallsabhängig. Sprache ist graduell "Wildwuchs".

Dass bei höheren Zahlen die Hunderter und Tausender zuerst genannt werden, kann daran liegen, dass der Umgang mit höheren Zahlen geschichtlich erst später stattfand und sich dafür die 2. obige Variante durchsetzte.

Aber oberhalb von 1.000 wurden die Tausender unter 100.000 wieder gezählt wie die Zahlen unter 100, also die 1. Variante bevorzugt.

Vom Praktischen her kann man argumentieren, dass es sinnvoller ist, die größte Einheit zuerst zu nennen, damit der Hörende früher abschätzen kann, über welches Quantum man spricht, also etwa für 231.567 zu sagen:

2 Hunderttausender, 3 Zehntausender, 1 Tausender, 5 Hunderter, 6 Zehner und 7 Einer.

Dem entspricht nun das deutsche Zahlensystem (und das vieler anderer Sprachen) gar nicht. Also hat es keinen Sinn, nur die Zahlwörter von 13 bis 99 zu bemängeln. Allerdings sollte man beim Telefonieren die Telefonnummer (ebenso Kontoangaben usw.) nicht in Zweiergruppen einteilen, sondern jede Ziffer einzeln in der Reihenfolge von links nach rechts nennen, um Dreher in den Notizen des Rezipierenden zu vermeiden. 

Das ist sprachliche Unlogik, die es in jeder Spache gibt.

Die französischsprachigen Westschweizer sagen z.B. für 90 "nonante" (logisch), die Franzosen weitaus umständlicher und eigentlich unlogisch quattre-vignt-dix (also Vier-Zwanzig-Zehn).

Sprache lebt und alles was lebt, kann man nicht in starre Regeln pressen. Zum Glück! (Leider zum Unglück der Erstklässler, die das erst mal lernen müssen).


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