Warum handelt es sich bei der Psychotherapie nicht um einen vollkommenen Markt (Wirtschaft)?

5 Antworten

Weil einmal die Transparenz zu den Leistungen und ihren Erfolgen fehlt und zum Zweiten die Patienten im Zweifel nicht in freier Wahl entscheiden können. Schon mal einen Psychotherapeuten gesucht und daran verzweifelt, dass es kaum Informationen gibt über deren Ausbildung, Einstellung und Methoden. Die Krankenkassen verschicken z.B. unkommentiert eine Adressenliste. Da wühl Dich mal durch. Eigentlich bräuchte man vorher bereits eine gute Diagnose, welche Art von Psychotherapeuth man benötigt, weil dieses Fachgebiet sehr vielfältig ist. Also Transparenz geht gegen Null.

Es gibt ja besitmmte Eigenschaften, die erfüllt sein müssen, damit ein vollkommener Markt vorliegt. Wenn davon auch nur eine nicht zurtifft, gilt ein Markt nicht als vollkommen. Im Falle der Psychotherapie wäre da z.B. mangelhafte Markttransparenz zu nennen. Medizinische Dienstleistungen sind generell ein gutes Beispiel für asymmetrisch verteilte Informationen. Wer zum Arzt geht, muss sich im Regelfall drauf verlassen können, dass der schon das richtige diagnostiziert, da er eben über Fachwissen verfügt, das sich ein Nichtmediziner nicht auf gleichwertigem Niveau zulegen kann.

Alleine schon dadurch, dass für die Eröffnung einer Praxis nur eine bestimmte Anzahl von Zulassungen pro Stadt / Region vergeben wird, wird der Markt beschränkt und das Angebot künstliche verknappt. Obwohl genug Therapeuten und auf jeden Fall genug Klienten da wären...

Ein Markt ist ein Handelsplatz, an dem Waren oder Dienstleistungen ausgetauscht werden.

ich komme nicht aus der Wirtschaft

was versteht man unter einem vollkommenen Markt?

Jetzt habe ich etwas mehr Zeit, um dir den Begriff erläutern zu können...:

Der vollkommene Markt ist ein Modell mit welchem das Preis-Mengen-Verhalten und somit auch die Preisbildung untersucht werden kann. Es ist ein Modell indem alle Marktteilnehmer nach dem ökonomischem Prinzip (Anstreben der Gewinnmaximierung) handeln. Es müssen folgende Bedingungen/Merkmale/Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Markt als vollkommener Markt gelten kann:

Die Güter müssen hinsichtlich Qualität, Aufmachung und Verpackung vollkommen gleichartig (homogen) sein, damit sie einem allgemeingültigem Preis zugeordnet werden können. Es müssen viele Anbieter und viele Nachfrager (= Polypol) vorherrschen, damit kein Marktteilnehmer den Preis beeinflussen kann. Ebenfalls müssen Marktteilnehmer über eine vollständige Marktübersicht verfügen, damit Angebot und Nachfrage für alle Marktteilnehmer überschaubar sein, um eine Markttransparenz zu gewährleisten (Erläuterung Markttransparenz = Also jeder Marktteilnehmer muss bei einem vollkommenem Markt im Prinzip die gleichen Informationen über den Markt haben -> Die Anbieter wissen, bei welchen Preisen und Mengen die Nachfrager die angebotenen Güter kaufen möchten, und die Nachfrager sind darüber informiert, zu welchen Preisen und Mengen die Anbieter ihre Güter verkaufen möchten.). Desweiteren müssen die Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter und Nachfrager gleich sein, das heißt keine Bevorzugung durch persönliche Präferenzen (z.B. langjähriger Freundschaft), räumlicher Präferenzen (z.B. geringere Transportkosten), zeitlicher Präferenzen (z.B. kürzere Lieferfristen) und sachlicher Präferenzen (z.B. Qualitätsunterschiede) . Außerdem muss eine unmittelbare Anpassung der Akteure an die Verhältnisse des Marktes (unendliche Reaktionsgeschwindigkeit) vorliegen. Als Folge der genannten Bedingungen ergibt sich eine einheitliche Preisbildung.

Ich hoffe, ich habe dir dies verständlich erläutert. Gern kannst du dich hier zu dem Begriff "vollkommenen Markt" auch nochmal belesen...

http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/21070/vollkommener-markt

...oder du beliest dich dazu auf anderen Internetseiten nochmal...

---

Meine Frage war ja nun wieso es sich bei der Psychotherapie, in Hinblick auf die oben genannten Merkmale eines vollkommenen Marktes, halt 'nicht' um einen vollkommenen Markt handelt.

Ich hoffe, die Erläuterung bringt Licht ins Dunkle und ich wäre sehr froh, wenn du mir nun helfen könntest meine Frage zu beantworten oder nen Denkanstoß zu geben!

Liebe Grüße, MarisaGarcia

1
@MarisaGarcia
Die Güter müssen hinsichtlich Qualität, Aufmachung und Verpackung vollkommen gleichartig (homogen) sein,

psychotherapeutische Ansätze und die Qualität des Therapeuten sind unterschiedlich

zudem kommt es auch auf die Passung zwischen Patienten und Therapeuten an (ein Therapeuten der für den einen gut ist, muss für den anderen noch lange nicht gut sein!)

auch gibt es Therapeuten mit Krankenkassenzulassung und welche ohne, die also nur Privatpatienten nehmen

da es zu wenig (Kassen-)Psychotherapeuten für zu viele Patienten gibt, hat der Patient nicht immer die freie Wahl, zu wem er geht, sondern muss das nehmen, was er gerade kriegen kann (auch da kann es zu monate- oder, wenn es ganz schlecht läuft, zu jahrelanger Wartezeit kommen)

ob der Therapeut gut ist, stellt sich erst im Laufe der Therapie heraus

da es sich beim Therapeuten um einen Menschen und kein totes Objekt handelt, kann es zu unvorhersehbaren, evtl. störenden zwischenmenschlichen Entwicklungen kommen (z.B. starke Abneigung, sexuelle Gefühle oder Liebe)

0

Was möchtest Du wissen?