Warum gibt es das Holozän?
In der Wissenschaft werden die Erdzeitalter ja genau nach Jahreszahlen unterteilt und benannt, meist aufgrund von Klimaveränderungen, teltonischen Prozessen oder großen Katastrophen. Doch warum gibt es das Holozän?
Es gibt zwar eine sehr deutliche Klimaänderung beim Übergang Pleistozän/Holozän von bis zu 8 Grad in paar tausend Jahren, aber das ist ein normaler Wechsel zwischen Glazial und Interglazial, wie es ihn schon viele Male zuvor gegeben hatte. Demnach müsste z.B. die Eem-Warmphase oder die Saale-Eiszeit ebenfalls ein eigenes Erdzeitalter sein wie eben das Holozän. Wir leben doch immernoch im großen Eiszeitalter, welches vor rund 2,5 Millionen Jahren langsam begann. Der Mensch nimmt zwar stark Einfluss darauf, aber das hat ja nichts mit den natürlichen Prozessen zu tun und passiert in diesem Ausmaß erst seit einigen Jahrzehnten, nicht im gesamten Holozän!
Die Unterteilung in ein neues Zeitalter "Antropozän" würde also Sinn machen, die Abgrenzung Holozän/Pleistozän hingegen ist erdgeschichtlich doch unsinnig oder?
3 Antworten
Geologe hier.
Die Benennung von Erdzeitaltern richtet sich vor allem danach, wie nützlich ein solcher Begriff ist, um paläontologische und geologische Ereignisse voneinander abzutrennen. Das Holozän hat hier einfach einen Sonderstatus, weil es das aktuellste Interglazial ist. Das finde ich nicht weiter ungewöhnlich.
Wobei auch die vorherigen Interglaziale eigene Namen haben, das letzte heißt schlicht Eem, wie du ja bereits schreibst.
Wir leben doch immernoch im großen Eiszeitalter, welches vor rund 2,5 Millionen Jahren langsam begann.
Hier lauert das alte Problem vieler Naturwissenschaften - wer darf Begriffe definieren? Das Wort Eiszeit wurde historisch in der Geologie anders benutzt als in der Geographie, was immer wieder große Verwirrung stiftet. In der Geologie ist Eiszeit = "irgendwo auf der Erde ist Eis", also seit 34 Millionen Jahren durchgehend, seitdem die Antarktis vergletscherte. In der Geographie ist Eiszeit = "Europa ist mit 3 km Eis bedeckt", also ein Zustand, der rund alle 100.000 Jahre auftritt und derzeit halt nicht.
Die geologische Vereinigung empfiehlt daher schon lange, den Begriff Eiszeit gar nicht mehr zu gebrauchen. Manche benutzen für große Zeiträume "Eiszeitalter", aber die Definition ist hier ebenfalls unscharf. Wenn ich das Wort "Eiszeitalter" höre, würde ich aber zuerst an die Gesamtheit der letzten 34 Millionen Jahre denken, nicht an 2,5 Millionen.
bis zu 8 Grad in paar tausend Jahren
8 Grad nur an den Polen (dort, wo die Eiskernbohrungen gemacht wurden), global etwa die Hälfte davon.
Interessant, ich studiere Geographie und nutze daher die entsprechende Definition. Geologisch kann man natürlich sagen, dass das Holozän Sinn ergibt, weil sich auch innerhalb dieser Phase einiges verändert hat. Diese Veränderungen gab es z.B. im Eem und früheren Interglazialen auch, aber die wurden ja wieder durch vorrückendes Eis "geplättet", also kaum noch sichtbar für uns...
Es war umgekehrt. Zuerst wurden "Erdzeitalter" z.B. nach charakteristischen Gesteinen und Regionen, in denen diese vorkommen, benannt (z.B. Devon, Jura, Kreide, Zechstein) - erst viel später konnte man dazu Zeiträume (Jahreszahlen) nennen.
Es gab und gibt immernoch durchaus auch Meinungen, dass es das Holozän als Bezeichnung nicht geben dürfte, weil die warme Phase nur eine Zwischeneiszeit (Interglazial) darstellt und nicht das Ende der letzten Eiszeit. Trotzdem wurde das bisher nicht geändert, weil das Holozän auch eine kulturhistorische Änderung bedeute, denn Ackerbau und Viehzucht bzw. die Landwirtschaft entwickelten sich erst mit dem Beginn des Holozäns und das war quasi die Vorstufe zu den ersten Hochkulturen, weil die Menschen sesshaft wurden und ihre Nahrung selbst produzieren konnte. Die Zeit der Sammler und Jäger endete quasi.
Nein, zu Beginn des Holozäns hatte der Mensch noch keinen nennenswerten Einfluss auf das Klima, die Atmosphäre, die Umwelt usw. das begann letztlich erst mit der verstärkten Urbanisierung in der Neuzeit und vorallem der Industriealisierung. Antropzän wäre also für damals nicht die richtige Bezeichnung gewesen, das würde eher auf die heutige Zeit zutreffen.
Dann müsste es aber doch eher der direkte Übergang vom Pleistozän ins "Antropozän" sein oder?