Warum baut man in Deutschland nicht einfach alle Autobahnen z.b. 5- oder 6-Spurig aus?

21 Antworten

Weil es teuer ist, weil der Platz vorhanden sein muss, weil dann auch alle Brücken erneuert werden müssen, weil wahrscheinlich tausende Klagen eingehen, weil es Jahrzehnten dauern würde, weil es über Jahrzehnte den Verkehr auf allen Autobahnen behindern würde usw.

Zurzeit wird die A7 in Schleswig-Holstein auf 150 km von vier- auf sechsspurig ausgebaut. Geplante Bauzeit mehrere Jahre. Die Baustelle treibt zurzeit den gesamten Berufsverkehr in den Wahnsinn. Das möchte ich mir für alle Autobahnen gleichzeitig nicht einmal vorstellen.

Als Nachtrag zu meiner ersten Antwort habe ich jetzt mal etwas recherchiert und gerechnet ...

Wir haben derzeit ein Autobahnnetz von ca. 13.000 km

Wollte man das komplett auf 5-6 Spuren erweitern, müssten die Autobahnen im Durchschnitt ca. 20 m breiter werden.

Der Flächenbedarf für Dein Projekt wäre also 13.000.000 m * 20 m = 260.000.000 m².

Wenn wir jetzt mal vom günstigsten Fall ausgehen, dass diese Flächen bisher als Ackerland klassifiziert sind, haben wir einen Preis von ca. 1,40 Euro pro m².

Allein der Flächenankauf würde dann also 1,4 €/m² * 260.000.000 m² = 364.000.000 € (in Worten: 364 Millionen Euro) kosten.

Dazu kommen dann natürlich die eigentlichen Baukosten, z. B. das Material für die Fahrbahndecke. Eine Beton-Fahrbahndecke hat eine Dicke von ca, 25 cm. Aus den 260.000.000 m² Fahrbahnfläche werden damit 0,25 m * 260.000.000 m² = 65.000.000 m³ Beton.

Ein Kubikmeter Beton der entsprechenden Qualität kostet ca. 160 Euro.

Allein das Material für die Fahrbahndecke würde dann also 160 €/m³ * 65.000.000 m³ = 10.400.000.000 € (in Worten: 10,4 Milliarden Euro) kosten.

Dazu kommen dann noch mal ungefähr die gleichen Material-Kosten für die Tragschicht, außerdem das Material für Frostschutzschicht und für weiteren Unterbau.

Alleine das Material für die Fahrbahn würde also schon mehr kosten, als der Jahreshaushalt des gesamten Bundesverkehrsministeriums beträgt. Und darin ist noch kein Euro für Beton, Stahl usw. für notwendige Brückenbauwerke, Tunnelauskleidungen, Lärmschutzwände u. a. m. enthalten.

Und darin ist noch kein Euro für die Lohn- und Maschinen-Kosten enthalten - das Material baut sich ja nicht von selber ein.

Dazu passend: derzeit arbeiten in Deutschland über 60.000 Menschen im Straßenbau - Deine Annahme, mit 15.000 Arbeitern hin zu kommen, ist also ziemlich sicher ziemlich viel zu wenig ...

Und selbst wenn das hinkommen sollte: 15.000 Bauarbeiter kosten jeden Monat 15.000 * 2.000 € = 30.000.000 €, im Jahr 12 * 30.000.000.€ = 360.000.000 € (in Worten: 360 Millionen Euro) Bruttolohn, hinzu kommt nochmal fast das Gleiche an Lohnzusatz- und -Nebenkosten.

Und bei den Lohnkosten muss man nicht nur die Bauarbeiter bedenken, sondern auch die Architekten, Ingenieure, Bauzeichner u. a. m., die den ganzen Bau planen und organisieren.

Das alles nur, um Dir mal zu zeigen, woher die Kosten kommen.

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Zu den Gesamtkosten Deines Projektes:

Insgesamt kostet jeder Kilometer Autobahn-Ausbau oder -Neubau ca. 10 Millionen Euro (s. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/257535/umfrage/autobahnen--durchschnittskosten-je-kilometer-bauleistung-in-deutschland/)

Bei 13.000 km Länge macht das 13.000 * 10.000.000 € = 130.000.000.000 € (in Worten: 130 Milliarden Euro) - etwa das Fünffache des Geldes, dass dem Bundesverkehrsministerium pro Jahr zur Verfügung steht.

Andere Quellen sagen sogar, incl. "Bürokratie" läge der Preis bei über 25 Millionen (http://frag.wikia.com/wiki/Was_kostet_(im_Durchschnitt)_ein_Kilometer_Autobahn.), was zu einem Gesamtpreis von über 400 Milliarden führt - mehr als der gesamte Bundeshaushalt eines Jahres ...

1. Platz 2. Haben wir meistens Stau gerade wegen Bauarbeiten 3. Kosten

Und so einfach ist das nicht mit dem bauen, du brauchst erstmal den gescheiten Untergrund. Dann eine Masse an Beton/Teer und Schotter etc. etc

Die kosten sind, habe ich irgendwo mal gelesen, etwa 10 Millionen Euro pro Kilometer, kannst dir ja ausrechnen was das insgesamt kosten wird :)

nicht nur viel zu teuer, sondern oft auch nicht möglich, weil der platz nicht da ist oder anlieger gegen ausbauvorhaben juristisch vorgehen. dann gibt es politiker, die tunlichst darauf achten, dass in ihrem wahlkreis keine negative stimmung ihnen gegenüber aufkommt, nur weil die autobahn breiter gemacht werden soll.

wie schwer es ist infrastrukturmassnahmen durchzusetzen, siehst du am stromtrassenbau, der nicht wirklich voran kommt, weder überirdisch, noch unterirdisch.

das beispiel in moskau geht nur in einem totalitären staat. wahrscheinlich benötigen irgendwelche politbonzen diese strasse, um schnell irgendwo hin zu kommen, z.b. vom puff zum kremel oder so. im restlichen russland wird es sicherlich nicht so grosszügig und -spurig ablaufen.

annokrat

Hmm nagut ich kann mir vorstellen dass auch in Deutschland eine wichtige Hauptstraße in Berlin oder so relativ schnell erneuert werden würde.

Natürlich nie und nimmer an einem Tag;) aber im vergleich zu den meisten autobahnbaustellen in einem winzigen Augenblick :D

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Weil kein Zukunftswert von solch einem Projekt erwartet wird.
Es wäre natürlich möglich innerhalb kürzester Zeit gewaltig etwas auszubauen und man würde es machen, würde man darin eine Notwendigkeit sehen.

Aktuell stehen wir aber eher vor der Frage wohin soll die Entwicklung gehen. Bezüglich des Straßenverkehrs haben wir 2 Probleme. Einerseits sind wir Materialtechnisch noch nicht so weit das wir PKW 1:1 gegen Elektrofahrzeuge tauschen können. Andererseits ist uns klar, dass Benzinfahrzeuge keine Zukunft haben weil wir nicht den Treibstoff haben.
Energetisch ist die Förderung von Straßenverkehr wenig sinnvoll.

Ein zweites Großes Problem ist die Erkenntnis dass der Ausbau der Verkehrswege sich bisher nie als dauerhafte Entlastung herausgestellt hat dies betrifft auch insbesonder den öffentlichen Verkehr.
Schon kurz nach der Verbesserung der Verkehrsmöglichkeiten werden diese bis zur Grenze der Leistungsfähigkeit genutzt.
Dies steht im krassen Widerspruch zur Tatsache, dass wir sehr viel Verkehr gar nicht benötigen. So verstopfen viele Pendler die Verkehrswege obwohl ihre physische Anwesenheit am Arbeitsplatz gar nicht nötig wäre. Auch der massive Individualverkehr der tagtäglichen Erledigungen ist nicht erforderlich in unserem Informationszeitalter.
Teilweise sehen wir das schon am Onlinehandel. Statt dass 100 Menschen noch fix im nächsten nächsten Einkaufszentrum vorbeifahren ist es sinnvoller wenn ein einziges Fahrzeug 100 Pakete ausliefert. Desto mehr diese Art die Versorgung vorhanden, desto mehr Produkte wird das umfassen.

Insgesamt kann es daher kein sinnvolles Ziel sein, den PKW Verkehr durch breitere Straßen zu unterstützen.

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