Wann passt der Buddhismus zu einem?

12 Antworten

Ich bin Soto-Zen-Buddhist und möchte dir ein paar Anregungen geben:

Als Buddhist bist du vollständig selbst für dein Leben verantwortlich - es gibt keine höhere Macht, kein Schicksal oder Gott, an die du Verantwortung abgeben könntest

Der Buddhismus hat keine absoluten Gebote und keinen Katechismus, du musst immer deinen eigenen Verstand benutzen, um Verständnis zu entwickeln.

Auch die fünf Sittlichkeitsgelübde, die jeder Buddhist befolgt, sind nicht absolut definiert, so dass du bereit sein musst, selbst ihre Tiefe zu erfassen.

Es gibt weder Sünden noch Vergebung - ein starker Kontrast zu den üblichen Vorstellungen und so denken selbst viele Buddhisten noch nach diesem Muster

Die Vorstellung das "gute" Taten belohnt und "böse" Taten bestraft werden - durch einen Gott, ein Schicksal, oder eine ausgleichende Gerechtigkeit, gibt es nicht.

Es gibt kein ewiges Selbst und du akzeptierst, dass dein "Ich" (Ego) lediglich ein Konstrukt deines Bewusstseins ist, dass dir oft den besten Weg verbaut.

Du erkennst, dass das Leben, egal wie angenehm es scheinen mag, letztlich immer leidvoll ist, weil unser Ego immer neue Bedürfnisse zur Befriedigung schafft,

Du akzeptierst, das "Anhaftung" an materielle Dinge, geliebte Menschen, aber auch an Dogmen, Regeln und Glaubenskonzepte, überwunden werden muss.

Der Buddhismus spricht sich nicht gegen Wohlstand aus, aber sobald man meint, durch Anhaftung dauerhafte Befriedigung zu erlangen, ist man auf dem Holzweg.

Du akzeptierst, dass der Buddhismus zwar vielleicht "dein" Weg sein mag, dass er aber kein Exklusivrecht auf Wahrheit hat. Andere Wege haben den gleichen Wert.

Wer also meint, sich als buddhistischer Ex-Christ, Ex-Muslim, Ex-Irgendwas nun plötzlich den Anderen "überlegen" zu fühlen, hat eine falsche Geisteshaltung.

Außerdem ist man bestrebt in einer Weise zu handeln, bei der das Leiden für alle Wesen so weit wie möglich vermieden, oder idealerweise sogar verringert wird.

Man ist also nicht nur für sich verantwortlich, sondern auch mitverantwortlich für den Zustand der Welt, der Gesellschaft und sollte überlegen, wo man handeln kann

Soweit von mir die Denkanstöße

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gibt es im Buddhismus nicht die Vorstellung von Karma?

also dass deine schlechte taten schlechte folgen haben und gute taten gute folgen?

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@Mavrin97

"Karma" bedeutet einfach "Handlung/Tat"

Es bedeutet besagt, dass jede Aktivität, sei es des Geistes (Gedanken), des Wortes (Rede) oder des Körpers (Tat) eine Folge hat, die zur Ursache neuer Wirkungen wird.

Man nennt Karma daher auch das "Prinzip von Ursache und Wirkung"

Beispiel

Wenn wir Umweltzerstörung betreiben und es treten vermehrt Naturkatastrophen auf, dann ist das keine "Strafe", sondern einfach die Folge unserer Handlungen.

Karma hat also nichts mit "Moral" oder "Gerechtigkeit" zu tun, sondern es geht nur um die Konsequenz unserer eigenen Gedanken, Worte und Taten.

Kausalkette:

Wenn wir schlecht gelaunt sind (Geist) und diese Haltung nicht ändern, werden wir negatives sagen (Rede) oder negativ Handeln (Tat).

Wenn wir zB negativ mit jemandem reden, dann führt dass häufig dazu, dass er ebenfalls eine negative Geisteshaltung bekommt und entsprechend handelt.

Ein Beispiel ist der Abteilungsleiter, der von seinem Chef ungerecht behandelt wird und seinen Frust wiederum an seinen Untergebenen auslässt.

Diese Kausalkette ist "Karma"

Der Buddhismus lehrt, wie man diese Tendenzen erkennen und seine geistige Verfassung wieder ins Gleichgewicht bringt - die Negativ-Kette wird unterbrochen

Würde der Abteilungsleiter den Buddhaweg üben, würde er diesen Effekt womöglich erkennen und sein Verhalten gegenüber den Angestellten ändern.

Ursprung

Manchmal fragt man mich, "Wo hat das Karma angefangen? Wo ist der Ursprung? Die erste Aktivität? Vielleicht doch ein Gott?"

Der Buddha hat zu solchen Fragen stets geschwiegen, weil sie keine Relevanz für unser jetziges Leben haben - die Vergangenheit ist vergangen.

Das gleiche mit der Frage der Wiedergeburt. Viele halten die Wiedergeburt für ein besonders wichtiges Thema - aber in der Lehre des Buddha ist sie es meiner Meinung nach nicht.

Es ist völlig egal, ob es "frühere Leben" gibt - wir leben im Hier und Jetzt und nur hier und jetzt können wir unser "Karma" ändern,

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Er passt zu Dir lieber Mavrin97, wenn

  1. Du bereit bist DIE VOLLE VERANDWORTUNG, für Dich, Dein Leben, Deine Taten zu übernehmen
  2. Du keine Erlösung von einem (imaginären) Schöpfergott erhoffst (oder bereit bist, davon Abstand zu nehmen),
  3. Du mit Suchendem Geist unterwegs bist, weil Du die Wahrheit finden möchtest, selbst dann, wenn Du weißt, dass Du sie vielleicht nie findest,
  4. die Abhängigkeit von materiellen Dingen und sozialen Beziehungen abgeben (oder zumindest verringern) willst,
  5. nicht glauben willst, was "man" Dir sagt,
  6. Du bereit bist vorurteilsfrei "auszuprobieren", was für Dich stimmig ist

Das sind jetzt 6 Punkte - sobald mindestens 3 (oder mehr) auf Dich zutreffen, solltest Du den B. mal ausprobieren:)

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ich kann mich zwar vom materiellien lösen, habe aber trotzdem gerne was materielles. ist dies nicht ein widerspruch?

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@Mavrin97

Ja, aber das ist kein Problem: Der Buddhismus erkennt an, dass Menschen widersprüchliche Wesen sind!

Wenn Du was Materielles gerne hast, dann ist das nur normal - keinesfalls "schlecht" - Buddhismus - zumindest so, wie ich ihn verstehe - will praktische Lebenshilfe sein für Menschen im hier und jetzt.

Daher appelliert - zumindest der Mahayana-Buddhismus an Dich, dass Du Dich - auch mit Deinen menschlichen Fehlern, Bedürfnissen und Schwächen - so akzeptierst, wie Du bist!

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@ArbeitsFreude

Ja das sehe ich ähnlich.

Es gibt die Geschichte des japanischen Teemeisters Sen no Rikyu. Der damalige Shogun lud ihn ein, eine Teezeremonie in einem goldenen Raum abzuhalten.

Rikyus Schüler waren entsetzt über die Einladung, denn gerade Rikyu hatte immer Einfachheit und Natürlichkeit betont, es solle kein Protzen geben.

Aber Rikyu sagte zu und hielt die Zeremonie im goldenen Raum ab - weil er der Überzeugung war, dass es auf den Geist des Menschen ankommt.

Rikyu konnte den Tee mit der gleichen respektvollen Haltung in einer kleinen Hütte oder einem goldenen Zimmer abhalten - weil er nicht daran haftete.

Hätte er gesagt "der Teeweg darf nur in ärmlichen Räumen geübt werden", dann wäre das eine Anhaftung an eine äußere Form gewesen.

So konnte er auch in einem goldenen Raum praktizieren, ohne deswegen stolz oder hochnäsig zu werden - er haftete nicht an der Vorstellung vom "einzig wahren" Teeraum.

Ich denke, diese Geschichte kann man auch auf die Haltung des Buddhismus zum Reichtum und Wohlstand anwenden.

Es ist schön etwas "kostbares" zu haben, aber sobald wir meinen, nur mit diesem Luxus glücklich sein zu können, stellen wir uns selbst ein Bein.

Ich habe zum Beispiel diesen Computer - Luxus - der ist sehr praktisch und ich kann so zB auch viele Menschen erreichen.

Aber ich hafte nicht daran. Ich kann auch ohne Computer glücklich sein.

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