Wann dürfen oder sollten Christen laut Bibel nicht an einem Abendmahl teilnehmen?

13 Antworten


Hallo MarcoAH,

in der Alten Kirche durfte am Abendmahl nur teilnehmen, wer getauft (= eingeweiht ) war. Wer das Christentum noch erlernte (die Katechumenen), der musste den Gottesdienst vor dem Abendmahl verlassen. Denn die Heiligen Worte waren geheim (von einer Arkandisziplin geschützt – das Gegenteil von niedrigschwellig).

Und es gab die Möglichkeit, als eine sehr schwere Kirchenstrafe Menschen  vom Abendmahl und damit von der Sphäre des Heils auszuschließen (so etwas wie Stadionverbot für randalierende Fans heute). Dabei hat man  sich auf 1. Korinther 5 berufen: Paulus plädiert dort dafür, einen Mann, der mit seiner Stiefmutter Sex hatte, aus der Gemeinde auszuschließen.

Heute ist der Ausschluss vom Abendmahl eine eher theoretische Möglichkeit. Schließlich war das Abendmahl von Jesus als eine Art Party für Bankräuber praktiziert worden. „Dieser isst mit den Zöllnern und Sündern!“ (Lukas 15,2) – Dabei waren Zöllner noch etwas Schlimmeres: Räuber unter staatlichem Schutz. Die römischen Besatzer beschützen die Zolleinnehmer, die in ihrem Auftrag den eigenen Landsleuten die Kohle abknöpften. Beim Festmahl im Hause des Oberzöllners Zachäus gab es eine Demo vor der Haustür mit Sprechchören: „Jesus komm raus!“ (Lukas 19,7). Jesus ziemlich ungerührt: „Heute ist die Rettung zu diesem Haus gekommen.“ (Lukas 19,9)

Die letzte in der Reihe dieser unanständigen Mahlzeiten mit Menschen, die es nicht verdient hatten, wardas, woran wir heute noch beim Abendmahl erinnert werden: ein Festessenmit denen, die Jesus kurz darauf verraten, verleugnet und verlassen haben. Judas selbstverständlich auch dabei. Es scheint der Sinn dieses merkwürdigen Essens zu sein, dass man bekommt, was man nicht verdient hat. (Und auch nicht versteht. Es ist ein „mysterion“: kein Rätsel, das man lösen könnte, sondern ein bleibendes Geheimnis, das einem zu denken gibt.) Manchmal allerdings, im Rückblick, geht einem auf, wie gerade dies geholfen hat gegen die Angst und die Verzweiflung.

andreas@kirchenbotschafter



Diese Frage wird m. E. nicht eindeutig in der Bibel beantwortet. Zu NT-Zeiten wurde das Abendmahl anders als heute begangen.

Die grundsätzliche Bedeutung (Erinnerung an Jesus) hat sich jedoch nicht geändert. In vielen Gemeinden gibt es "Richtlinien", wer zum Abendmahl gehen kann. Aus oben genannten Grund sind diese wohl nicht deckungsgleich.

Ich denke, die Frage, bin ich "würdig" das Abendmahl einzunehmen oder nicht, muss jeder für sich selber persönlich, allenfalls im Gebet, beantworten. Wer es leichtfertig einnimmt, muss sich jedenfalls früher oder später vor Gott dafür verantworten.

Nirgendwo in der Bibel ist die Teilnahme am Abendmahl geregelt.

Das Abendmahl entwickelte sich erst aus dem Neuen Testament, genauer aus dem letzten Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern hielt.

Die Form des Abendmahles, wie es in den Kirchen gefeiert wird, ist Mensch gemacht, und Menschen machen die Regeln dazu.

Und "Christen" ist hier sehr mutig gewählt, weil es gewaltige Unterschiede beim Abendmahl von Katholiken und Protestanten gibt. Ich als Protestant (wenn auch nur auf dem Papier) darf nicht am katholischen Abendmahl teilnehmen.

Wobei es bei dem Ausschluß von Heuchlern vom Abendmahl wohl oft recht leer vor dem Altar wäre, oder es gar niemanden gäbe, der das Abendmahl spenden dürfte.

In der Bibel gibt es zu Deiner Frage keine Regularien.

In Matthäusevangelium heißt es an einer Stelle: "Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat,

so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe." Hier spricht Jesus zwar noch nicht vom heiligen Abendmahl, aber die Stelle lässt sich natürlich darauf übertragen.

Orientierung hierzu bietet die Überlieferung jedoch durchaus. Voraussetzung für den Kommunionsempfang ist in jedem Fall die Taufe. Je nach Konfession gibt es auch Regularien im Kanonischen Recht. Letztlich bleibt es eine individuelle Entscheidung.

http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/abendmahl-und-eucharistie-wer-darf-wo

Ein Katholik darf kein evangelisches Abendmahl einnehmen und umgekehrt ein evangelisch-reformierter Christ kein katholisches Abendmahl. Das hat mit dem Abendmahlsverständnis der beiden Kirchen zu tun. 

Einzig die  Lutherische (reformierte)  Kirche ist beim Abendmahl "katholisch" geblieben. 

Für die evangelisch-reformierten Christen nach Calvin und Zwingli sowie die Freikirchen ist das Abendmahl ein Gedächtnismahl in Erinnerung an das letzte Essen von Jesus vor seinem Tod. Eine biblisch begründeter Verzicht für Menschen gibt es da nicht. 

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