Unterschied zwischen Lutheraner und Methodisten?

3 Antworten

"quopiam" hat schon sehr viel Gutes geschrieben und eine runde Beurteilung hingelegt. Aber auf ein paar Kleinigkeiten möchte ich noch kurz eingehen:

Methodisten streben an, sich der Welt und ihrem Betrieb möglichst zu enthalten bzw. so weit es geht Anteil daran zu vermeiden.

Das darf man nicht so verstehen, als wären die Glieder der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK, so heißt sie in Deutschland) weltflüchtig oder gar weltfremd. Als kleine Kirche (international eine der großen evangelischen Denominationen [= Benennung, das Bekenntnis der Methodisten ist evangelisch, also die gleiche Konfession wie alle Protestanten]) hat die EmK hierzulande überdurchschnittliche viele Krankenhäuser und Senioren- bzw. Pflegeheime. Die diakonische Arbeit wird sehr ernst genommen. Auch der Einsatz in der Gesellschaft auf politischem Gebiet gilt den Methodisten nicht als unfein sondern als förderungswürdig.

Kirchenverfassung der Methodisten ist kongregationalistisch

Das stimmt nun gar nicht. Kongregationalistisch heißt, die Einzelgemeinde hat eine maximale Selbstständigkeit und -bestimmung. Methodistische Kirchen sind aber in Konferenzen organisiert. So nennen sich nicht nur die entsprechenden meist jährlichen Tagungen sondern so heißt auch das jeweilige Kirchengebiet (z.B. Süddeutsche Jährliche Konferenz). Diese Konferenz ist das (über Finanzen und Arbeitsschwerpunkte) entscheidende Gremium. Die Konferenz setzt sich aus gleich vielen Hauptamtlichen (Pastorinnen und Pastoren) und Ehrenamtlichen zusammen. Die Hauptamtlichen werden den Gemeinden (von der Bischöfin, dem Bischof) zugewiesen. Eine Auswahl der Mitarbeitenden durch die Gemeinde findet nur sehr begrenzt statt. Das alles kommt der synodalen Verfassung näher als dem Kongregationalismus, bei dem jede Gemeinde über ihre Arbeit, ihre Finanzmittel und ihre Mitarbeitenden selbst entscheidet.

Laienpredigt gibt es bei den Methodisten schon aus ihrer Frühzeit (18. Jhd.), da hat im Luthertum noch niemand an Lektoren oder Prädikanten gedacht. Die Mitwirkung beim Austeilen des Abendmahls ist für Laien (Nichttheologen) im Methodismus normal. Das Priestertum aller Gläubigen steht für alle Protestanten ganz außer Zweifel.

Die Unterschiede zwischen einem Vollblutlutheraner und dem Durchschnittsmethodisten betreffen eher untergeordnete Dinge: Der normale Gottesdienst lutherischer Tradition ist eher sakramental-feierlich und bei den Methodisten schlicht und einfach. Die Kleidung der Gottesdienst-Gestaltenden (um das Wort "Geistliche" zu vermeiden) ist im lutherischen Gottesdienst festlich-priesterlich und im methodistischen (landschaftlich unterschiedlich) eher zivil.

Die Unterschiede beider Konfessionen werden schon in ihrem Ursprung sichtbar. Der Methodismus wurde in England entwickelt und wurzelt in einer aus der anglikanischen Tradition stammenden Erweckungsbewegung. Die wurde von einer Gruppe von Menschen getragen und lösten eine neue Entwicklung auf einer breiten Basis aus. Die Reformation Martin Luthers wurzelt zunächst in seinem Denken, seiner theologischen Erkenntnis. Was er damit lostrat, hatte zunächst keinen breiten Rückhalt in der Bevölkerung, sondern wurde zuerst von den deutschen Fürsten aufgenommen. Die Kirche kam - mal ganz platt formuliert - durch eine Bewegung von oben nach unten zustande, ganz gegen Luthers Wunsch. Die Methodist Church entstand im Gegensatz dazu mehr durch eine Bewegung von unten nach oben, aus der Kirchenbasis heraus.

Beide Kirchen gehören zu den reformatorischen Kirchen und die Unterschiede sind gering, deshalb muß man schon genau hinschauen, um die unterschiedliche Schwerpunktsetzung zu erkennen. Für Methodisten stehen als Glaubensgrundlage die vier Säulen: Bibel, überlieferter Glaube, Vernunft und Erkenntnis, von denen die Bibel das wichtigste ist. Für die Glaubenspraxis ist die innere Erneuerung besonders wichtig, die persönliche Heiligung, die innere Wandlung oder der innere Weg zu einem neuen Menschen. Wichtig ist auch eine persönliche Bekehrung, mit der man sich in einem deutlichen Schritt zu Gott hinwendet und so der Erlösung teilhaftig wird. Im Luthertum steht der Gläubige allein auf dem Fundament der Bibel. Es gibt keine weiteren "Säulen", die dem Rang der Bibel gleichkommen. Die Bibel ist die Norm und der Maßstab, schränkt aber den Gebrauch von Erkenntnis und Vernunft nicht ein. In der lutherischen Kirche liegt der Schwerpunkt auf dem Glauben des Menschen, der eine Gnadengabe Gottes ist, die Erlösung durch den Glauben kann man sich nicht erarbeiten durch gute Werke oder innere Arbeit, sie ist eine frei geschenkte Gabe.

Methodisten streben an, sich der Welt und ihrem Betrieb möglichst zu enthalten bzw. so weit es geht Anteil daran zu vermeiden. Die frühen Methodisten gehörten deshalb auch zur Abolitionsbewegung und viele vermeiden noch heute Alkohol ganz, auch beim Abendmahl. Vergnügungen und Unterhaltung werden von den Konservativen häufig streng abgelehnt, ein möglichst schlichter Lebenswandel wird empfohlen. Auch das Luthertum hatte eine Zeitlang den Zug zur Schlichtheit (man sieht es heute noch an den "evangelischen" Volkstrachten), pflegt aber keineswegs Weltabgewandtheit und Askese. Im Vordergrund steht vielmehr das Maßhalten.

Die Verfassung der lutherischen Kirche ist synodal, die Kirchenverfassung der Methodisten ist kongregationalistisch und enthält noch andere Elemente, die aus dem Anglikanismus übernommen wurden. Ein weiterer Unterschied betrifft das Amtsverständnis. Methodistische Geistliche werden durch die Ältesten und Bischöfe ordiniert (das ist je nach Land und Teilkirche verschieden) und sind allein befugt, die Sakramente zu verwalten. In der lutherischen Kirche steht das allgemeine Priestertum aller Gläubigen im Vordergrund, die Ordination befähigt nicht per se zur Sakramentsverwaltung, sondern stellt ein Zeugnis der Befähigung und die öffentliche Erlaubnis dar. Deshalb können im Luthertum auch "Laien", also Nichtordinierte, predigen und Sakramente verwalten, z. B. Prädikanten.

Methodisten und Lutheraner erkennen gegenseitig Taufe und Abendmahl an, pflegen auch eucharistische Gastfreundschaft. Lutheraner glauben an die Realpräsenz Christi in den Gaben von Brot und Wein, Methodisten glauben ebenso an die Gegenwart Christi im Abendmahl. Auch die Ämter werden wechselseitig anerkannt, beide Kirchen sind Mitglieder in verschiedenen überregionalen Gremien, z. B. in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Beide Kirchen zählen zum Protestantismus.

Über die Details könnte man eine Habilitationsarbeit schreiben, da fehlt hier der Platz... Ich hoffe, ich habe das herausgeholt, was für Dich wichtig und augenfällig ist. Gruß, q.

Es gibt noch eine Zwischenstufe, die Katholiken.

Was möchtest Du wissen?