Unselbstbewusst infolgedessen krankhaft eifersüchtig?

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2 Antworten

Da scheitert der Psychologe nach 6 Monaten und du hoffst, hier eine Antwort zu kriegen, die besser ist, als seine Ratschläge (falls er überhaupt welche gab). Das ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Du bist ein komplizierter Mensch und daran wird sich wohl nicht so schnell Grundlegendes ändern. Wenn komplizierte Menschen schlecht für eine Gesellschaft wären, dann würde es wohl keine geben. Dummerweise scheint es eher nützlich zu sein, denn es gibt wohl mehr davon, als man denken würde. Die Biologie oder Evolution hatte nie das Ziel, dass ein Mensch glücklich wird. Solche Überlegungen stellt man erst seit Kurzem an, ab der Renaissance zunächst einmal die Intellektuellen und Adeligen, seitdem es Wohlstand und 40-Stunden-Woche für alle gibt, auch die anderen. Das Wort 'unselbstbewußt' kommt mir fast wie eine Wortneuschöpfung vor (obwohl es keine ist). Du legst also großen Wert darauf, deine Angst vor dem Versagen mit einem Begriff zu belegen. Wahrscheinlich, damit das Problem handhabbar und bekämpfbar wird. Ich vermute mal, dass der Begriff dadurch auch zu einer Obsession oder fixen Idee wird. Das Gegenteil von dir wäre entweder ein Mensch, der sehr selbstbewußt ist, oder einer, dem es scheiszegal wäre, dass er nicht sehr selbstbewußt ist. Das eine kannst du sicher nicht so einfach erreichen (selbst wenn du Film- oder Rockstar werden würdest und dir die ganze Welt zu Füßen liegen würde, würdest du von den Zweifeln an dir zernagt werden), das andere liegt vielleicht eher im Bereich des Möglichen. Nach den üblichen Niederlagen und Schlingerkursen im Leben bist du vielleicht im Greisenalter dereinst gelassen und lachst über deine kleinen Schwächen. Vielleicht kannst du dich diesem Zustand schon etwas früher annähern (lernt man nicht im Buddhismus, sich selber nicht so wichtig zu nehmen?). Dein Freund hat es mit dir nicht leicht, soviel habe ich verstanden und ich kann mir das gut vorstellen. Warum wirft er die Brocken denn nicht einfach hin? Niemand führt eine Beziehung, bei der man selber nur draufzahlt. Kosten und Nutzen halten sich immer die Waage. Irgendwas muss an dir also auch ziemlich super sein, weil er das Komplizierte an dir anscheinend (zwar nicht klaglos) so doch immer noch erträgt. Wenn man so eine Nervensäge neben sich hat, lenkt das natürlich auch von den möglicherweise vorhandenen eigenen Problemen ab. Es kann durchaus stabilisierend sein, wenn die Partnerin die Komplizierte ist. Du könntest theoretisch mal versuchen, ein paar Wochen oder Monate pflegeleicht zu sein (und Selbstbewußtsein vorspielen). Wäre er dann glücklich? Würde er aufleben? Glücklich sein ist gar nicht so einfach (die meisten Menschen denken, es wäre das einfachste von der Welt -- aber die meisten Menschen sind auch immer nur maximal kurze Zeitspannen glücklich: Sekunden, Minuten, frisch verliebt auch mal Tage). Wie schön muss es doch gewesen sein, als man noch existenzielle Alltagssorgen hatte, kaum genug zum Essen, kein eigenes Bett, sondern etwas Stroh unter der Treppe, sich von Sonnenaufgang bis -untergang abrackern musste und früh gestorben ist. Vermutlich würdest du in so einer Zeit aber sehr gerne mit deiner jetztigen Existenz getauscht haben. So schlecht ist es vielleicht gar nicht, ein bisschen verrückt und unausgegoren zu sein und im Wesentlichen ein ganz gutes Leben zu haben.

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Kommentar von Satzi93
10.03.2017, 12:48

Ich stimme dir in Vielem zu. Ich wäre gern jemand, dem es scheiß egal wäre, dass er nicht sehr selbstbewusst ist. Ich akzeptiere mich (noch) nich so. Leider hat sich nun etwas dahingehend geändert, dass er überlegt, die Beziehung zu beenden. Es kam gestern Abend relativ plötzlich. Er will mir seine Entscheidung dann demnächst mitteilen, aber das verheißt ja oft nichts gutes, wenn schon überlegt wird, es zu beenden. Er meinte sehr ehrlich, dass er nicht stark genug zurzeit für mich da zu sein. Das Leben schätze ich natürlich dennoch, vor allem Gesundheit etc. Aber mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es niemals jemand mit mir so aushalten wird, ist nicht schön.

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Entgegen der weitläufig vertretenen Meinung, dass Eifersucht mit verlorenem Selbtwertgefühl zu tun hat, vertrete ich die Ansicht, dass Eifersucht zu einem sehr großen Anteil durch eine mangelhafte Befriedung der Erwartungshaltungen und Anforderungen während der Partnerschaft entsteht. 

Es entstehen innerhalb einer Beziehung immer positive oder negative Wechselwirkungen im Zusammenspiel von bspw. einer Frage u. einer Antwort. 

Du hast im Moment Deiner Unsicherheit eine Frage, bei dem Du im Partner eine Sicherheitsantwort abforderst. Misslingt dieser Versuch, dann beginnt automatisch ein Prozess der Misstrauen bewusst oder unbewusst generiert.

Ich habe sehr viele Ehen u. Beziehungen nur deshalb scheitern gesehen, weil ständig den bei einzelnen Partnern ein Schuldbild aufgebaut wird und der Rat gegeben wird "am eigenen Selbstbild" zu arbeiten.

Ich halte das aber leider für falsch, es müssen beide an einer Beziehung arbeiten. Leider kann ich Dir aus der Ferne nun keine Ratschläge über die weitere Herangehensweise liefern, weil Dein Partner fehlt. 

Es wäre jedoch gut, wenn ihr Beide vielleicht einen Paartherapeuten aufsucht.

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Kommentar von Satzi93
10.03.2017, 12:50

Da hast du auch Recht. Wenn ich ehrlich zu mir bin, erwarte ich fast immer etwas. Tritt das "Gehoffte" nicht ein, werde ich zickig. Diesen Kreislauf zu unterbrechen, ist wirklich unglaublich schwierig. Mein Partner hat gestern Abend leider gesagt, dass er nun überlegt, die Beziehung zu beenden. Er hat sich nie wirklich geöffnet, nicht geredet und alles runter geschluckt..nun sind wir wirklich an dem Punkt, vor dem ich ich vor ein paar tagen noch so gefürchtet habe.

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