Überspielte Unsicherheit wirkt Arrogant?

26 Antworten

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Unsichere Menschen neigen oft zu einem anderen Verhalten, da ihre schüchterne Persönlichkeit selten Anerkennung findet.

In der heutigen Gesellschaft wird von einem Menschen ein selbstbewusstes und fast schon selbstverliebtes oder arrogantes Verhalten erwartet. Nur diese können sich den Gefahren im Leben sicher stellen und haben den Mut, auch andere Wege einzuschlagen. Ebenso mit größeren Gruppen zusammen zu arbeiten, eventuell auch den Chef zu geben.

Unsichere Menschen, die sich nicht viel zutrauen, kommen damit häufig nicht klar, sich in den Vordergrund stellen zu müssen, ihre Meinung zu sagen, geschweige denn etwas für sie Wichtiges durchzusetzen. In der Schule werden unsichere Menschen sehr oft auf dieses "Defizit" angesprochen. Sei es von Lehrern oder Mitschülern. Dabei sehen alle immer etwas Negatives in der Schüchternheit und Unsicherheit. So wird diesen Menschen unbewusst klar, dass ein großer Teil ihrer eigenen Persönlichkeit nie wirklich auf Gegenliebe stößt. Aus diesen Erfahrungen heraus versuchen sie, selbstbewusster zu wirken, um eben nicht mehr als schüchtern zu gelten. Dieses Verhalten wird leider häufig als arrogant bezeichnet, da der Betreffende sehr übertreibt, um ja nicht mehr schüchtern auszusehen [in Wahrheit es aber immer noch ist].

Bei deinem zweiten Punkt, FragenTypHD, hast du das schon richtig erkannt. Unsichere Menschen fühlen sich leicht von anderen bedrängt, wenn sie dazu aufgefordert werden, etwas zu machen oder zu sagen, was sie nicht wollen oder sich nicht zutrauen. Viele reagieren dabei mit Aggressivität, Verschlossenheit oder arrogantem Verhalten. So versuchen sie sich zu schützen.

Dabei wissen schüchterne, unsichere und stille Menschen oftmals nicht, dass ihr Charakter sehr wertvoll sein kann. Sie überstürzen nichts und reden nicht einfach drauf los ohne Sinn und Verstand. Ebenso sind sie gute Zuhörer. So etwas ist sehr selten geworden. Nur leider wird darauf immer mit Steinen geworfen.

~Amy

Ein schöner Beitrag, Amy, und sehr wahr!

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Ich denke es ist wirklich ihre Art Distanz zu halten. Sie haben Angst enttäuscht zu werden und machen einen auf >cool< und >unnahbar<. Dass ist keine böse Absicht, es ist einfach ein Schutzreflex. Leider trägt dass aber nicht dazu bei, das andere Menschen auf diese Personen zugehen. Zum Beispiel ist auch ein Trugschluss, wenn Menschen in Gesellschaft kaum was sagen. Sofort sagt man über sie >arrogant<. Dabei sind sie zu schüchtern ein Gespräch anzufangen oder zu leiten. Oder die Menschen die in der Pause nicht mit in der Gruppe stehen und über jeden Mist lachen. Sofort sind sie >arrogant<. Und dann gibt es die, die Klasse aussehen und meinen sie müssten ihren Kopf soweit nach hinten lehnen das es in die Nase regnet. Dass sind dann die, die meinen das nur Schönheit im Leben zählt. Und dann die, die mit Leistung und Wissen glänzen. Die haben dann zwar allen Grund möglicherweise arrogant zu sein, aber merken nicht, das sich andere abwenden.

Dass war meine Sicht der Dinge.

Also ich kann es nur aus meiner Sicht schildern. Ich war auf der Realschule eine ganze Weile zu allen nett, war immer offen und habe viel gelacht. Irgendwann kam ein Mädchen in die Klasse und sie fing an, mich vor anderen bloß zu stellen, verbal runter zu bürsten und mich auszulachen. Ich wurde immer stiller, aber das hat mich nicht vor ihren Attacken geschützt, ich war nur noch wehrloser. Also wurden meine Gesichtszüge immer härter und bald hatte ich den herabwürdigenden Blick und das Augenbrauen-Hochziehen perfektioniert. Kurzum: Ich war unglaublich arrogant und ignorant geworden. Irgendwann hat das auch super funktioniert, denn viele trauten sich nicht mehr, mit mir zu reden, weil ich "extrem böse gucke". Innerlich war ich immernoch total unsicher und aufgewühlt, aber ich wurde nicht mehr blöd angemacht, was ich echt gut fand. Das ganz große Problem war dann, dass ich mir das so zu eigen gemacht hatte, dass ich kaum Verhaltensoptionen hatte. Ich musste ziemlich mühsam erst wieder lernen, dass man doch manchen Menschen vertrauen kann und keine "kugelsichere Weste" benötigt. Also um es zusammen zu fassen: Du hast dir deine Frage eigentlich schon selbst beantwortet gehabt. Bei vielen Menschen ist Arroganz einfach nur ein Schutz der Psyche.

Supergut beschrieben, VanilleApricot!

Und beeindruckend bzw. erschreckend, wie du dich damals wegen der miesen Behandlung durch ein einziges Mädchen so massiv verändert hast - innerlich wie äußerlich! Daran kann man gut sehen, wie wichtig es ist, wie man sich zu anderen Menschen verhält. Nichts ist egal, alles hat weitreichende Auswirkungen...

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Der erste Eindruck ist entscheidend. Körperhaltung, Gestik, Mimik - das alles spielt in den ersten Sekunden des Treffens eine Kernrolle. Selbstbewusstsein ist häufig nur eine Maske, die sich die Leute aufsetzen wollen, um bedeutsamer rüberzukommen oder ernst genommen zu werden. Setzt man sie ein wenig verkehrt auf - was vor allem passiert, wenn man eigentlich nicht weiß, wie Selbstbewusstsein geht - dann wirkt man arrogant. Dieser Eindruck lässt erst im späteren Verlauf des Gesprächs nach, wenn die Maske langsam bröckelt oder die Person dahinter auf sie verzichtet.

Genau, da hast du's ja schon. Die scheinbare Arroganz ist eine Maske, eine aufgesetzte harte Schale, um einen weichen verletzlichen Kern zu schützen. Manche Leute haben schlimme Erfahrungen gemacht, wenn sie zu offen waren, und ziehen sich dann lieber erstmal hinter so eine Maske zurück, bis sie den anderen besser kennen. Und für sehr schüchterne Menschen ist es einfacher, hinter einer abweisenden Maske rumzulaufen, weil sie dann z.B. weniger oft angesprochen werden.

"Du siehst die Weste, nicht das Herz", hat schon Wilhelm Busch so treffend gesagt.

Super Antwort!

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@imamsamomoja

Hab eine Klassenkameradin die gemobbt wird, sie schaut auch immer arrogant, dementsprechend verhält sie sich auch, wenn jemand sie nett anquatscht.

Mir hat sie schon 2 Blätter gegeben, arrogante Menschen wären da ganz anders..

Alle hacken auf sie rum, aber sie tut keinem was...

Hab schon versucht mich für sie einzusetzen, aber alle sind gegen sie, was soll man tun .. ;)

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@MaxMaxiMaxister

Hi Max-hoch-drei :) , ja, das ist leider oft so. Auch Kinder und Teenies können gnadenlos sein, was das Mobbing betrifft. Ist jemand einmal unten durch, wird er ausgegrenzt, und keiner interessiert sich groß für die Hintergründe und das eigentliche Wesen der betreffenden Person.

Schön, dass du nicht so bist, mach weiter so!

Das Schlimme ist, dass jemand, der zu Unrecht gemobbt und von allen für seltsam gehalten wird, mit der Zeit dann manchmal wirklich seltsam wird, auch wenn er's eigentlich gar nicht war. Es macht sooo viel aus, wie man behandelt wird...

Lieben Gruß!

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@coxorange

Nicht nur ,,auch Kinder und Teenies", vorallem Teenies.

Das letzte stimmt zu 100%, ein ganz fettes DH! Man kann durch jahrelanges Mobbing nachdem sich das ganze wieder etwas gelegt hat und man ,,nur noch" ein Außenseiter ist oft von seiner Vergangenheit eingeholt werden und bekommt eine soziale Phobie, Depressionen o. Ä.

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@Kornig

Ich hoffe, dass ich das nie kriege... Ich bin irgendwie ähnlich wie beschrieben, auch in den vorangegangenen Posts... Aber nun habe ich jemanden kennengelernt, dem ich mich wirklich ganz anvertrauen kann. Er ist zwar auch sehr unnahbar, aber ich glaube, nun habe ich seine Schale geknackt.^^ Er ist wirkich toll.

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