Typische Mittelalterliche Sätze ( Händler / Ritter )

3 Antworten

Es gab bis circa 1300-1350 das Mittelhochdeutsch, wobei es auch da wieder Varianten gab. Ab circa 1350 sprach man Neuhochdeutsch.

Hier kannst du am Beispiel des Vater Unsers die Unterschiede gut sehen.

http://www.sfs.uni-tuebingen.de/~gjaeger/lehre/ws0708/grundkurs/sprachwandel.shtml

Auf den Märkten muss es viel Kauderwelsch gegeben haben, zumindest auf den Märkten in den größeren Zentren, wo sich Wasser- und Verkehrswegen kreuzten. Es waren das schottische Wollhändler, Italienischer Weinhändler, Gewürzhändler, Korbflechter, Goldschmiede, Grobschmiede, Schuster, Pelz und Lederhändler aus vielen Länder anwesend. Schon damals gab es den Beruf des Übersetzers oder Dolmetscher, der vorwiegend von Juden ausgeübt wurde.

Kommt auf die Zeit an. Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Luther-Deutsch?

Auf Mittelaltermärkten spricht man eine mehr oder weniger freie Abwandlung des Lutherdeutsch, vermischt mit ein paar phantasievollen Eigenkreationen für moderne Geräte.

Ich hatte im September eine Markteröffnung in Zons zu halten. Hier ein paar Beipsiele:

Wisset, daß hier am heutigen und morgigen Tage das altehrwürdige Recht von Zons zur Anwendung komme. Gemessen werde mit rechtem Maß, gefüllet in Becher und Faß. Beutelschneider, Falschmünzer, Hübschlerinnen und anderes Gesindel werden in den Schandturm geworfen oder an den Pranger gestellt auf daß man sie bewerfe mit allerlei feulem Obst und Gemüs.

Ihr aber, die ihr rechtschaffend seid, sollt aufs Herzlichste geladen sein euch umzutun. Seht was euch wohlfeilgeboten wird, lauschet den fremdartigen Klängen und knausert auch nicht mit dem einen oder anderen Taler so euch der Gegenwert recht erscheint.

Schmauset und saufet bis euch Wänste und Mieder bersten.

Wisset auch, daß in der ersten Stund nach dem Mittagsgeläut ein rittlerlich Turney wird abgehalten werden auf dem Grün vor der Stadtmauer. Edler Ritter sind herbeigerist um hernach den besten unter sich auszustechen im ritterlichen Kampfe mit Lanze und Schwert.

blabla.

Das ist allerdings keine originale mittelalterliche Mundart, sondern sogenannter Marktsprech.

Für einen Beispieltext in Althochdeutsch kannst Du mal nach den Merseburger Zaubersprüchen googlen und für ein Beispiel in Mittelhochdeutsch nach dem Originaltext des Palästinalieds von Walter v. der Volgelweide.

Ach ja....das muß ich in Richtung der diversen Hobbyhistoriker loswerden: Jawohl, Marktsprech hat seine Daseinsberechtigung und ist auf Mittelaltermärkten allemal besser geeignet als Mittelhochdeutsch. Das würde nämlich kaum jemand verstehen.

Es muß ja nicht jeder mit seinen "phänomenalen Sprachkenntnissen" prahlen und wer immer noch nicht kapiert hat, daß es sich um eine romantisierte, phantasievolle des Mittelalters handelt, dem ist nicht zu helfen.

0

Ein ritter sô gelêret was

daz er an den buochen las

swaz er dar an geschriben vant:

der was Hartman genant,

5

dienstman was er zOuwe.

er nam im manige schouwe

an mislîchen buochen:

dar an begundẹ er suochen

ob er iht des vunde,

10

dâ mitẹ er swære stunde

möhte senfter machen,

und von sô gewanten sachen,

daz gotes êren töhte

und dâ mite er sich möhte

(aus dem mittelalterlichen Versepos Der Arme Heinrich)

die Gelehrtensprache war Latein. Eine internationale Verkehrssprache der Händler zwischen Europa und dem Orient war die Lingua Franca, eine Mischsprache.

Wenn man es langsam liest und weiß, dass ein "h" oft als "ch" ausgesprochen wird, versteht man es sogar. So hab ich in meinem Studium auch den mittelhochdeutschen Prüfungstext übersetzt. Und auf die gleiche Weise verstehe ich holländische Gebrauchsanleitungen.

Mit Sprachgefühl und einer gewissen ethymologischen Intelligenz ist das gar nicht so schwer.

0

Was möchtest Du wissen?