Typische Mittelalterliche Sätze ( Händler / Ritter )

3 Antworten

Kommt auf die Zeit an. Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Luther-Deutsch?

Auf Mittelaltermärkten spricht man eine mehr oder weniger freie Abwandlung des Lutherdeutsch, vermischt mit ein paar phantasievollen Eigenkreationen für moderne Geräte.

Ich hatte im September eine Markteröffnung in Zons zu halten. Hier ein paar Beipsiele:

Wisset, daß hier am heutigen und morgigen Tage das altehrwürdige Recht von Zons zur Anwendung komme. Gemessen werde mit rechtem Maß, gefüllet in Becher und Faß. Beutelschneider, Falschmünzer, Hübschlerinnen und anderes Gesindel werden in den Schandturm geworfen oder an den Pranger gestellt auf daß man sie bewerfe mit allerlei feulem Obst und Gemüs.

Ihr aber, die ihr rechtschaffend seid, sollt aufs Herzlichste geladen sein euch umzutun. Seht was euch wohlfeilgeboten wird, lauschet den fremdartigen Klängen und knausert auch nicht mit dem einen oder anderen Taler so euch der Gegenwert recht erscheint.

Schmauset und saufet bis euch Wänste und Mieder bersten.

Wisset auch, daß in der ersten Stund nach dem Mittagsgeläut ein rittlerlich Turney wird abgehalten werden auf dem Grün vor der Stadtmauer. Edler Ritter sind herbeigerist um hernach den besten unter sich auszustechen im ritterlichen Kampfe mit Lanze und Schwert.

blabla.

Das ist allerdings keine originale mittelalterliche Mundart, sondern sogenannter Marktsprech.

Für einen Beispieltext in Althochdeutsch kannst Du mal nach den Merseburger Zaubersprüchen googlen und für ein Beispiel in Mittelhochdeutsch nach dem Originaltext des Palästinalieds von Walter v. der Volgelweide.

Ach ja....das muß ich in Richtung der diversen Hobbyhistoriker loswerden: Jawohl, Marktsprech hat seine Daseinsberechtigung und ist auf Mittelaltermärkten allemal besser geeignet als Mittelhochdeutsch. Das würde nämlich kaum jemand verstehen.

Es muß ja nicht jeder mit seinen "phänomenalen Sprachkenntnissen" prahlen und wer immer noch nicht kapiert hat, daß es sich um eine romantisierte, phantasievolle des Mittelalters handelt, dem ist nicht zu helfen.

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Diese Seite gefällt mir auf jeden Fall besser. Der untere Link gibt eher das s.g. Marktsprech wieder, mit dem man dann auch schonmal gerne auf Veranstaltungen seeeehr dumm angeschaut wird.

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@UlrichzuSusato

Marktsprech hat schon seine Berechtigung. Wenn Gäste auf MIttelaltermärkte kommen, dann kann man mit diesen geschraubten Verbalakrobatien den "Alltagbleidraußen"-Effekt sehr gut fördern. Mit mittelalterlichen Sprachen hat das (übrigens aus dem Barock abgeguckt) aber tatsächlich wenig zu tun.

Ich flechte immer wieder mal ein paar Sätze auf Mittelhochdeutsch in meine Aktionen mit ein, daß gibt dann immer sehr erstaunte Gesichter. Nur zu lang darf es nie werden, da der Durchschnittsgast dann nicht mehr folgen kann.

Viele Dialekte haben übrigens noch altes Wortgut bewahrt. Es gibt Schweizer, die mir erzählten, daß sie durch ihren Dialekt in der Lage seien, MIttelhochdeutsch ganz klar zu verstehen und der Freund (er stammt aus Bremen) einer schweizer Bekannten von mir, kann sich tatsächlich mit ihren Großeltern (die nur den Dialekt aus ihrem Tal sprechen) auf Plattdeutsch unterhalten.

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