Stellungsnahme Ritter Früher- Männer heute?

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6 Antworten

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Natürlich stehen auch heute noch Tugenden wie Treue, Stärke und Nächstenliebe hoch im Kurs. Allerdings in je unterschiedlicher Gewichtung.

Fragst du einen Berliner Gangsta-Rapper, dann wird der wahrscheinlich eher die Stärke feiern als Treue und Nächstenliebe.

Ein katholischer Ministrant aus Oberbayern wird dagegen auch den Begriff "Nächstenliebe" schon mal gehört haben.

Und jeder frisch Verliebte schwört seiner Angebeteten natürlich ewige Treue. Und jeder Fußballfan seinem Verein. Der Fan hält diese ewige Treue dann auch. Im Gegensatz zum frisch Verliebten.

Überhaupt sind Fußballfans ein gutes Beispiel. Die haben eigene Wappen. Die feiern die Stärke und schwören ewige Hingabe und Treue zu ihrem Verein.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Geschichte

Wer zum Ritter wurde, hatte meist ein Rittergut zu verwalten, dass die nötige Wirtschaftsleistung erbringen musste, um Pferde, Rüstungen, Waffen, Ställe, Knappen etc. stellen zu können. Damit der Ritter, wenn er von seinem Dienstherren in einen Krieg geschickt wurde, auch auf das Schlachtfeld ziehen und siegen konnte.

Mittelalter-Management!

Das kann doch kein Schwein lesen.

Der größte Unterschied ist das Lehnswesen. Ohne Land ist ein Ritter mittellos. Also zieht er mit dem König in den Krieg und erhält als Lohn für seine Treue ein Lehen, d.h. Land zu seiner Verfügung. Wie der Name bereits andeutet ist es aber nicht vererbbar sondern fällt mit dem Tod des Lehnsnehmers an den Lehnsherrn zurück.

Der Lehnsnehmer kann dann den Zehnt der Ernte von den Bauern und andere Steuern von der Bevölkerung seines Lehens einfordern und deren Söhne zum Kriegsdienst einziehen.

Er selbst hat seinem Lehnsherrn einen Treueeid geschworen und ist bis zum Tod des Lehnsherrn an ihn gebunden. Das Fatale an letzterer Tatsache ist, dass der Lehnsnehmer im Extremfall jede noch so unsinnige, selbstmörderische und ruinöse kriegerische Auseinandersetzung eines z.B. komplett durchgeknallten Lehnsherrn mitmachen muss, Treueeid ist schließlich Treueeid, bis zu dessen Tod.

Heutzutage würden wir "Nibelungentreue" dazu sagen, was es auch einigermassen trifft.

Die Freien Reichsstädte des Mittelalters waren übrigens der Kontrolle der Lehnsherrn und Lehnsnehmer entzogen, was sich bereits in dem Wort "Frei" ausdrückt.

Du schreibst am Ende, dass Ritter vielleicht ihre Gefühle nicht so zeigen konnten. Dem ist nicht unbedingt so. Die Minne (also die Verehrung einer hochgestellten Dame) gehörte fest zur ritterlichen Welt. Und diese Minne wurde besungen. Daraus entstand eine ganz eigene Gattung: der Minnesang.

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Danke!!! Deine Antworten waren bisher die Besten!!! 💖

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@idchen353

Danke. Danke. - Darf ich mal fragen, wo du herkommst? Dass deine Lehrkraft dezidiert danach fragt, ob derlei heute noch bei Männern hoch im Kurs steht, ist bemerkenswert. In Berlin Mitte hat man das Konzept "Mann" ja längst dekonstruiert. Und natürlich werden auch ritterliche Tugenden als anachronistisch diskreditiert.

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Die Annahme, dass Ritter und ihre edlen Tugenden existiert haben, ist schon grundlegend falsch. Das waren tatsächlich ziemliche Schweine. Sie sind mordend, plündernd durch Europa gezogen, für den, der sie gerade bezahlte.

Insgesamt ist das Mittelalter viel komplexer und den klassischen Ritter, gab es eigentlich nicht.

Danke, dann scheint unser Geschichtslehrer auch eine falsche Ansicht zu haben! 😂

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Lieber Ifosil, natürlich gab es das (sicherlich idealisierte) Bild ritterlicher Tugend. Wir finden das zum Beispiel in der höfischen Epik des Hochmittelalters. Iwein. Tristan. Parzifal. Das sind zeitgenössische Texte. Und darum geht es in der vorliegenden Aufgabe wohl. Nicht um die Realität des spätmittelalterlichen Raubrittertums.

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