Sollte man eine Freundschaft zu einer psychisch Erkrankten Person aufrechterhalten wenn man selber darunter leidet?

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Puh...schwierige Frage. Ich habe so eine Freundschaft vor Jahren mal "ausgesetzt", weil ich nicht mehr die Kraft hatte mich drum zu kümmern und selbst gemerkt habe, dass ich an den Rand meiner Möglichkeiten UND an den Rand psychisch relevanter Probleme gekommen bin. Ich habe das aber nie betont der Person gegenüber sondern zog mich einfach etwas zurück bis sie sich dann auch nicht mehr meldete.

ich wollte man fragen ob ihr es fair findet, wenn man eine Freundschaft mit einer psychisch erkrankten Person beendet/reduziert wenn man merkt, dass selber immer stärker darunter leidet.

Was heißt fair...?! Ich sag's viel eher mal so ----> manchmal muss man an sich selbst denken, das Zauberwort nennt sich "gesunder Egoismus". Altruismus ist schön und gut aber man kann sich nix von kaufen und jeder ist nur begrenzt aufnahmefähig/nur begrenzt belastbar. Es kann nicht sein, dass man zum Prellbock oder sonst was wird. Ich habe auch nicht unendlich Kraft und Geduld und Stärke. Das ist nur menschlich!

Man sollte an sich denken wenn man merkt, dass die Kraft zuende geht oder man sich zu viel mit den Problemen anderer befasst bzw. mehr als dass es sich "geziemt" und einen das zu sehr vereinnahmt. Wenn man jemanedn gern hat beschäftigt einen so etwas ja auch mehr als bei irgendeinem dahergelaufenen Typen, den man kaum kennt...! Mir fiel das damals echt nicht leicht, aber ich konnte einfach nicht mehr und sah Ende 2013 auch keinerlei Erfolge bei der Person. Wir haben zwar inzwischen wieder einen recht guten Draht und es geht ihr wieder gut, aber damals war das schlimm und nicht mehr zum Aushalten.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Vielen Dank für diese ausführliche und hilfreiche Antwort.

Ich finde auch, dass man tatsächlich irgendwann merkt wie die Kraft weniger wird und einen die Probleme des anderen immer mehr vereinnahmen. Leider kann man der Person ja meistens eh nicht so wirklich helfen, wenn sie selbst nichts dafür tut

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@maiab12

Gerne doch.

Mir ging es exakt so. Ich konnte der Person auch einfach nicht mehr helfen und wollte ihr kein "Jägerlatein" verzapfen, weil das nicht meine Art ist und meine Kenntnisse zum Thema psychische Erkrankungen, berufliche Integration/Rehabilitation usw. zwar gut sind und ich den Ruf habe ein super super guter Zuhörer und Erklärbär zu sein, aber ich irgendwann ihr auch nix mehr raten konnte - zumal ich das Gefühl hatte, meine Ratschläge werden gar nicht beherzigt.

Ich gab mir alle Mühe und es wurde zwar immer dankend honoriert, aber im Endeffekt nicht umgesetzt und es war mir dann auch irgendwo zu doof, zu Unzeiten angerufen zu werden - das ging ja morgens um sieben Uhr schon los, wenn sie ein Problem erkannt hatte oder reden oder über Tod und Teufel wettern wollte. Ich glaube ich war der Einzige, der ihr zugehört hat, aber es ging einfach nicht mehr und ich sagte mir - bevor meine Gesundheit, meine Partnerschaft und meine berufliche Verfassung leiden, nehme ich davon besser Abstand.

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auch wenn es hart klingt, aber meide den Kontakt. Das wichtigste ist, dass es dir gut geht. Natürlich wäre es schön, wenn du ihm auch beistehen könntest, aber wenn du darunter leidest, geht das nicht.

Kurz gesagt: Wenn du merkst, das du aus dieser Freundschaft nichts raus holst, sondern sie dich nur Energie kostet, solltest du nur an dich denken und sie beenden ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Ich würde dich nicht dafür verurteilen, würdest du die Freundschaft beenden. Klar ist es irgendwie egoistisch, aber die andere Person wird da eventuell sogar Verständnis für haben. Es bringt ja keinem von beiden etwas, wenn man sich gegenseitig nur runterzieht.

Danke. Ja ich hätte oder habe als ich selber Krank war auch jeden verstanden, der den Kontakt reduziert hat. Trotzdem kommt man sich auf der anderen Seite doch recht egoistisch vor

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Sich gegenseitig verstehend helfen muss aber deshalb kein "Runterziehen" sein. Im Gegenteil man spürt wohl dabei, dass man nicht allein betroffen ist bzw. war.

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@ParaNada12

Kann sein, habe ich aber anders erlebt und auch bei anderen mitbekommen. Es ist für gesunde Menschen schon eine Belastung wenn eine psychisch kranke Person Probleme hat und man nichts tun kann bzw. sie sich nicht helfen lässt. Wenn man selbst betroffen ist, ist es noch schlimmer.

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@em2003

Das Problem für diesbezüglich gesunde Menschen ist das fehlende Verständnis dafür, um sich besser in die Lage des Betroffenen hineinversetzen zu können.

Sich selbst als ehemals oder sogar akut Betroffener dabei zu schützen ist wichtig, klar - damit man nicht "co-abhängig" wird. Aber ich glaube die Fragestellerin weiß nun ziemlich genau, wo es drauf ankommt und wie sie dabei vorgehen sollte...

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@ParaNada12

Sehe ich irgendwie anders, aber ich kann nur für mich sprechen. Ja, es nervt vielleicht wenn man Ratschläge von Leuten bekommt die keine Ahnung haben, aber die von aktuell Betroffenen sind auch nicht unbedingt besser. Die beste Hilfe kriegt man von Psychologen oder ehemaligen Betroffenen, die das Ganze auch rational sehen können.
Man muss aber immer individuell entscheiden, ob man die Freundschaft aufrecht erhält oder nicht, aber wenn sie hier jetzt schon fragt belastet es sie scheinbar und dann sollte sie vllt doch eher auf Abstand gehen.

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@em2003

Um sich durch kontaktlosen Abstand voneinander - teilweise oder bis auf weiteres - sinnvoll zu schützen bedeutet ja deshalb nicht die Freundschaft völlig aufgeben.

Objektive, rationale Betrachtung ist dabei sehr wichtig, klar. Auch die wertvolle, eigene gemachte Erfahrung kann im Grunde sachlich "rüber gebracht" werden. Neutrale, emotionell-unbeteiligte Fachleute sehen es dabei noch hilfreicher, weil objektiv-klar.

Wer emotionell bedingt dazu nicht in der Lage ist bzw. (noch) nicht gefestigt ist der sollte es besser lassen und sich auf die eigene Gesundheit konzentrieren. Sonst könnte es in der Tat zu einem "gegenseitigen" Runterziehen kommen...

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Einerseits kannst Du der betroffenen Person anhand Deiner eigenen Erfahrungen wohl helfen. D.h. Du kannst Dich mehr oder weniger in diese Person hineinversetzen. Das kann bei weitem nicht jeder Facharzt bzw. Therapeut von sich behaupten - trotz eines hilfreichen theoretischen (Fach-)Wissens dazu verbunden mit mehr oder weniger an Praxis-Erfahrung.

Andererseits könnte eine zu große Anteilnahme Dich selbst wieder krank machen. Vielleicht lässt sich ja ein Kompromiss finden, welcher Dich in Deiner Anteilnahme nicht zu sehr berührt, d.h. die Gedanken und Emotionen kontrolliert bleiben und Du Deinem eigenen Alltagsleben (relativ) unbelastet konzentriert nachgehen kannst.

Vorschlag, schaue nur mit größerem zeitlichen Abstand bei der Person mal vorbei. Falls es Dir dann evtl. selbst nicht so gut geht, rufe nur kurz an bzw. verschiebe es.

Letztendlich muss sich jede betroffene Person da selbst wieder raus helfen trotz wohl gut gemeinter Hilfestellung von außen, egal ob fachärztlich, therapeutisch oder durch eine(n) gute Freund(in). Ich spreche da aus großer Erfahrung - bei mir selbst.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Danke für die ausführliche Antwort.

Ich habe auch gedacht, dass ich ihr durch meine eigene Erfahrung bestimmt ein bisschen helfen kann. Allerdings hätte ich auch vorher nicht gedacht, dass man dadurch selber wieder so stark mit seiner eigenen Krankheit und den dazugehörigen Verhaltensmustern konfrontiert wird.(sie hat eine Essstörung und ich war selber fünf Jahre lang Magersüchtig)

Vielen Dank für die Tipps. Ich werde mal versuchen mich ein bisschen stärker abzugrenzen !

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@maiab12

Du hast nun dazu Genaueres geäußert mit dieser Eßstörung. Dazu habe ich selbst keine Erfahrung und kann - speziell dazu - nicht wirklich mitreden. Aber ich glaube mit der gelegentlichen Hilfe und selbst-kontrollierter Abgrenzung liegst Du richtig. Alles Gute Dir bzw. Euch !

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