Die Leute waren früher oft sogar noch dünnhäutiger, z.B. in meiner Heimatstadt, so meine Beobachtung. In den 90ern und 2000ern war das richtig übel mitunter. Hängt sicher auch an der Mentalität, die man vor Ort hat - manche brauchen diese ewig zänkische Gedöns wie die Luft zum Atmen.
Meistens ist es auch immer die gleiche Personengruppe
Kann ich so bestätigen, es waren meist die typischen "Spießer", die zwar immer soooo gesellig und christlich und freundlich taten - "mir sin ja aber anständige Leut, net..." - und dann doch den Nachbarn sofort für einen Judaslohn verkauft haben oder sich an Kleinigkeiten ergötzten.
Denken tun die sich nix dabei bzw. denken, dass sie anständige Leute sind und solide Bürger und völlig im Recht bzw. dass sie Ansprüche drauf haben Recht zu bekommen, man ist ja wer, man ist Ü50 oder eventuell schon Rentner und hat deswegen Extra-Achtung verdient; man hat ein eigenes Haus, einen schönen Garten, einen Mercedes (C-Klasse, Elegance, der glänzt ja so schön; C220 CDI Diesel, weil die in der Politik haben ja gesagt, der anständige Mann fährt Diesel, weil das tut ja der Umwelt gut, net), liest die Bildzeitung und geht in die Kirche. Das ist deren Weltbild - glaub mir, ich kenn die Leut.
Es waren immer so typische kleinkarierte Spießer aus den Reihenhäusern, die im Handwerk oder der Industrie arbeiteten und solche Verhaltensweisen ausübten. Verbale Gewalt beherrschten die auch ganz gut, vor allem Kindern, Frauen oder Ausländern oder aber den eigenen betagten Eltern / Schwiegereltern gegenüber, denen man "Haue" angedroht hat und ggf. sogar umsetzte - alles schon gesehen. Ich habe es mal erlebt, dass einer einen Freund von mir vom Fahrrad gepackt und angebrüllt hat, weil er auf einem angeblich "nur für Anlieger" gedachten Fahrradweg fuhr (als solcher ausgeschildert war der Weg bis zu meinem Wegzug rund 20 Jahre später aber nie) - da war mein Freund vielleicht zehn Jahre alt. Ich werde bis heute den Verdacht nicht los, dass dieser pöbelnde Mann derjenige war, der zehn Jahre später mit Anfang 50 an Alzheimer erkrankte und jämmerlich im Pflegeheim gestorben ist, optisch könnte es hingekommen sein. Dann gab es noch so einen Typen, der Zeitungsausträger (damals waren das in der Regel Jugendliche, die er eher einschüchtern konnte als einen Erwachsenen, der wohl gekontert und was gesagt hätte) am frühen Morgen um halb vier abfing, erstmal beschimpfte und ihnen dann erklärte, wie sie die Zeitung richtig zu falten hätten. Das war nur die Spitze des Eisbergs.
Ich wohne da glücklicherweise nicht mehr, aber ich denke, dass es heute nicht viel anders ist. Viele "jüngere" auch in meinem Alter haben vor Jahren schon und teilweise auch 2022/23 bei Vorbereitung und Durchführung eines Klassentreffens Tendenzen gezeigt, diese Verhaltensweisen ihrer Eltern und Großeltern zu übernehmen oder übernommen zu haben. Oft waren da aber die Eltern schon exakt genauso drauf oder noch schlimmer oder nicht ganz so schlimm, aber nicht weit von entfernt, so was wird über Generationen tradiert.
Denn niedrige Bildung, ein Geltungsbedürfnis solcher Wüteriche, ihr geringes Ansehen und der Wunsch nach Beachtung, aber auch die Erziehung (die Eltern machen es den Kindern vor) sowie die auf dem Land oder in der Vorstadt oft ruppige Mentalität mit dauerhaft mehr pöbelndem als sachlichem oder frechem und aggressivem Umgangston sind hier maßgebend - zumindest meiner Erfahrung nach.