Sind Reiche/vermögende Menschen automatisch bessere Menschen?

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20 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Moin!

Jetzt ma Butter bei die Fische und lassen wir mal diese Wunschwelt von wegen "die Armen und bescheidenen Menschen sind die Besseren" sein. Zunächst muss man sich klar machen, dass es in Deutschland die sozial anerkannte Norm ist, dass wir alle gerne möchten, dass wir Menschen und den Wert der Menschen nicht anhand von Geld bewerten. Wir mögen es, uns um Arme zu kümmern, alle möglichen Leute spenden usw. usw... Aber das beantwortet Deine Frage nicht.

Du hast (leider) Recht, auch wenn das keiner sehen will und sich alle heftig gegen wehren. Ich bin Statistikdozent für Wirtschaftspsychologen an einer Hochschule und kann Dir sagen:

- Es gibt einen Starken Zusammenhang zwischen Gesundheit/ Intelligenz/ Erfolgswahrscheinlichkeit/ etc und Einkommen der Eltern. Reiche Eltern investieren mehr in gute Bildung/ Erziehung/ Ernährung der Kinder.

- Es gibt einen Starken Zusammenhang zwischen Attraktivität und Intelligenz. Das liegt daran, dass wir mit Intelligenz manchmal die Nerds mit einer schmalen Begabung vorstellen, wie z.B. Die Figuren aus The Big Bang Theory. IQ ist aber ein Faktor über mehrere Dimensionen. Und ein steigender IQ (wie auch die Fremdeinschätzung der Intelligenz) korreliert stark mit der Attraktivität. Und Attraktivität übrigens auch mit Einkommen.

- Haben gute Laune: eingeschränkt. Sie leisten sich viel. Das ist wie ständige Belohnung. Natürlich scheint es ihnen besser zu gehen, dennoch sind tiefe emotionale Berührungen selten. Das ist wie Koks.

- viele Freunde: je reicher man wird, desto schwieriger werden soziale Kontakte. Jeden auf den Prüfstand zu stellen, ob es nun wegen des Geldes ist, ist anstrengend. Vor ein Paar Tagen wollte ich in Reykjavik, Island, zu einem Geburtstag, wusste jedoch nicht, wo ich klingeln sollte. Ein Typt hat mir aufgeschlossen und noch gemeinsam mit seinem Mitbewohner in seiner Wohnung mir geholfen, die richtige Adresse herauszufinden. Es war John Grant, ein ziemlich populärer Musiker, der nicht mal seinen Namen an die Tür schreibt aus Angst, falsche Freunde zu bekommen - in dem Moment, ging es aber nicht um seinen Rum oder Namen, nicht mal um ihn... hab ihn auch nicht erkannt, sondern erst im Nachgang davon erfahren

- weniger Probleme stimmt nicht ganz. Sie kommen tatsächlich mit weniger Hürden durchs Leben. Dennoch haben Sie häufiger psychische Erkrankungen. Das liegt zum Einen daran, dass Kinder reicher Familien häufig schwierige Familienkonstellationen haben bzw. durch mangelnde Zeit der Eltern unglücklich erzogen werden oder in starken Regelkorsetts stecken. Das liegt aber zum anderen auch daran, dass wohlhabendere (häufiger übrigens Akademiker) eher zu einem Psychologen gehen, als Ärmere. Einerseits aus finanziellen Gründen, andererseits auch dem Geschuldet, dass es unter Maurern weniger angesehen ist ein psychisches Problem zu behandeln, als unter z.B. Akademikern. 

Unterm Strich würde ich jedoch nicht sagen, dass es "besser" geht. Sie haben keine existenziellen Ängste, die unsereins vielleicht hat. Sie gehen mit ganz anderen Summen um und haben verzerrte Vorstellungen von "viel" oder "wenig". Sie haben jedoch andere Probleme und Sorgen, als wir sie haben. Sie können die Entscheidung zwischen zwei paar Schuhen genau so belastend empfinden, wie wir unsere Entscheidungen manchmal wahrnehmen...

So fern sind arme Menschen etwas schlechtes, welche : -Krankheit, -Hunger, -Elend, -Probleme -usw. Verdient haben ?

Wenn man von "besseren Menschen" und "verdient haben" spricht, ist das meist eine moralische Wertung, die zunächst nichts mit dem höheren Lebensstandard zu tun hat.

Lebensstandard ist keine Belohnung

Ein hoher Lebensstandard ist nach meiner Ansicht keine Form von "Belohnung" für moralisch richtiges Handeln, genau so wenig wie schlechte Lebensumstände eine Strafe für moralisch falsche Handlungen sind.

Das ist meiner Meinung nach eine idealisierte Wunschvorstellung, denn viele Vorteile im Leben lassen sich auch auf moralisch fragwürdige Weise gewinnen.

Existenz des Belohnungssytems

Außerdem müsste man auch erst einmal wissen, wie der angebliche Belohnungsmechanismus überhaupt funktioniert, um seine hypothetische Existenz nachvollziehbar zu machen. Wer oder was ist es, dass da Belohnungen in Form von komfortablen Lebensumständen austeilt?

Kriterien des Belohnungssystems

Welche Eigenschaften ein Individuum aufweisen muss, um als "guter Mensch" zu gelten, ist gesellschaftsabhängig. Welche Maßstäbe setzt das hypothetische Belohnungssystem an? Humanistische? Evolutionäre?

Lebensstandard als Ungerechtigkeit

Du siehst also, ich halte nicht besonders viel von der Theorie des "gutes wird belohnt, böses wird bestraft" - egal ob man Gott, das Schicksal, oder Karma als Erklärung heranzieht.

Person A ist nun einmal in einem friedlichen, wohlhabenden Land aufgewachsen und erfreut sich aufgrund seines hohen materiellen Lebensstandards einfach gewisser Privilegien.

Person B ist dagegen in einem armen, sozial zerrütteten Land aufgewachsen, weist einen niedrigen materiellen Lebensstandard auf und muss um alltägliche Dinge fürchten. Von Privilegien kann er nur träumen.

Möglicherweise ist es der ersten Person sogar gelungen, durch Intrigen und Korruption noch weiter aufzusteigen, während die immer redliche und ehrliche Person ewig in Armut bleibt.

Scheint das gerecht? Nein - aber es hat ja auch niemand behauptet, dass das Leben irgendeine Form von Gerechtigkeit aufweist.

Die "höhere Gerechtigkeit" und das "Belohnungssystem" sind ein Wunsch vieler Menschen, um dem Leiden und der Ungleichheit einen Sinn zu geben und viele Religionen versprechen die Sinnhaftigkeit - auch wenn es diesen Sinn vielleicht gar nicht gibt.

Lebensqualität und Lebensstandard.

Irgendwelche "Glücks-Studien" zeigen angeblich immer wieder, das Menschen, die in Ländern mit niedrigem materiellen Lebensstandard glücklicher sind, als die Bürger wohlhabender Industrienationen.

Die emotionale Lebensqualität ist dort trotz der materiell schlechten Verhältnisse offenbar höher.

Das mag daran liegen, dass es für einen Menschen am untersten Ende der gesellschaftlichen und sozialen Nahrungskette irgendwann nur noch aufwärts gehen kann - selbst ein Reiskorn ist besser, als kein Reiskorn.

Dagegen fürchten die Bürger wohlhabender Staaten, in Krisenzeiten ihren scheinbar so selbstverständlich hohen Lebensstandard zu verlieren und an Lebensqualität einzubüßen.

Ein hoher Lebensstandard ist also nicht automatisch der Garant dafür, psychisch und emotionale Lebensqualität zu erfahren. Wer sein Glück und seine Zufriedenheit vom Lebensstandard abhängig macht, wird leiden - und sei es nur an der Angst, alles zu verlieren.

Sonstiges

Jetzt könnte man theoretisch über eine Neubewertung zahlreicher Sprüche, Redensarten und Binsenweisheiten nachdenken:

  • "Jeder ist seines Glückes Schmied"
  • "Jedem das seine"
  • "Geld macht nicht glücklich, beruhigt aber ungemein"
  • "Die Ersten werden die Letzten und die Letzten die Ersten sein"
  • usw...

Ob das allerdings irgendeinen besonderen Wert hat und sich positiv auf das eigene Leben und seine Umgebung auswirkt, muss jeder selbst entscheiden.

Lauter Klischees, die du da aufzählst. Ich kenne persönlich reiche Leute, die

  • unheilbar krank sind (merke: Gesundheit kann man nicht kaufen)
  • dumm wie Brot sind (auch Intelligenz kann man nicht mit Geld bezahlen)
  • potthässlich sind (selbst nach Schönheitsoperationen kann man hässlich sein, weil wahre Schönheit von innen kommt)
  • mies drauf sind (Geld macht nicht glücklich, es beruhigt höchstens)
  • keine (zumindest keine echten) Freunde haben
  • sehr ungesund essen (teuer ist nicht grundsätzlich mit gesund gleichzusetzen)
  • und einen Haufen Probleme haben (gerade Reichtum bringt oft ungeahnte Probleme mit sich)
  • und sich ganz sicher nicht als Vorbilder eignen (es soll reiche Leute geben, die ihren Reichtum auf nicht legale Weise erworben haben).

Ebenso kenne ich Leute mit wenig Geld, die weder krank sind noch hungern noch im Elend leben noch größere Probleme haben und mit Sicherheit auch keine schlechten Menschen sind.

Woher nimmst du nur diese ganzen Vorurteile?

Hallo Putzfee, es ist schön, dass Du uns von Deinem sozialen Umfeld erzählst - allerdings hat der Nepumuk Recht, wenn er diese Frage stellt. Auch wenn es möglicherweise Deine Klischees bedient und Dir etwas weh tut, weil es gegen soziale Normen verstößt, darüber zu sprechen...

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@JaniXfX

Was meinst du mit "deine Klischees"? Ich denke Gott sei Dank eben nicht so in Klischees wie der Fragesteller, sondern betrachte jeden Menschen einzeln. Dann kommt man erst gar nicht auf solche Klischees. Jeder Mensch ist ein Individuum und man kann seine Eigenschaften nicht an seinem Besitz festmachen.  Das wollte ich damit sagen und nichts anderes.

Deine Antwort ist dagegen zum Teil tatsächlich reiner Bullshit. 

- Es gibt einen Starken Zusammenhang zwischen Gesundheit/ Intelligenz/ Erfolgswahrscheinlichkeit/ etc und Einkommen der Eltern. 
 

Wer reicher ist, ist automatisch intelligenter? Ich war in meinem ganzen Leben noch nicht reich (bin aber auch nicht arm). Meine Eltern, die waren arm. Trotzdem waren sie kultivierte, gebildete Menschen und haben uns Kindern trotz des fehlenden Geldes eine gute (Schul)Bildung ermöglicht. Und jedes von uns Kindern ist bisher erfolgreich durchs Leben gekommen, sei es beruflich oder privat.

Was du genau wie der Fragesteller machst, ist verallgemeinern.

"Es gibt einen Starken Zusammenhang zwischen Attraktivität und Intelligenz." 

Das kommt natürlich darauf an, was man unter Attraktivität versteht. Wenn man hier die Klischees bedienen möchte, ist das oberflächliche dumme Blondchen auf jeden Fall attraktiver (rein äußerlich gesehen) als ein intelligenter Mensch, der möglicherweise nicht so viel Wert auf reine Äußerlichkeiten legt.

Für mich macht die Ausstrahlung eines Menschen den größten Teil der Attraktivität aus; die hat natürlich bis zu einem gewissen Grad etwas mit Intelligenz zu tun, aber mehr mit emotionaler Intelligenz als mit geistiger (falls du den Unterschied kennst). Und auch hier kann man nicht verallgemeinern. Es gibt intelligente Menschen, die diese Ausstrahlung haben, und es gibt welche, die sie nicht haben. Mit der finanziellen Situation des Menschen hat aber weder das Eine noch das Andere zu tun.

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