Schlechten Menschen verzeihen?


05.01.2022, 12:37

Es geht nicht um mich, falls es jemand vermutet.

11 Antworten

Von Experte DianaValesko bestätigt

Aus meiner Kindheit und Jugendzeit kenne ich einige üble Mobber, unter denen viele Menschen gelitten haben und ich habe auch wirklich grausame Lehrer in Erinnerung. Ob ich denen verzeihen könnte oder würde ... ich weiß nicht, tendenziell eher NEIN. Selbst wenn solche Leute damals ggf. Opfer ihres Umfelds waren oder Opfer falscher Denkweisen oder neben sich standen, haben sie anderen trotzdem viel Leid zugefügt und viel Schmerz verursacht. Deswegen - ganz ehrlich, eher nicht. Oder viel mehr so: Ich kann vielleicht vergeben, aber nicht vergessen.

Ich bewundere jeden, der vergeben kann und sagt Schwamm drüber ... das kann ich normalerweise auch und bin nicht nachtragend, aber nach schwerwiegenden Vorfällen sieht das anders aus und da behalte ich mir vor, so was einfach mal stehen zu lassen. Ich habe auch mal eine Entschuldigung einer ehemaligen Mobberin nicht angenommen, weil meine Freunde und ich jahrelang von ihr Zunder bekamen und ich zu dem Zeitpunkt nicht die 30-jährige Mutter eines Kindes und gelernte Erzieherin sah, sondern die höhnisch grinsende 15-Jährige im Schulbus ... sorry, aber ich bin auch jemand.

Ein Lehrer, der grausam und ungerecht war, wird für mich auch als scheinbar ach so lieber, christlicher, die Hände zum Gebet faltender, zittriger 80-Jähriger mit Brille und Gehstock, der so sehr um seine verstorbene Frau trauert und noch immer weint, wenn man nur von ihr spricht, noch immer der grausame und ungerechte Lehrer bleiben, selbst wenn er es im Alter bereuen sollte. Und da habe ich kein Problem damit, es so direkt und bei Bedarf den Leuten ins Gesicht zu sagen. Ich habe auch bei einer Lehrerin ganz klar zurück geschrieben, dass ich zu niemandem Kontakt haben will, der jahrelang die Kinder gequält hat und speziell Ausländerkinder verhöhnte oder sie zu Unrecht beschuldigte, als sie später via Facebook Kontakt zu mir suchte. Wenn sie geheult haben sollte deswegen ... das ist mir total egal, hätte sie halt damals menschlicheren Umgang mit uns gepflegt. Jeder hat es selbst in der Hand: Wer sich einigermaßen aufführt, der muss auch später nicht damit rechnen, entsprechend behandelt zu werden.

Auch zu ehemaligen Mitschülern will ich keinen Kontakt mehr haben und ich habe eine gewisse Genugtuung verspürt, als manche von ihnen das Los hart traf. EIne ehemalige Mitschülerin, die richtig eklig und gemein war, hat heute einen schwer kranken Mann daheim zu pflegen und eine andere ich nach jahrelanger Krebs-Odyssee mit kurz vor der 30 gestorben, muss zum Schluss fast vollständig erblindet gewesen sein und saß im Rollstuhl. Sorry, das war eine üble Mobberin, da habe ich kein Mitleid.

Ich habe da nicht die arme kranke Frau im Rollstuhl gesehen, sondern das arrogante Mädchen aus der "selbstbewussten" Familie, das andere gemobbt und beleidigt hat, im Internet Leute diffamierte, frech zu Lehrern war, süffisante Kommentare raushaute, sich für besser als alle anderen hielt und immer der Meinung war, alles um sie rum seien Idioten. Tut mir leid.

Zumal meine persönliche Erfahrung ist, dass die Wenigsten eigene Fehler der Vergangenheit bereuen, sondern eher lebenslang der Meinung bleiben, sie seien im Recht. Es kommen meist noch nicht mal diejenigen ins Nachdenken, die sehr schwere Schicksalsschläge erleiden.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Sehe ich genau so. Man muss nicht alles verzeihen aber es ist gut, mit solchen Dingen seinen inneren Frieden zu schließen. Und das fällt mir in manchen Fällen auch nach 40 Jahren noch schwer. Aber man kann sich von solchen Leuten fern halten und muss nicht alte Wunden immer wieder aufreißen.

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@BadWolf27

Ich wohne sowieso nicht mehr in meiner Heimatstadt, von daher muss ich die alle nicht mehr sehen und es belastet mich auch nicht. Es tut sogar gut drüber zu reden oder wie hier zu schreiben. Letztlich habe ich auch in meiner Heimat versucht, mich von diesen Leuten fernzuhalten, wenngleich es nicht immer gelang.

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@rotesand

Ja, das ist gut. Ich habe damals einen alten Klassen"kameraden" auf einer Fete wieder getroffen. Einen üblen Mobber, Schläger und Lügner. Ich habe ihn nicht angesprochen und er saß irgendwo in einer Ecke und bekam den ganzen Abend sein Maul nicht auf. Auch bei Anderen nicht. Der Gastgeber sagte, der sei nur da, weil es angeheiratete Verwandtschaft sein. Ich habe gedacht: was für ein armes Würstchen. Keiner will was mit ihm zu tun haben. Und irgendwie hat das richtig gut getan.

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Ehrlich gesagt bin ich mir nicht wirklich sicher, ob es überhaupt was zu verzeihen gibt,
denn kein Mensch hat es sich ausgesucht bzw. erfunden, dass es nunmal immer zwei Seiten von etwas gibt (hell - dunkel, Mann - Frau .....)
und dass wir Menschen dabei verschieden bewerten.

Wir teilen ständig in gut und böse.
Und wozu?
In Wirklichkeit passiert ständig alles davon.
Auch gerade jetzt .....

Wenn Werten, Bewerten, Urteilen und Verurteilen also wenig ändern / helfen, dann könnten wir es doch gleich einfach akzeptieren,
dass Menschen verschieden auf Prägungen, ihr Umfeld, eigene Erlebnisse, Erziehung ..... reagieren.

Mobber selbst haben ein sehr geringes Selbstwertgefühl und sind arm dran.

Und ist es in Wirklichkeit nicht so, dass wir alle mal irgendwelche von der Gesellschaft negativ bewerteten Eigenschaften doch leben und anwenden?
Dann aber kann ich mich doch über keinen anderen Menschen stellen und glauben, ihm verzeihen zu müssen oder zu können.

Zu mir waren Menschen auch schon "schlecht".
Es kommt auf die eigene Einstellung an. Hat man eine gute, kreative, offene, kann man den Spieß auch mal umdrehen, sich was einfallen lassen, solche Situationen für sich nutzen, etwas daraus lernen.
Man könnte alles neutraler sehen und an sich arbeiten oder auch mal sich selbst darin erkennen.

Oder hast du noch nie jemanden verletzt?
Oder warst du wirklich noch nie "schlecht"?
Sicherlich unbewusst, dennoch war es so.

Vor allem selbst sollte man also mit möglichst vielem, was es auf dieser Welt gibt, in Frieden kommen.
Dabei geht es nicht darum, sich über andere zu stellen, um ihnen zu verzeihen. Das finde ich unangemessen, weil man selbst vielleicht gar nicht mal so viel besser ist. Womöglich in anderen Bereichen, zu anderen Zeiten .... mag alles sein ....

Ich denke, wir sollten akzeptieren, dass uns sogar fiese Dinge als Herausforderung im Leben begegnen und dass es an uns ist, was wir daraus machen. Eigenverantwortung.

Wenn wir unsere eigene Schlechtigkeit erkennen, können wir andere eigentlich nicht mehr dafür verurteilen und müssen ihnen somit auch nicht verzeihen.

Damit meine ich natürlich nicht, Menschen, die gewisse Grenzen überschreiten, dafür nicht haftbar zu machen.
Es geht mir nur um den eigenen Umgang damit und ums Verzeihen, was ich unangebracht finde, weil man sich dabei selbst zu sehr erhöht.

Wenn der vermeintlich schlechte Mensch bereut und sich ändert und wandelt, dann hat er alles richtig gemacht, weil er alle zwei Seiten vom Leben erlebt und sich damit auseinandersetzt und dadurch viel lernen will, genau das, was das Leben will.

Genauso gut wäre es für den vermeintlich guten Menschen, seine Überheblichkeiten zu bereuen .... sich zu ändern und zu wandeln ...., um beide Seiten des Leben kennen zu lernen, um sie akzeptieren zu können.

ja, verzeihen ist eine gute Sache.

In erster Linie für den, der verzeiht. Weil er dann mit der Sache und den Verletzungen abschließen kann. Wenn er nicht verzeiht, dann nagt es immer weiter.

Ich denke schon, zumindest wenn es nichts so heftiges wäre wie z. B. wenn jemand einen mir wichtigen Menschen umgebracht hätte oder so.

Wenn es nichts mit mir zu tun hat, dann ist die Vergangenheit von anderen nicht so wichtig, man sollte anderen auch eine Chance geben sich zu bessern.

Würde ich aber merken dass diese Person nur so tut, also vorgaukelt jetzt ein besserer Mensch zu sein, dann wäre das endgültig gegessen, dann gäbe es keine weitere Chance von mir.

Verzeihen sowieso, aber nicht mehr vertrauen.

Wenn sich aber jemand zum Guten gebessert hat, kann man dann auch versuchen, ob man gegenseitig Vertrauen wieder aufbauen kann.

Aber nicht blind, naiv vertrauen. Das sollte man sowieso nie.

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