Negative Aspekte einer veganen Ernährung (Langzeitveganer)

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Nun, wie der Körper auf eine bestimmte Ernährungsweise reagiert, ist immer individuell, da das Verdauungssystems jedes Menschen etwas unterschiedlich ist. Es gibt einige Probleme, die bei veganer Ernährung verstärkt auftreten können, aber natürlich nicht müssen.

  • Allergien: Sofern man die vegane Ernährung vermehrt mit Ersatzprodukten aus Soja (Sojamilch, Tofu, etc.), Lupinen (Eiersatz in Backwaren) und Weizeneiweiß (Seitan) gestaltet, besteht möglicherweise ein höheres Risiko, Allergien zu entwickeln, da Soja-, Lupinen- und Weizenproteine zu den Hauptallergenen gehören und man diese in außergewöhnlich hohen Mengen zu sich nimmt. Gerade von Sojaprodukten bekommen viele Menschen Verdauungsbeschwerden, weil Soja recht viele unbekömmliche Substanzen enthält, welche nur durch Fermentation (beispielsweise lange gereifte Sojasoße) abgebaut werden.
  • Verdauungsprobleme: Bei veganer Ernährung ernährt man sich tendenziell ballastastoffreicher als bei normaler Mischkost. Proteine beispielsweise muss man sich über Nüsse und Hülsenfrüchte holen, welche eher schwer verdaulich sind. Das Verdauungssystem muss sich also gewissermaßen erstmal durch die ganzen Schalen und Fasern arbeiten, um letztendlich an die Nährstoffe heranzukommen. Käse und Wurst sind da vergleichsweise leicht vom Körper zu verwerten. Man mutet seinem Darm also relativ viel zu und empfindlichere Veganer haben dann häufiger mit chronischem Durchfall oder Blähbauch zu kämpfen.
  • Vitamin-B12-Mangel: Nach aktuellem Wissensstand ist verwertbares Vitamin B12 lediglich in tierischer Nahrung enthalten. Man muss dies also über Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, um nich in einen Mangel zu geraten.
  • Soziale Einschränkungen: Vegane Ernährung kann eventuell einschränkend sein bei gesellschaftlichen Aktivitäten. Man kann eben nicht mal so einfach mit seinen Freunden zum Imbiss oder ins Restaurant gehen, sondern braucht immer ein Stück weit eine "Extrabehandlung" oder muss genauer planen, wo man was essen kann. Man muss da sehr aufpassen, dass darunter nicht Freundschaften langfristig leiden, weil man den anderen zu kompliziert wird.

Aber das ist immer alles eine Sache der persönlichen Verträglichkeit und Lebenssituation, man kann das also nicht verallgemeinern.

Käse und Wurst sind da vergleichsweise leicht vom Körper zu verwerten.<

Kleine Anmerkung:

Nüsse 2-3 Stunden, Käse aus Vollmilch 4-5 Stunden, Schwein 4-5 Stunden, Rind und Lamm 3-4 Stunden, Geflügel 90-210 Minuten

Einzig Fisch ist merklich leichter/schneller zu verdauen.

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@Fielkeinnameein

Ich nehme an, du beziehst dich auf die Verweildauer im Magen. Da ist es natürlich tatsächlich so, dass beispielsweise fettreicher Käse relativ lange im Magen verweilt. Der restliche Teil des Verdauungssystems (Mund, Dünndarm, Dickdarm) kann damit aber relativ leicht umgehen im Gegensatz zu ballaststoffreicher Kost wie Nüsse, Kerne und Hülsenfrüchte. Die muss man erstmal sehr ausgiebig kauen, sonst passiert es schnell, dass man die Linsen oder Kürbiskerne komplett unverdaut und in ganzen Stücken wieder ausscheidet. Und auch wenn man gut kaut, hat man immer noch die ganzen Schalenteile und Fasern im Dickdarm, auf welche sich dann die Darmbakterien stürzen. Bei einigen Menschen ist das kein Problem, es gibt aber nicht wenige, bei denen dann bei regelmäßigem Verzehr schmerzhafte Blähungen und Durchfall entsteht. Und für diese kann vegane Ernährung dann eventuell zum Problem werden und nicht umsonst ist das Thema Verdauungsprobleme auch beispielsweise in Vegan-Foren recht häufig anzutreffen.

Aber du hast mit deiner Anmerkung schon Recht, dass man das differenziert betrachten muss. Gerade Menschen, bei denen der Magen das schwächste Glied in der Verdauungskette ist (etwa im Fall einer chronischen Magenschleimhautentzündung) kann es gerade der Käse oder die Wurst sein, die aufgrund der langen Verweildauer im Magen die meisten Probleme auslöst. Da muss man dann natürlich etwas umdenken. Man kann eben nicht alle in einen Topf werfen, aber eben durchaus Tendenzen erkennen, und so gibt es bei Langzeitveganern sicherlich Beschwerden, von denen Mischköstler seltener betroffen sind.

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Einen Punkt hatte ich oben noch vergessen, von dem Veganer auch tendenziell mehr betroffen sind:

  • Zahnschmelzabbau: Viele rein pflanzliche Lebensmittel enthalten einen hohen Anteil an starken Säuren, insbesondere Obst, Sauerkonserven, bestimmte Gemüsesorten (Spinat, Mangold, Rhabarber) und Salat mit Essig-Öl-Dressing. Diese Säuren weichen den Zahnschmelz auf und es kann zwei Stunden dauern, bis der eigene Speichel die Säuren neutralisiert und den Zahnschmelz remineralisiert hat. Der Mischköstler hat hier weniger Probleme, da die säurehaltigen Speisen oft zusammen mit Milchprodukten verzehrt werden. Die darin enthaltenen Calcium- und Phosphorverbindungen helfen dabei, den Zahnschmelz gegen die Säureangriffe zu schützen. So wird dann beispielsweise der Erdbeerkuchen mit Schlagsahne gegessen, der Salat mit Joghurtdressing, der Spinat mit saurer Sahne oder die Weintrauben zusammen mit Käsewürfeln. Dem Veganer fehlen solche Kombinationsmöglichkeiten. Gerade als Veganer ist es also wichtig, zwischen zwei säurehaltigen Mahlzeiten immer ein paar Stunden Zeit zu lassen, und nach säurereichen Mahlzeiten möglichst zwei Stunden zu warten, bis man sich die Zähne putzt, sonst putzt man sich den aufgeweichten Zahnschmelz weg und hat dann langfristig mit schmerzempfindlichen Zähnen zu kämpfen.
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Ich muss sagen (als Veganer), dass dieser Beitrag erschreckend neutral und zutreffend ist. Lob an dich!

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@Iflar

Danke sehr! Ich war selbst auch mal eine längere Zeit lang Veganer, kenne also gewissermaßen beide Seiten und kann auch die Beweggründe für vegane Lebensweise gut nachvollziehen. Mittlerweile esse ich wieder tierische Produkte, weil es irgendwann nicht mehr so für mich gepasst hatte, aus verschiedenen Gründen.

Ich kann aber auf jeden Fall sagen, dass ich in dieser Zeit viel gelernt habe, denn gerade dadurch, dass man sich viel intensiver damit beschäftigt, welchen Weg ein Lebensmittel eigentlich geht, bis es bei uns auf den Tisch kommt, habe ich auch gelernt, mein Essen viel mehr zu schätzen und vor allem auch viel hochwertiger zu gestalten. Insofern hat für mich das Thema Veganismus auch immer noch eine Daseinsberechtigung und es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen. Nur sollte man eben weiterhin auch ehrlich zu sich selbst sein, offen für andere Meinungen und auch für eventuelle negative Seiten des Veganismus. Wenn man seine Ernährungsphilosphie zu sehr zu einer unantastbaren Religion macht, tut einem das auch auf Dauer nicht gut.

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Ich bin seit 3 Jahren Veganerin. Ich habe keine Verdauungsprobleme und mit der Umstellung auf vegane Ernährung (nach ca. 6 Monaten) keine Nussallergie mehr. Zudem konnte ich endlich zunehmen (habe mich vorher immer zu dünn gefühlt und hatte auch Probleme mit den Gelenken). Daher kann ich aus meiner veganen Zeit eigentlich nur positives berichten.

Ganz am Anfang der Umstellung kommt es normalerweise zu Verdauungsproblemen (da sich der Magendarmtrakt auf die neue Ernährungsweise umstellen muss) die sollten jedoch nach einigen Wochen abklingen.

Bei einer gesunden und ausgewogenen veganen Ernährung sind abgesehen von Vitamin B12 auch keine Mängel zu erwarten. Eine ausgewogene Ernährung bedeutet auch nicht nur Soja- und Weizenprodukte zu verwenden. Sondern auch Reis, Hafer, Dinkel etc. wechsel ein wenig ab, mit dem Gemüse (am besten saisonal, dann hast du bereits eine gewisse Ausgewogenheit), dem Getreide, den Proteinen (Bohnen allgemein, Linsen, Erbsen, Süsslupine, Erdnüsse, Kichererbsen etc.) und bei den Ölen (Raps, Oliven, Baumnuss, Leinen, Sonnenblumen etc.).

Ich empfehle dir zudem dich mit der veganen Ernährungspyramide auseinander zu setzten, da diese den Grundstein der gesunden veganen Ernährung bildet:

http://www.peta.de/ernaehrungspyramide

Geh regelmässig zum Hausarzt und lass deine Blutwerte checken. Sollte dennoch ein Mangel auftreten, setz dich damit auseinander in welchen Lebensmitteln du diesen Mineralstoff/Vitamin findest und in welche Kombination die Aufnahme dieses Stoffes fördert. (z.B. die Eisenaufnahme wird durch Vitamin C gefördert)

es gibt eig. keine negativen aspekt problem ist nur wegen dem eiweiß und eisen das du das zu dir aufnimst erkunde dich mal über vegane lebensmittel mit viel eiweiß und eisen und meistens wird gesagt durch eine vegane lebensweise nimmt man ab das stimmt nicht du lebst zwar gesünder aber die meisten fleischersatzprodukte sind manchmal sogar noch fettiger als das normale fleisch

Ich lebe selbst noch nicht ganz vegan, habe aber schon sehr sehr viele Diskussionen in diese Richtung geführt. Bis jetzt habe ich vom wahrgenommenen Befinden von Seiten der Veganer_innen noch nichts Negatives gehört, rein gar nichts.

DU musst B-12 Tabletten nehmen. Dein körpereigener Speicher hält 7 Jahre vor, danach bist Du echt in trouble. Überprüfe auch bei Gelegenheit den Vitamin D-Spiegel im Blut.

Das stimmt nicht.

Niemand ist gezwungen Tabletten zu nehmen.

Es gibt mittlerweile einige Lebensmittel mit denen man es ohne Probleme schaffen kann, ausreichend B12 zu sich zu nehmen.

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@Fielkeinnameein

Mittlerweile werden einige Nahrungsmitteln künstlich mit Vitamin B12 angereichert, insbesondere Frühstücksflocken, Energydrinks und Soja-Ersatzprodukte. Man kann also mit solchen Produkten auch seinen Vitamin B12-Bedarf decken, ohne sich Tabletten in der Apotheke holen zu müssen. Aber das ist dann natürlich immer noch eine künstliche Nahrungsergänzung.

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@Eichbaum1963

Hey,

Säfte, Cornflakes oder Sojamilch gibt es mit B12.

Cornflakes finde ich besonders praktisch da ich das eh sehr oft zum Frühstück esse. Schau einfach mal auf die Packungen drauf. Achte aber darauf wieviel B12 enthalten ist.

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