Meine Familie ist erzkatholisch - Ich bin dabei mich vom Glauben zu trennen. Wie?

22 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Also, ich kann das schon nachvollziehen. Als Christ bin ich selbst in so einer ähnlichen Konstellation groß geworden. Heute bin ich Gott dankbar, das ich gerade dadurch meinen Glauben NICHT verloren habe. Erzkatholische "Gläubige" können einem wirklich den Glauben verleiden. Glauben ist ja nichts festgefügtes, sondern ein spiritueller Prozess, der ein Leben lang andauert und ähnlich einer Beziehung Höhen und Tiefen, Schwankungen, Zweifeln, Nähe und Distanz aufweist. Hier ist es die Beziehung zu Gott. Um Ihre Frage zu beantworten, meine ich, daß auch Sie Ihren "erlernten" Glauben wahrscheinlich nicht wie einen Mantel abstreifen werden können. Ihr Glaube ist genauso einzigartig wie mein Glaube, weil es neben der Intimität das persönlichste Wesenmerkmal eines Menschen ist. Daher frage ich mich, weshalb Sie gegenüber Ihrer Familie einen solchen Rechtfertigungsdruck spüren? Sind Sie eventuell noch so jung, daß es Ihnen schwerfällt, sich gegen die "Etablierten" zu stellen? Mein Tip: wie jede Familie so ist auch die Ihre keine homogene Gruppe; es gibt immer ein "Sippenoberhaupt". Oder die "Lieblingstante". Oder den "Erfolgreichen". Oder die "weisen Alten". Wenn Sie es also schaffen, jemand von diesen wenigen von Ihren STandpunkten zu überzeugen, haben Sie den Rest gewonnen, weil Sie die "Leitwölfe" als "Fürsprecher" auf Ihrer Seite hatten. Eine andere Variante ist, erstmal zu schweigen und Menschen vor vollendete Tatsachen. Hören Sie auf, das zu tun, was Sie immer schon getan haben und beginnen Sie, so zu leben (zu glauben), wie Sie jetzt überzeugt sind. Ich wünsche Ihnen dabei Gottes Segen.

Das Problem mit dem Familienoberhaupt ist, dass es in der Familie mal eines gab (meinen Opa), der hat aber leider einen Schlaganfall erlitten. Es war ein großer Schock für die ganze Familie. Momentan ist sie "führerlos".

Das Problem ist weiterhin, dass es sehr schwer ist, irgendeinen zu überzeugen, da sie wahrscheinlich mich nicht verstehen. Dann bleibt mir wahrscheinlich nur die 2. Variante. Danke für ihren Rat:-)

0

Das Problem bei der Sache ist, wie du wahrscheinlich schon vermutet hast, Religiöse empfinden die Abwendung vom Glauben sehr häufig als Provokation. Und haben großes Unverständnis für diejenige Person und wollen die Beweggründe erfahren um ihr zu sagen, "wo ihr Denkfehler liege".

Sowas könnte man metaphorisch auch als Pulverfass bezeichnen. Du solltest wissen, dass und was für ein Risiko du damit eingehst, dich zu 'outen' und damit einen Funken in's Spiel zu bringen.

Ich würd's an deiner Stelle tun, indem ich nicht mehr das Gegenteil vorheuchle, aber ich kann nicht einschätzen, wie du zu diesem Thema eingestellt bist...

Sorry, der Teil mit dem "wie" ist etwas kurz gekommen.

Wenn du als diskussionsfreudiger Mensch keinen Glauben vorheuchelst, wird das schon irgendwann rauskommen. Das ist m.E. die intelligenteste und diplomatischste Methode.

0

Ich habe meine Zweifel, dass Du Dich mit Kants Hilfe von Deiner erzkatholischen Erziehung und Deinem Glauben so ohne weiteres lösen kannst.Kant alleine hilft hier sicher nicht weiter.

Kants Kritik richtete sich zuerst an die natürliche ( rationale ) Theologie. Er prüfte die " Beweisgründe der spekulativen Vernunft, auf das Dasein eines höchsten Wesen zu schließen ".Das Ergebnis liefert er in seiner Schrift " Kritik aller Theologie aus spekulativer Vernunft", d.h. Metaphysik. Hierbei ging es ihm zu zeigen, dass der ontologische und kosmologische Beweis vom Dasein Gottes mittels den Prinzipien spekulativer Vernunft " fruchtlos " und " null und nichtig" sind. Seine Kritik der spekulativen Theologie führt er in der " Kritik der reinen Vernunft " weiter.

Kant beläßt es aber nicht bei dieser Kritik. Er deutet auch den Weg an, der zur Gewissheit der Existenz eines " höchsten Wesens " führe: den moralischen Weg einer praktischen Neubegründung der philosophischen Theologie.

Kant vollzieht den Schritt zur Rückgewinnung des zuvor bezweifelten Dasein Gottes durch seine Ethiktheologie ( Stichwort: Was soll ich tun ? ). Diese Frage beantwortet er durch ein allgemein gültiges Sittengesetz ( Moralgesetze ). Zwar sei das " Sittengesetz heilig und göttlich, aber nicht weil es von Gott gegeben wäre, sondern weil es allgemein gültig ist ".

Dieser Schritt selbst geschieht unter der Annahme, in der Idee der reinen Vernunft sei das " System der Sittlichkeit " unzertrenntlich mit der Glückseligkeit verbunden. Diese Gedanken baut er in seiner sogenannten " moralischen Religion " aus, indem er Glückswürdigkeit und Glückseligkeit" in einem festen Zusammenhang sieht.

Kant selbst hat keine Religionsphilosphie begründet. In " Die Religion innerhalb der Grentzen der bloßen Vernunft" spricht er von einer " philosophischen Religionslehre " und vermied bewußt den Begriff Religionsphilosphie.

Wenn Du schon Kant gelesen hast, kannst Du mit Hegel, Fichte, L. Feuerbach und Nietzsche und S.Freud fortfahren. Wenn es unbedingt sein muß.

Wenn man in einem religiösen Umfeld aufwächst, dann ist es ganz natürlich, irgendwann anzufangen, die Religion infrage zu stellen, die einem als Kind vermittelt wurde. Das ist ein Prozess, an dessen Ende zunächst eine persönliche Erkenntnis und dann erst eine Entscheidung steht.

Wenn die Erkenntnis, die du für dich gewinnst, nicht mit dem dir vermittelten katholischen Glauben in Übereinstimmung zu bringen ist, dann hörst du auf zu glauben und musst die Entscheidung treffen, ob du das auch nach außen dokumentierst und vertrittst.

Hier liegt der Hase im Pfeffer. Wagst du es, deiner erzkatholischen Familie zu zeigen und zu sagen, dass du nicht mehr glaubst? Bist du bereit und stark genug, die möglichern Konsequenzen - von eventuellem Liebesentzug über Remissionierungsversuche bis hin zu knallharten Sanktionen, wie dem Verlust von Sozialkontakten - auszuhalten und zu ertragen?

Das kann für dich ein sehr traumatisches Erlebnis werden, dem sehr junge Menschen in aller Regel noch nicht gewachsen sind.

Daher mein Rat an dich: Pflege deinen wachsenden Unglauben und unterziehe dich trotzdem aller religiösen und sozialen Rituale, die dein katholisches Umfeld von dir erwartet. Wenn du alt genug, emotional und wirtschaftlich unabhängig bist, dann kannst du dich auch offiziell von deiner Religion trennen. Vorerst halte die Füße still und nimm den Katholizismus als kulturelles Beiprogramm, das in deiner Familie eben als Tradition überliefert ist.

Besser den Unglauben bekannt geben als einen auf Heuchler tun. Was findest du denn moralisch besser?

3
@Fertippt

Das hängt ganz davon ab, wie moralisch einwandfrei das Umfeld handeln wird. Wenn das Umfeld unmoralisch handeln wird, seine Machtposition ausnutzt und mich mich "bestraft", nur weil ich nicht mehr glaube, dann habe ich moralisch gesehen auch das Recht zu "heucheln".

Gegenüber Heuchlern darf man heucheln, sonst gereicht einem die eigene Moral regelmäßig zum Nachteil. Die Heuchler werden nicht davor zurückschrecken, einen mit der eigenen Moral zu erpressen. Darauf darf man sich nicht einlassen.

12
@Fertippt

Das ist ein guter Rat aus mehr Lebenserfahrung, die Du offenbar nicht hast.

Lüge liegt hier nicht vor, wenn man nicht etwas sagt, nach dem einen niemand gefragt hat. Es ist also ethisch einwandfrei.

8

So! Endlich! Das ist eine Antwort, wie ich sie mir erhofft hatte!

7

Das finde ich dann höchst problematisch ! Du regst den Fragesteller an ein Heuchler zu werden .....ich fasse es auch nicht . PFUI !

2
@ALATI

Du solltest mal meinen Kommentar darunter lesen. Die wahren Heuchler sind die, die ihn wegen seines Unglaubens aus der Familie ausschließen würden, also scheinheilige Heuchler, die regelmäßig zur Beichte kriechen und sich gute Katholiken nennen. Pfui!

10
@PeVau

Das ist kein Fakt. Das ist eine reine Vermutung, die sich aus deiner Sympathie für ihn ergibt.

0
@PeVau

Ich fände es gut, dass du mit dieser Hetzkampagne aufhören würdest. Dies käme den Menschen, die aus ihrem Leben noch etwas machen wollen, sehr gelegen.

0

Du kannst, sobald Du 14 Jahre alt bist, zum Amtsgericht gehen und aus der Kirche austreten. Deine Familie würde es Dir natürlich übel nehmen, dass Du abtrünnig geworden bist. Da brauchst Du vermutlich jede Menge Mut, falls sie es erfahren. Ich gehe davon aus, dass Du auch nicht jeden Sonntag in die Kirche gehst. Wenn die gesamte Verwandtschaft glaubt zu wissen, dann kannst Du ruhig bekennen, dass Du nichts weißt, und ein blinder Glaube Dir fern liegt. Schließlich respektierst Du ihren Glauben weiterhin. So kannst Du Diskussionen abweisen, weil Du denselben Respekt für Deine Zweifel erwarten kannst.

Austreten kann man erst mit 16.

0
@Maxi2433

Oh, das wusste ich nicht. Aber ist ja auch logisch. Vorher sind auch kaum Kirchensteuer zu erwarten.

0

Was möchtest Du wissen?